Mercedes-Benz Aktie: Sonderzahlung verschoben
26.06.2026 - 14:47:00 | boerse-global.de
Der Vorstand schreibt intern von einer "dramatischen" Situation — und handelt danach. Mercedes-Benz verschiebt eine für Juli geplante tarifliche Sonderzahlung auf das kommende Jahr. Ein ungewöhnlicher Schritt, der zeigt, wie ernst der Kostendruck mittlerweile ist.
Bei der verschobenen Zahlung handelt es sich um den jährlichen "Transformationsbaustein" — er beträgt 18,4 Prozent des individuellen Monatsentgelts. Die Gesamtsumme blieb zunächst offen. Das Management begründete den Schritt damit, dass die strukturellen Kosten in Deutschland, insbesondere die Arbeitskosten, im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig seien.
Arbeitszeit im Fokus
Parallel dazu will das Management in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln. Derzeit gilt für tarifgebundene Beschäftigte die 35-Stunden-Woche. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali hat eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bereits abgelehnt — angesichts teils geringer Werksauslastung sei das nicht zielführend. Formelle Verhandlungen sind zudem nur über die Tarifparteien IG Metall und Arbeitgeberverband möglich.
Gewinnrückgang zieht sich durch
Der Kostendruck kommt nicht von ungefähr. 2025 brach der Konzerngewinn von rund 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro ein — knapp die Hälfte. Im ersten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis erneut, um 17,2 Prozent. Zölle, Wechselkursverluste und der harte Wettbewerb in China drücken auf die Zahlen, Absatz und Umsatz gingen ebenfalls zurück.
Das vor gut einem Jahr gestartete Sparprogramm "Next Level Performance" reicht offenbar nicht aus. Die Verschiebung der Sonderzahlung signalisiert, dass Mercedes den Hebel nun auch auf der Personalkosten-Seite ansetzt — ein Schritt, der die Beziehung zum Betriebsrat in den kommenden Wochen erheblich belasten dürfte. Der nächste Gradmesser ist der Quartalsbericht am 28. Juli 2026.
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