Mercedes-Benz, Aktie

Mercedes-Benz Aktie: 90.000 verlieren Juli-Sonderzahlung

03.07.2026 - 21:20:02 | boerse-global.de

Zehntausende Mercedes-Mitarbeiter protestieren gegen Sparkurs. Vorstand verteidigt Maßnahmen. Aktie zeigt sich unbeeindruckt.

Mercedes-Benz Aktie: Massenproteste gegen verschobene Sonderzahlung
Mercedes-Benz - Eine abstrakte Szene, die den Automobilsektor darstellt, mit gedämpften Farben und zerstreutem Licht, das Unsicherheit und finanzielle Belastung vermittelt. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Vor den Werkstoren in Sindelfingen herrscht an diesem Freitag Ausnahmezustand. Zehntausende Mercedes-Benz-Beschäftigte legen bundesweit die Arbeit nieder und protestieren gegen den Sparkurs des Vorstands. An der Börse zeigt sich davon kaum etwas.

Bis zu 20.000 Beschäftigte auf den Straßen

Nach Angaben der IG Metall beteiligen sich landesweit bis zu 20.000 Menschen an den Kundgebungen. Allein am Hauptstandort Sindelfingen versammeln sich rund 10.000 Beschäftigte. Auch das Unternehmen bestätigt diese Zahl für den größten Standort. Weitere Aktionen finden in Bremen, Rastatt, Hamburg und Berlin statt.

Auslöser ist eine kurzfristige Entscheidung des Vorstands. Von den 108.000 Mercedes-Benz-Mitarbeitern in Deutschland erhalten rund 90.000 ihre geplante Sonderzahlung für Juli nicht.

Der sogenannte Transformationsbaustein liegt bei 18,4 Prozent eines Monatsgehalts. Die Zahlung verschiebt sich auf das Jahr 2027. Das Management begründet den Schritt mit den hohen Kosten am Standort Deutschland.

Vorstand spricht von „dramatischer Lage"

In einem Schreiben an die Belegschaft bezeichnet der Vorstand die aktuelle Situation als „dramatisch". Nur mit deutlich niedrigeren Kosten bleibe der Konzern bei den Produktpreisen international wettbewerbsfähig. Neben der verschobenen Sonderzahlung steht auch die 35-Stunden-Woche zur Debatte.

Der Vorstand will über eine längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln. Damit soll die Produktivität steigen. Die Arbeitnehmerseite lehnt das ab.

Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali reagiert scharf. Die Beschäftigten seien nicht bereit, den Abbau sozialer Standards kampflos hinzunehmen, sagt er in Sindelfingen. Die IG Metall droht mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen, sollte der Vorstand die Pläne nicht zurücknehmen.

Aktie bleibt trotz Protesten stabil

Der Kapitalmarkt reagiert gelassen auf die Unruhe vor den Werkstoren. Die Mercedes-Benz-Aktie notiert bei 45,17 Euro, ein Plus von 0,14 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht legt der Titel um 4,4 Prozent zu.

Die Erholung wirkt angesichts der vergangenen Wochen jedoch fragil.

Erst am 29. Juni markierte die Aktie bei 42,64 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Zum Rekordhoch aus dem Dezember 2025 fehlt dem Titel weiterhin mehr als ein Viertel des Werts.

Auch charttechnisch bleibt der Druck hoch. Die Aktie notiert rund 17,6 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt, die Volatilität liegt bei knapp 30 Prozent. Beides deutet auf anhaltende Unsicherheit der Anleger hin.

Entscheidungstage im Juli

Zwei Termine dürften zeigen, ob der Sparkurs bereits in der Bilanz ankommt. Am 14. Juli folgt der Pre-Close Call zum zweiten Quartal. Zwei Wochen später, am 28. Juli, veröffentlicht Mercedes-Benz den vollständigen Quartalsbericht.

Bis dahin bleibt der Tarifkonflikt ein Belastungsfaktor für den Titel. Setzt die IG Metall ihre angekündigten Arbeitskampfmaßnahmen um, drohen zusätzliche Produktionsausfälle in den kommenden Wochen.

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