Medizinische Fachangestellte: Rekordzahlen trotz Fachkräftemangel
17.03.2026 - 00:00:23 | boerse-global.deDie Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) ist erstmals der beliebteste Ausbildungsberuf für Frauen in Deutschland. Doch Praxen und Kliniken suchen weiter händeringend nach qualifiziertem Personal – trotz spürbarer Gehaltserhöhungen.
Attraktivität auf Rekordniveau
Die Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) vom 3. März 2026 sprechen eine klare Sprache: 16.680 Frauen begannen 2025 eine Ausbildung zur MFA. Damit löst der Gesundheitsberuf die Kauffrau für Büromanagement an der Spitze ab. Noch deutlicher fällt der Zuwachs bei Männern aus. Mit 1.146 neuen Ausbildungsverträgen verzeichnet das BIBB den stärksten absoluten Jahresanstieg seit 2009. Experten sehen darin ein Zeichen für ein sich wandelndes Berufsbild, das durch digitale Verwaltung und komplexe Abläufe an Attraktivität gewinnt.
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Tarifvertrag bringt mehr Geld
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die zweite Stufe des aktuellen Gehaltstarifvertrags. Sie bringt MFAs eine durchschnittliche Gehaltserhöhung von 3,4 Prozent. In der niedrigsten Tätigkeitsgruppe starten voll ausgebildete Fachkräfte nun mit einem Bruttogehalt von 2.939,59 Euro monatlich. Mit entsprechender Weiterverantwortung sind in der höchsten Gruppe bis zu 4.895,78 Euro möglich. Auch Auszubildende profitieren: Ihre Vergütung stieg um 50 Euro pro Jahr, auf nun 1.050 Euro im ersten Lehrjahr.
Der Wettbewerb um Fachkräfte bleibt hart
Doch die erfreulichen Ausbildungszahlen und besseren Gehälter lösen das Kernproblem nicht: Der akute Fachkräftemangel in Arztpraxen und Kliniken hält an. Demografischer Wandel, viele Renteneintritte und eine wachsende Verwaltungslast lassen die Zahl offener Stellen weiter steigen. Der Wettbewerb ist gnadenlos. Große Kliniken und Gesundheitszentren zahlen laut Stellenportalen oft bis zu 500 Euro mehr im Monat als klassische Praxen – und ziehen so Personal ab. Für viele Haus- und Fachärzte wird die Personalsuche zur Existenzfrage.
Was Praxen jetzt bieten müssen
Um im Kampf um qualifizierte MFAs zu bestehen, reicht eine Stellenanzeige längst nicht mehr aus. Erfolgreiche Arbeitgeber setzen auf umfassende Pakete. Ein Schlüssel sind bezahlte Weiterbildungen. Zusatzqualifikationen wie VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) oder NäPa (Nicht-ärztliche Praxisassistenz) ermöglichen MFAs mehr klinische Verantwortung und heben sie in höhere Gehaltsgruppen. Das kann das Grundgehalt um 20 bis 50 Prozent steigern.
Gleichzeitig gewinnen flexible Arbeitszeitmodelle, Vier-Tage-Wochen und klare Überstundenregelungen an Bedeutung. Investitionen in die Digitalisierung der Praxis – von der elektronischen Patientenakte bis zum digitalen Terminmanagement – entlasten das Personal und steigern die Zufriedenheit.
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Die Herausforderung heißt Bindung
Die eigentliche Bewährungsprobe steht dem Gesundheitswesen noch bevor. Die Rekordzahlen bei den Ausbildungsanfängern sind ein Erfolg. Doch die Branche muss diese Fachkräfte auch langfristig halten. Bleiben die Arbeitsbedingungen hinter den finanziellen Verbesserungen zurück, droht ein Abwandern in andere Verwaltungsberufe oder zu besser ausgestatteten Großkliniken. Die Zukunft der ambulanten Versorgung hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, den Beruf der MFA nachhaltig attraktiv zu gestalten – nicht nur finanziell, sondern auch durch moderne Arbeitsstrukturen und klare Karrierepfade.
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