ROUNDUP, Iran-Proteste

Iran-Proteste spitzen sich zu - Internet-Blackout

09.01.2026 - 06:35:05

Mehr als eine Woche nach Beginn der landesweiten Proteste im Iran erreichen die Demonstrationen in Teheran einen Höhepunkt.

Videos in sozialen Medien zeigten Menschenmassen in der Hauptstadt. Augenzeugen berichteten von SicherheitskrÀften, die mit TrÀnengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten zeigten brennende Fahrzeuge der SicherheitskrÀfte in Teheran.

Die Proteste kehrten auch in viele andere Metropolen zurĂŒck, nachdem in den vergangenen Tagen vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der westlichen Provinzen demonstriert hatten. In der Millionenstadt Maschhad im Nordosten berichteten Augenzeugen von großen Protesten. Es sei "wie Krieg", beschrieben Einwohner die Szenen auf den Straßen.

US-PrĂ€sident Donald Trump solidarisierte sich mit den Demonstrierenden und drohte der FĂŒhrung in Teheran erneut.

"Internet-Blackout" inmitten der Proteste

Die Behörden schalteten unterdessen den weltweiten Internetzugang fĂŒr die Bevölkerung ab. Das Land befinde sich in einem "Internet-Blackout", berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. Ein kleiner Teil des MilitĂ€r- und Machtapparats dĂŒrfte das Internet weiter frei nutzen können. Auch per Telefon waren Kontakte im Iran zunĂ€chst nicht mehr erreichbar.

Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Donnerstag einen Einbruch des Web-Traffics um 100 Prozent. Die vollstĂ€ndige Internetsperre erinnert an das Vorgehen des Staates vor rund sechs Jahren: Damals protestierten vor allem Menschen wegen steigender Benzinpreise. Der Staat verhĂ€ngte eine fast einwöchige Sperre, wĂ€hrend der SchĂ€tzungen von Menschenrechtlern zufolge Hunderte Demonstrierende getötet wurden. PrĂ€sident Massud Peseschkian hatte die SicherheitskrĂ€fte am Mittwoch noch zur ZurĂŒckhaltung aufgerufen.

"Tod dem Diktator" hallt ĂŒber die DĂ€cher

Am Abend hatten Menschen von Fenstern und Balkonen Slogans gegen die Staatsmacht gerufen. "Tod dem Diktator" und "Das ist der letzte Kampf, Pahlavi kommt zurĂŒck", hallte ĂŒber die DĂ€cher. Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestĂŒrzten Schahs, hatte fĂŒr Donnerstag und Freitag zu Protesten aufgerufen.

Die neue Protestwelle erschĂŒttert den Iran seit Ende Dezember. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen WĂ€hrung Rial. In Teheran gingen daraufhin wĂŒtende HĂ€ndler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet.

Bislang kamen bei den Protesten 45 Demonstranten ums Leben, wie die in Oslo ansÀssige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) mitteilte. "Die Fakten zeigen, dass die Repressionen von Tag zu Tag gewalttÀtiger und umfassender werden", sagte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam.

Trump droht erneut der StaatsfĂŒhrung in Teheran

US-PrĂ€sident Trump erneuerte eine Drohung an die StaatsfĂŒhrung in Teheran. "Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfangen, Menschen zu töten, was sie wĂ€hrend ihrer Unruhen, die ja hĂ€ufig vorkommen, gerne tun", sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten Folge des Podcasts "The Hugh Hewitt Show". Die US-Regierung verfolge die Situation aufmerksam. Trump lobte die Iraner als "mutige Menschen". Es war jedoch unklar, wann das GesprĂ€ch aufgezeichnet wurde.

@ dpa.de