Luftverkehrsteuer: Regierung senkt Flugticket-Steuer ab Juli
02.04.2026 - 06:39:21 | boerse-global.deDie Bundesregierung will die Luftverkehrsteuer deutlich senken. Ab Juli 2026 sollen die Steuersätze für alle Strecken sinken, um deutsche Flughäfen und Airlines im europäischen Wettbewerb zu stärken. Das Kabinett hat den entsprechenden Gesetzentwurf am Mittwoch beschlossen. Damit kehrt die Koalition zu den Steuerniveaus von vor 2024 zurück – eine spürbare Entlastung für Passagiere und die angeschlagene Luftfahrtbranche.
Deutlich niedrigere Steuern fĂĽr alle Strecken
Der Entwurf des Bundesfinanzministeriums sieht eine gestaffelte Senkung vor. Die neue Berechnung basiert auf der Entfernung vom Drehkreuz Frankfurt am Main zum größten Zielflughafen im jeweiligen Land.
Für Kurzstreckenflüge bis 2.500 Kilometer – das umfasst die meisten Inlands- und Europaverbindungen – sinkt die Steuer von 15,53 auf 13,03 Euro pro Passagier. Das sind 2,50 Euro Ersparnis pro Ticket. Auf Mittelstrecken zwischen 2.500 und 6.000 Kilometern reduziert sich der Satz von 39,34 auf 33,01 Euro (minus 6,33 Euro). Die höchste nominale Entlastung gibt es auf Langstrecken über 6.000 Kilometer: Hier fällt die Abgabe von 70,83 auf 59,43 Euro – eine Ersparnis von 11,40 Euro je Fluggast.
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Das Finanzministerium appelliert ausdrücklich an die Airlines, diese Steuerersparnis direkt an die Kunden weiterzugeben. Eine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt es zwar nicht. Die Regierung geht jedoch davon aus, dass die geringere steuerliche Belastung zu wettbewerbsfähigeren Preisen und höherer Nachfrage führen wird. Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundestags tritt die neue Regelung mitten in der Sommersaison 2026 in Kraft.
Kampf um Wettbewerbsfähigkeit
Hinter der Steuersenkung steht die Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrsstandorts. Branchendaten zeigen: Während der europäische Luftverkehr das Vorkrisenniveau längst überschritten hat, liegen die Passagierzahlen in Deutschland noch etwa 11 Prozent unter denen von 2019. Hohe staatliche Kosten – neben der Luftverkehrsteuer auch Sicherheitsgebühren und Flugsicherungsentgelte – gelten als Hauptgrund.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) warnte wiederholt, Deutschland entwickle sich zum europäischen „Kosten-Outlier“. Ein Abflug von einem deutschen Flughafen ist demnach mit fast doppelt so hohen staatlichen Abgaben belastet wie in anderen europäischen Drehkreuzen. Die Steuersenkung soll nun weitere Streichungen von Verbindungen verhindern. Billigflieger wie Ryanair und EasyJet signalisierten bereits, dass sie geplante Kapazitätskürzungen überdenken und gestrichene Regionalverbindungen möglicherweise wieder aufnehmen könnten.
Für die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz ist die Maßnahme Teil einer breiteren Strategie zur Stärkung des Wirtschafts- und Logistikstandorts Deutschland. Die Luftfahrtbranche wird als „Schlüsselindustrie“ eingestuft, die etwa 1,5 Millionen Arbeitsplätze sichert. Durch die Steuersenkung erhofft man sich Impulse für Tourismus, Messen und Geschäftsreisen – allesamt wichtige Säulen der exportorientierten deutschen Wirtschaft.
Finanzierung sorgt fĂĽr Konfliktstoff
Die Steuersenkung hat einen spürbaren Loch im Bundeshaushalt zur Folge. Für das zweite Halbjahr 2026 rechnet das Finanzministerium mit Mindereinnahmen von 170 bis 185 Millionen Euro. In den Folgejahren dürfte das jährliche Defizit bei 340 bis 355 Millionen Euro liegen. Bis 2030 summiert sich die steuerliche Entlastung für Branche und Passagiere auf über 1,5 Milliarden Euro.
Um die Schuldenbremse einzuhalten, soll dieser Ausfall durch gezielte Kürzungen im Etat des Bundesverkehrsministeriums kompensiert werden. Welche Projekte konkret betroffen sein werden, ist noch nicht im Detail bekannt. Diese Pläne sorgen bereits für Diskussionen in der Koalition.
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Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) übt scharfe Kritik. Sie wirft dem Verkehrsminister vor, der Luftfahrtlobby zu weit entgegengekommen zu sein. Die Gewerkschaft befürchtet, dass die Steuersenkung auf Kosten dringend benötigter Investitionen in die Schieneninfrastruktur geht – eine zentrale Säule der deutschen Verkehrswende. Das Finanzministerium hält dagegen: Die Maßnahme sei ausgewogen, das durch eine aktivere Luftfahrtbranche angestoßene Wirtschaftswachstum komme letztlich dem Gesamthaushalt zugute.
Ein erster Schritt – oder ein falsches Signal?
Die Reaktionen aus der Wirtschaft fallen verhalten positiv aus. Der BDL begrüßt den Kabinettsbeschluss als „Schritt in die richtige Richtung“, betont aber, dass dies nur der Anfang eines umfassenderen Entlastungspakets sein dürfe. Branchenexperten monieren, dass die Wiedereinführung des sogenannten „ETS-Minderungsmechanismus“ fehlt. Dieser hatte zuvor eine Senkung der Luftverkehrsteuer ermöglicht, wenn die Kosten im Emissionshandel stiegen.
Klimaschutzorganisationen reagieren dagegen mit scharfer Ablehnung. Sie bezeichnen die Steuersenkung als „fatales Signal“ für die Klimapolitik. Die Verbilligung des Fliegens stehe im Widerspruch zu den Zielen der Verkehrswende, angesichts des enormen CO?-Fußabdrucks der Luftfahrt. Die Kritiker fordern stattdessen, die Bahn attraktiver und günstiger zu machen, um einen Umstieg von Kurzstreckenflügen zu fördern.
Der Gesetzentwurf geht nun in die parlamentarische Beratung im Bundestag. Da die Koalition sich bereits geeinigt hat, wird mit einer zügigen Verabschiedung ohne größere Änderungen gerechnet. Die Branche wird anschließend genau beobachten, ob die Airlines die Steuerersparnis tatsächlich an die Kunden weitergeben oder ob sie durch steigende Treibstoffkosten und geopolitische Unsicherheiten aufgefressen wird. Für Passagiere markiert der 1. Juli 2026 eine potenzielle Wende hin zu günstigerem Reisen. Die langfristige Wirkung auf die deutsche Luftverkehrslandschaft wird jedoch davon abhängen, ob dieser steuerliche Impuls von weiteren strukturellen Kostenensenkungen flankiert wird.
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