Merz unter Druck
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 14:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSelbst eine Mehrheit der UnionswÀhler lehnt Merz ab.
Ein aus Regierungssicht Ă€hnlich ernĂŒchterndes Bild zeichnet eine weitere Insa-Umfrage fĂŒr "Bild". Die AfD kommt darin auf 29 Prozent, ein Plus von einem Punkt gegenĂŒber der Vorwoche. Die Union bleibt bei 20 Prozent und liegt damit neun Punkte zurĂŒck. Die SPD landet bei 13 Prozent.
Der Kanzler will besser erklÀren
Nach der krachenden Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, wo die AfD mehr als doppelt so viele Stimmen holte wie die CDU, hatte Merz Fehler eingerĂ€umt und versprochen, die Politik der Bundesregierung besser erklĂ€ren zu wollen. Man mĂŒsse "die Menschen auch in ihrer ganzen EmotionalitĂ€t" stĂ€rker erreichen.
Eine Rede am Mittwoch im Bundestag verwendete Merz allerdings vor allem darauf, sich an der AfD abzuarbeiten, der er auch mit Blick auf den von ihr verwendeten Begriff "Remigration" vorwarf, "ethnische SĂ€uberung" nach Herkunft und Hautfarbe betreiben zu wollen.
Söder verteidigt Merz - aber ziemlich kĂŒhl
Eine Woche vor den nÀchsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stellen wichtige Vertreter von CDU und CSU Merz zwar nicht offen in Frage. AuffÀllig leidenschaftslos verteidigt allerdings Dauerkonkurrent Markus Söder den Kanzler. Auf die Frage, ob Merz noch der richtige Mann sei, entgegnet der CSU-Chef in einem "Bild"-Interview knapp: "Ja, er steht zu den Reformen."
Auf Nachfrage lĂ€sst der bayerische MinisterprĂ€sident wissen, etwaige Alternativen stĂŒnden ja vor den gleichen Problemen. Die CSU werde den Kanzler nicht stĂŒrzen. "FĂŒr die CDU bin ich nicht zustĂ€ndig, da bin ich nicht der Vorsitzende."
Attacke auf die SPD von wichtigem Unionspolitiker
Bei manchen in Merz' CDU liegen die Nerven derweil erkennbar blank. Der Vorsitzende des einflussreichen Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, verĂ€rgerte den Koalitionspartner SPD mit einer scharfen Attacke gegen dessen FĂŒhrung.
Bundesarbeitsministerin BÀrbel Bas (SPD) sei "nicht mehr tragbar", sagte der CDU-Abgeordnete zu "Bild". "Seit Monaten blockiert sie die Reformen, die unser Land so dringend braucht." Er warf der SPD-Co-Chefin Verzögerungen bei GesetzesvorschlÀgen zu Sozialreformen vor. "ZukunftsfÀhige Reformen passen nicht zur Ideologie der SPD-Parteipolitik", Àtzte von Stetten.
Auch Bas' Co-Chef, Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil, bekam sein Fett weg. Den von ihm vorgelegten Haushalt fĂŒr das kommende Jahr bezeichnete von Stetten als "nicht zustimmungsfĂ€hig". Klingbeil habe die notwendigen SparmaĂnahmen nicht umgesetzt und "stattdessen neue Steuern vorgeschlagen und zusĂ€tzlich eine unglaubliche Rekordverschuldung".
Klingbeil: "Wohin zieht es eigentlich einige in der CDU?"
Klingbeil lieĂ sich das nicht gefallen. "Was soll das? Wir sind in verdammt schwierigen Zeiten. Wir mĂŒssen zusammenhalten in einer Regierung", sagte er im niedersĂ€chsischen Celle.
Teilen der Union warf Klingbeil ein SÀgen am Ast der Koalition vor. Es gebe im Bundestag eine "zweite Mehrheit" neben Union und SPD, und zwar Union und AfD, sagte der SPD-Chef. "Aber das will ich nicht. Und ich hoffe, dass das viele in der Union auch nicht wollen, aber wenn ich solche Kommentare wie gestern höre, dann frage ich mich schon: Wohin zieht es eigentlich einige in der CDU?"
Von Stettens Breitseite löste selbst in den eigenen Reihen KopfschĂŒtteln aus. "Ăffentlich ausgetragener Koalitionsstreit hilft niemandem, auĂer vielleicht der eigenen Profilierung und ganz sicher den Populisten in unserem Land", sagte der Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Unionsfraktion, Hendrik Hoppenstedt (CDU), der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Dieses stĂ€ndige öffentliche Anprangern von Personen und Vorhaben muss dagegen enden."
In Mecklenburg-Vorpommern droht das nÀchste Debakel
Noch wĂ€hrend er auf einer Arktis-Reise weilt, dĂŒrften Merz die nĂ€chsten Wahlergebnisse einholen: In Niedersachsen sind an diesem Sonntag Kommunalwahlen.
Hoffnungsvoll darf die CDU immerhin auf die Abgeordnetenhauswahl in Berlin schauen: Dort könnte es ihr gelingen, die Linke zu schlagen und den Regierenden BĂŒrgermeister zu stellen.
Doch in Mecklenburg-Vorpommern droht der CDU ihr bisher schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl: Sie ist dort in Umfragen zuletzt auf 7 Prozent abgesackt. Die AfD liegt vorn, allerdings hat die SPD von MinisterprÀsidentin Manuela Schwesig in den letzten Wochen aufgeholt.
SchwĂ€chere Parteien wie die GrĂŒnen - und neuerdings auch die CDU - mĂŒssen fĂŒrchten, im Duell der beiden Spitzenreiter zerrieben zu werden und vielleicht sogar den Einzug in den Landtag zu verpassen.
CDU-GeneralsekretĂ€rin Franziska Hoppermann warf Schwesig vor, mit einem stark auf sich selbst zugeschnittenen Wahlkampf die politische Mitte insgesamt zu schwĂ€chen. "Manuela Schwesig stellt ihre parteipolitischen Interessen ĂŒber die Interessen Mecklenburg-Vorpommerns", sagte Hoppermann der dpa. "Ihr Versuch, mit einem personalisierten Wahlkampf die CDU kleinzuhalten, schwĂ€cht die politische Mitte und hilft am Ende der AfD." Das sei "verantwortungslos".
Vor ein paar Jahren dĂŒrfte das noch unvorstellbar gewesen sein: Die Kanzlerpartei appelliert an Schwesig, ihr noch ein paar Stimmen ĂŒbrigzulassen.
