Merz fordert mehr Arbeit – und spaltet die Republik
25.01.2026 - 17:15:12Bundeskanzler Friedrich Merz stellt das Arbeitszeitgesetz und Krankschreibungen infrage. Seine Forderung nach mehr Leistung für den Wirtschaftsstandort entfacht einen Grundsatzstreit.
Die Debatte trifft einen neuralgischen Punkt: den deutschen Krankenstand von durchschnittlich 14,5 Tagen pro Arbeitnehmer und Jahr. Fast drei Wochen Ausfall – das sei zu viel und müsse hinterfragt werden, so der Kanzler. Konkret nimmt er die seit der Pandemie etablierte telefonische Krankschreibung ins Visier. Sie stehe auf dem Prüfstand. Hinter den Vorstößen steht die wiederholte Botschaft des CDU-Politikers: Die Deutschen müssten mehr arbeiten, um den Wohlstand zu sichern.
Arbeitszeitgesetz und Krankschreibung im Fokus
Im Zentrum der Kontroverse stehen zwei konkrete Vorhaben. Bei einem Wirtschaftsempfang erklärte Merz, wenn er ein Gesetz streichen könne, wäre es wohl das Arbeitszeitgesetz. Tarifpartner sollten Zeiten flexibel selbst regeln – ohne staatliche Vorgaben. Diese Flexibilisierung sei nötig für die Wettbewerbsfähigkeit.
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Parallel wird die Praxis der Krankmeldung attackiert. Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stehe unter dem Verdacht des Missbrauchs. Der CDU-Wirtschaftsflügel heizt die Diskussion weiter an und fordert nun, das Recht auf Teilzeitarbeit an “besondere Gründe” zu knüpfen. Ein klares Signal gegen den Trend zur Work-Life-Balance.
Sturm der Entrüstung: “Schlag ins Gesicht für Arbeitnehmer”
Die Reaktionen von Gewerkschaften und der Koalitionspartner SPD ließen nicht lange auf sich warten. Ver.di-Chef Frank Werneke zeigte sich “fassungslos” über die Leichtfertigkeit, mit der Merz die Abschaffung des Arbeitszeitschutzes in den Raum stelle. Dieses Gesetz sei ein zentrales Instrument zum Schutz der Gesundheit.
Auch aus der SPD kommt scharfer Widerspruch. Bernd Rützel, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Arbeit, nannte die Äußerungen einen “Schlag ins Gesicht für alle hart arbeitenden Menschen”. Kritiker betonen: Ein hoher Krankenstand sei oft Symptom von Überlastung, nicht von mangelnder Moral. Statt die Kranken zu gängeln, müssten die Ursachen bekämpft werden.
Zuspruch von Ärzten und Wirtschaft
Trotz des Widerstands erhält der Kanzler auch Unterstützung. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, teilt die Kritik an der telefonischen Krankschreibung. Eine verlässliche Diagnose sei am Telefon nicht möglich. Er brachte weitergehende Reformen ins Spiel: Karenztage ohne Lohnfortzahlung oder Bonussysteme für geringe Fehlzeiten.
Unternehmerkreise begrüßen die Debatte ebenfalls. Viele sehen in flexibleren Arbeitszeiten und weniger Ausfalltagen entscheidende Hebel gegen Fachkräftemangel und Wettbewerbsdruck. Merz habe eine notwendige Diskussion angestoßen, die die Kluft zwischen Wirtschaftskraft und sozialen Strukturen thematisiere.
Ein Richtungsstreit um die Zukunft der Arbeit
Hinter dem Streit um einzelne Paragraphen verbirgt sich ein fundamentaler Konflikt. Auf der einen Seite steht das Lager, das mehr Leistung, Flexibilität und Eigenverantwortung fordert, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu retten. Es sieht in starren Gesetzen und großzügigen Krankheitsregeln Wachstumsbremsen.
Auf der anderen Seite verteidigen Gewerkschaften und Sozialpolitiker den Schutz der Arbeitnehmergesundheit als unverzichtbare soziale Errungenschaft. Eine ausgewogene Work-Life-Balance sei keine Faulheit, sondern Voraussetzung für langfristige Produktivität. Sie verweisen auf Millionen unbezahlter Überstunden, die für viele bereits heute Alltag sind.
Zerreißprobe für die Ampel-Koalition
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob aus provokanten Thesen Gesetze werden. Die SPD hat eine grundlegende Aufweichung des Arbeitszeit- oder Krankenrechts bereits ausgeschlossen. Innerhalb der Union treibt der Wirtschaftsflügel die Debatte jedoch weiter voran.
Das Thema wird die politische Agenda bestimmen und auch in den anstehenden Tarifverhandlungen eine zentrale Rolle spielen. Die Auseinandersetzung wird zur Zerreißprobe für die Koalition – und entscheidet mit über die wirtschaftliche und soziale Ausrichtung Deutschlands in den kommenden Jahren. Die Frage lautet: Welches Arbeitsmodell wollen wir uns leisten?
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