Wohnungen, Mietangebot

Immer mehr möblierte Wohnungen - regulÀres Mietangebot sinkt

20.04.2026 - 06:25:40 | dpa.de

Mehr möblierte Wohnungen, weniger regulĂ€re Mietangebote: Wer in deutschen StĂ€dten eine Wohnung sucht, trifft bei Inseraten auf ĂŒblichen Immobilienportalen zunehmend auf starke EinschrĂ€nkungen.

Das zeigen Daten des Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft (IfW), das regelmĂ€ĂŸig den Mietindex GREIX herausgibt.

Demnach ist die Zahl der regulĂ€ren Mietangebote in den untersuchten 37 deutschen StĂ€dten und Regionen, darunter die 30 bevölkerungsreichsten StĂ€dte, seit 2015 um 22 Prozent gefallen auf 285.000. Teils sehe man sogar eine Halbierung: "In einzelnen StĂ€dten wie MĂŒnster oder Potsdam betrĂ€gt der RĂŒckgang gegenĂŒber 2015 sogar 50 bis 55 Prozent", so die Forscher.

"Konditionen, die vor zehn Jahren eine Ausnahme waren"

Stark wachse dagegen das Segment möblierter, unbefristeter Mietwohnungen, wenn auch von niedrigem Niveau aus. In den acht grĂ¶ĂŸten deutschen StĂ€dten, darunter Berlin, Hamburg und MĂŒnchen, stieg demnach die durchschnittliche Zahl solcher Inserate von rund 7.500 im Jahr 2015 auf rund 23.000 im vergangenen Jahr. Im gesamten GREIX-Index wuchs das Segment von etwa 12.000 auf 37.000 Inserate. GegenĂŒber 2015 sei das in beiden FĂ€llen ein Anstieg von mehr als 200 Prozent.

Der Mietmarkt verĂ€ndere sich strukturell, sagt Jonas Zdrzalek, Projektleiter des GREIX am IfW Kiel. "RegulĂ€re Inserate sind seit 2015 um ĂŒber ein FĂŒnftel zurĂŒckgegangen, wĂ€hrend möblierte unbefristete Angebote sich in den Metropolen mehr als verdreifacht haben. Wer heute in einer Großstadt ĂŒber die gĂ€ngigen Plattformen eine Wohnung sucht, trifft zunehmend auf Konditionen, die vor zehn Jahren noch eine Ausnahme waren."

Das Segment Wohnen auf Zeit - befristete, meist möblierte Angebote - ist laut IfW ab 2015 ebenfalls deutlich gewachsen, seit 2018 sei der Anstieg aber abgeebbt: Seither sei die Zahl solcher Inserate um 8,4 Prozent in den acht Metropolen und 7,1 Prozent im gesamten GREIX-Index gestiegen.

Insgesamt dominierten regulĂ€re Mietangebote zwar, bilanziert das IfW. Ihr Anteil liege bei 73 Prozent im gesamten GREIX und 63 Prozent in den Top-8-StĂ€dten, er sinke aber kontinuierlich. FĂŒr den GREIX-Index werden Angebote von mehr als 100 Immobilienportalen und Maklerwebsites gebĂŒndelt und pro Quartal ĂŒber 60.000 Inserate analysiert.

Politik will reagieren

Möblierte Mietwohnungen stehen in der Kritik. Die Praxis, dass möblierte Wohnungen fĂŒr mehrere Monate oder ein Jahr vermietet werden, nimmt etwa in Berlin laut MieterverbĂ€nden und anderen Experten zu, weil Vermieter damit die Mietpreisbremse und andere Regeln umgehen können - so sind höhere Profite möglich. Im gesamten deutschen Markt schĂ€tzte das Ifo-Institut allerdings jĂŒngst den Anteil der befristet vermieteten möblierten Wohnungen auf höchstens 0,8 Prozent.

Die Bedeutung der möblierten Vermietung auf Zeit werde hĂ€ufig ĂŒberschĂ€tzt, "weil Wohnungen, die zeitlich begrenzt vermietet werden, hĂ€ufiger inseriert werden als dauerhaft mietbare Wohnungen". Außerdem sei, anders als bei Wohnraum zur langfristigen Vermietung, die hĂ€ufig ohne Inserat vermietet wĂŒrden, davon auszugehen, dass der Offline-Markt in diesem speziellen Segment gering sei, betonte das Ifo-Institut.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will auf Zeit vermietete möblierte Wohnungen stĂ€rker regulieren. Hubigs PlĂ€ne sehen bei der Vermietung zum vorĂŒbergehenden Gebrauch eine Höchstgrenze von sechs Monaten vor. Zudem soll der Möblierungszuschlag als angemessen gelten, wenn er bei voll ausgestattetem Wohnraum fĂŒnf Prozent der Nettokaltmiete nicht ĂŒbersteigt.

Mietanstieg etwas schwÀcher

In Sachen Mieten beobachtet das IfW insgesamt eine AbschwĂ€chung der jĂŒngsten Anstiege. Im ersten Quartal legten die Angebotsmieten im Bundesschnitt laut GREIX-Index nominal um 0,5 Prozent gegenĂŒber dem Vorquartal zu. Zum Vorjahresquartal stand ein Plus von 2,9 Prozent. "Das ist die niedrigste nominale Jahreswachstumsrate seit dem vierten Quartal 2021", hieß es. Im vierten Quartal waren die Mieten im Greix-Index noch um 4,5 Prozent gestiegen, doppelt so stark wie die Inflation damals.

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