Spanien ĂŒber Schweigen von Merz bei Trump verĂ€rgert
04.03.2026 - 21:56:13 | dpa.de(neu: mehr Details und Hintergrund)
MADRID/BERLIN/BRĂSSEL/WASHINGTON (dpa-AFX) - Das Schweigen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angesichts der harschen Kritik von US-PrĂ€sident Donald Trump im WeiĂen Haus an Spaniens Widerstand gegen den Iran-Krieg hat die Regierung in Madrid verĂ€rgert. Diplomatisch höflich formulierte Spaniens AuĂenminister JosĂ© Manuel Albares, er habe Deutschland seine "Ăberraschung" ĂŒber die mangelnde SolidaritĂ€t des Bundeskanzlers ĂŒbermittelt.
AuĂenminister Johann Wadephul betonte, die EU-MitgliedslĂ€nder stĂŒnden zusammen und wĂŒrden sich nicht auseinanderdividieren lassen. "Und wir lassen auch nicht zu, dass ein einzelner Mitgliedsstaat wettbewerbsrechtlich oder beim Marktzugang bedroht wird", sagte der CDU-Politiker nach einer Sitzung des Ostseerats in Warschau. Er ergĂ€nzte: "Wir stehen in der EuropĂ€ischen Union zusammen. Und das gilt auch fĂŒr Spanien ganz selbstverstĂ€ndlich." Es habe von amerikanischer Seite VorwĂŒrfe gegeben, diese habe Merz aber auch mit Trump besprochen.
Spanien ist innerhalb der EU einer der schÀrfsten Kritiker von Trumps Politik und setzt sich deutlich von dem eher auf Schadenbegrenzung bedachten Kurs anderer europÀischer Staats- und Regierungschefs wie etwa Merz ab.
Sånchez zog Groll Trumps schon öfter auf sich
Der linke Regierungschef Pedro SĂĄnchez bezweifelt, ob die Angriffe auf den Iran vom Völkerrecht gedeckt sind und verbot deshalb die Nutzung spanischer MilitĂ€rbasen durch das US-MilitĂ€r fĂŒr EinsĂ€tze gegen den Iran.
Er hatte sich in der Vergangenheit schon wiederholt mit Trump angelegt, indem er die Erhöhung der MilitĂ€rausgaben auf fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ablehnte, US-Techkonzerne an die Kandare legen will oder die Festnahme des venezolanischen PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro kritisierte.
Merz lieà Trumps Attacken zunÀchst unerwidert
Trump hatte bei dem Treffen mit Merz am Dienstag im WeiĂen Haus in Washington harte Kritik an den Regierungen in Madrid und London geĂŒbt. "Einige europĂ€ische LĂ€nder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", sagte er mit Blick auf die US-Angriffe auf den Iran. "Spanien hat tatsĂ€chlich gesagt, dass wir ihre StĂŒtzpunkte nicht nutzen dĂŒrfen", beschwerte sich Trump.
"Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunĂ€chst unklar. Vor laufenden Kameras ging Merz im WeiĂen Haus nicht auf die Angriffe Trumps ein.
SpĂ€ter trat der Kanzler der Drohung Trumps entgegen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den US-Zollkonflikt mit der EU betonte er, Spanien sei Mitglied der EU. "Und als solches fĂŒhren wir Verhandlungen ĂŒber ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht", stellte Merz klar.
Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Mittwoch in Berlin auf eine Frage nach Merz' Verhalten in Washington: "Der Kanzler hat im Oval Office zu Spanien nicht reagiert und hat anschlieĂend im GesprĂ€ch - wie er das selbst gestern anschlieĂend mitgeteilt hat - diese Situation noch mal aufgegriffen und eine Klarstellung gemacht."
Sånchez warnt vor NaivitÀt
Diese ĂuĂerungen wurden in spanischen Medien als Versuch des Kanzlers gewertet, sein anfĂ€ngliches Schweigen gegenĂŒber Trump zu korrigieren. SĂĄnchez erwĂ€hnte Merz zwar nicht direkt, sagte aber, es sei "naiv zu glauben, dass blinder und unterwĂŒrfiger Gehorsam FĂŒhrung bedeutet".
Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron, der die Angriffe gegen den Iran ebenfalls als nicht vom Völkerrecht gedeckt sieht, sicherte Spanien in einem Telefonat mit Sånchez die "europÀische SolidaritÀt Frankreichs" zu.
Die EU warnte Trump davor, Spanien mit einem Handelsembargo zu belegen. "Wir stehen in voller SolidaritĂ€t mit allen Mitgliedstaaten und ihren BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern und sind im Rahmen unserer gemeinsamen Handelspolitik bereit zu handeln, falls dies erforderlich ist, um die Interessen der EU zu wahren", sagte ein Sprecher der EU-Kommission von Ursula von der Leyen. Man erwarte, dass sich die USA an die Handelsabsprachen hielten.
Klarstellung auch von Spanien: Keine MilitÀrkooperation mit den USA
Angaben von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt, Spanien habe sich nun doch bereit erklÀrt, mit dem US-MilitÀr zusammenzuarbeiten, dementierte Madrid umgehend. "Die Position der spanischen Regierung hinsichtlich des Krieges im Nahen Osten, der Bombardierungen des Irans und der Nutzung unserer Basen hat sich nicht verÀndert. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sie darauf kommt", sagte Albares.
Starmer tut Trump-Kritik als nebensÀchlich ab
Der britische Premier Keir Starmer bemĂŒhte sich bei der wöchentlichen Fragestunde im Parlament in London, die beiĂende Kritik Trumps vom Vortag als nebensĂ€chlich abzutun. FĂŒr den innenpolitisch schwer angeschlagenen Starmer ist der Iran-Krieg heikel. Das liegt vor allem daran, dass die Briten dem frĂŒheren Labour-Premier Tony Blair noch heute nachtragen, den USA 2003 in den Irak-Krieg gefolgt zu sein. Die Invasion gilt in GroĂbritannien inzwischen als Desaster.
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