Merz ruft alle zur Reformbereitschaft auf
Veröffentlicht am: 11.06.2026 um 10:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: weitere Aussagen von Merz, UnterstĂŒtzung der Ukraine)
BERLIN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Reformkurs seiner schwarz-roten Regierung im Bundestag verteidigt und alle zur VerĂ€nderungsbereitschaft aufgerufen. Jeder sollte prĂŒfen, "was er zum Gelingen des Ganzen beitragen kann", forderte Merz in einer RegierungserklĂ€rung von der Politik, aber auch von allen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern. "Und wenn es einfach die Bereitschaft ist, nur wohlwollend mit Blick auf das Wohl unseres Landes mitzudiskutieren und nicht verĂ€chtlich abzuwinken."
Der Kanzler sagte, es gebe zwei Möglichkeiten. "Entweder wir scheuen VerĂ€nderungen, und zwar VerĂ€nderungen, die zunĂ€chst auch EinschrĂ€nkungen bedeuten." Oder "wir nutzen die StĂ€rken und Potenziale, die wir haben, um das Ruder fĂŒr alle herumzureiĂen und uns auf allen Feldern, auf denen das nötig ist, wieder besser aufzustellen".
Er und seine Regierung hĂ€tten sich fĂŒr den zweiten Weg entschieden. "Und wir wollen ihn mit der von mir gefĂŒhrten Bundesregierung auch weiter einschlagen. Wir sind dazu fest entschlossen", betonte der CDU-Vorsitzende.
GesprÀch mit Tarifpartner "in konstruktiver AtmosphÀre"
Merz gab seine RegierungserklĂ€rung wenige Stunden nach einem Treffen der Koalitionsspitzen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften im Kanzleramt zu den anstehenden Reformprojekten ab. Bis zur Sommerpause Mitte Juli will das BĂŒndnis von Union und SPD ein Reformpaket schnĂŒren, dass den Arbeitsmarkt, die Sozialversicherungen, die Einkommensteuer und den BĂŒrokratieabbau umfasst. Das Treffen mit den Tarifpartnern galt als Auftakt fĂŒr diesen Prozess. Es gab wie erwartet zwar keine konkreten Ergebnisse. Man vereinbarte aber, im GesprĂ€ch zu bleiben.
"Dieses lange GesprÀch hat in ausgesprochen guter, sehr konstruktiver AtmosphÀre stattgefunden, und wir werden es zu einzelnen Themen auch weiter fortsetzen", sagte Merz. Es gelte zuzuhören, dann aber auch Entscheidungen zu treffen. Genau daran arbeite die Bundesregierung.
Merz machte deutlich, dass die Zeit fĂŒr Reformen drĂ€nge. Jeden Tag gingen ArbeitsplĂ€tze in der Industrie verloren, Unternehmen gĂ€ben angesichts hoher Kosten und BĂŒrokratielasten auf. Das dĂŒrfe so nicht weitergehen. "Wir wollen in dieser Wahlperiode das Fundament unseres Landes so erneuern, dass es wieder fĂŒr viele Jahre, vielleicht sogar fĂŒr ein Jahrzehnt trĂ€gt." Dies solle so umgesetzt werden, dass auch Lasten gerecht verteilt werden "und dass jeder aufgerufen ist, an diesem Ziel mitzuarbeiten".
Eigentliches Thema EU-Gipfel nur die Nummer zwei
Thema der RegierungserklĂ€rung war eigentlich der in der kommenden Woche anstehende EU-Gipfel in BrĂŒssel, bei dem es um die Ukraine, China und die Haushaltsplanungen gehen soll. Einen groĂen Teil der Rede widmete der Kanzler aber der Innenpolitik, bevor er auf die AuĂenpolitik zu sprechen kam.
Der Kanzler sicherte der Ukraine weitere UnterstĂŒtzung zu und warb fĂŒr eine Wiederbelebung der BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges. Gegen Russlands "offenkundige Bereitschaft zur Eskalation" stĂ€rke man die Ostflanke der Nato und unterstĂŒtze zugleich die BemĂŒhungen fĂŒr eine Verhandlungslösung. "Ein tragfĂ€higer Frieden wird nur in Verhandlungen mit Beteiligung der Ukraine, mit Russland, der USA und Europa erreicht werden können, anders wird es nicht möglich sein."
Merz kritisiert AfD fĂŒr "ChampagnerempfĂ€nge" in Russland
Die Ukraine verteidige ihre Freiheit und die Freiheit und Sicherheit in ganz Europa. Denn sie gehöre zu Europa und in lĂ€ngerer Perspektive auch zur EuropĂ€ischen Union, sagte Merz. Der AfD warf er vor, dies ins LĂ€cherliche zu ziehen. "Sie lachen darĂŒber, ĂŒber das Schicksal von Millionen Menschen in diesem Land, und reisen nach Moskau zu ihren ChampagnerempfĂ€ngen, gute Reise weiterhin."
Merz versucht derzeit mit Frankreich und GroĂbritannien, die festgefahrenen BemĂŒhungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang zu bringen. Sollte es zu neuen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland kommen, wollen die EuropĂ€er mit am Tisch sitzen. Unklar ist aber, in welcher Konstellation.
Mit Blick auf die bevorstehenden Finanzverhandlungen sprach Merz sich erneut fĂŒr eine grundlegende Modernisierung des EU-Haushalts aus, um Europa als eigenstĂ€ndige Macht in einer Welt im Umbruch zu festigen. Neue Schulden lehnt er klar ab.
