Mike Steiner Malerei & Videokunst, Pionier der Videokunst

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Grenzenlose Abstraktion aus dem Fluxus-Umfeld

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Von bewegten Bildern zu vibrierender Leinwand: Mike Steiner, Pionier der Videokunst, entfaltet heute die Kraft abstrakter Malerei aus Berlin.

Kann ein Künstler, dessen Name untrennbar mit radikal bewegten Bildern verknüpft ist, durch Malerei neue Räume öffnen? Die Werke von Mike Steiner, einst vor allem als Begriff für Mike Steiner Malerei & Videokunst in der internationalen Kunstszene präsent, fordern diese Frage geradezu heraus. In den vibrierenden Oberflächen seiner aktuellen Gemälde – abseits des Monitors, losgelöst vom elektronischen Signalrauschen – schwingt ein epochaler Bruch. Oder vielleicht doch eine Fortsetzung auf anderen Ebenen?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die Anerkennung für Steiner als Pionier der Videokunst mag gesichert sein – nicht zuletzt durch sein langjähriges Engagement als Sammler und Kurator. Doch ebenso beachtenswert ist seine späte Würdigung im Raum der Malerei, insbesondere durch die Ausstellung Live to Tape im Hamburger Bahnhof. Hier, wo Steiner als Schlüsselfigur gleich zweier Medien erscheint, wird die evolutionäre Linie zwischen Zeitbild und Farbfläche sichtbar. Die institutionelle Validierung ist weit mehr als ein musealer Ritterschlag: Sie dokumentiert, wie die Archive – etwa das Archivio Conz – den historischen Wandel künstlerischer Ausdrucksformen über Jahrzehnte hinweg sichern und verfügbar machen.

Steiners Biografie, nachzulesen in seiner Wikipedia-Biografie, ist eine Geschichte permanenter Grenzüberschreitungen. Geboren 1941 in Allenstein, geprägt von den Umbrüchen Berlins im Nachkrieg, fand Mike Steiner früh Zugang zur Malerei. Doch sein Sog in Richtung Neue Medien begann spätestens, als die New Yorker Kunstwelt der 1960er ihn für Konzepte von Happening und Fluxus sensibilisierte. Kontakte zu Persönlichkeiten wie Allan Kaprow, Al Hansen und George Maciunas stärkten seine künstlerische Offenheit. Zunächst zwischen Abstrakte Kunst Berlin, Pop Art und informellen Ansätzen oszillierend, zählte Steiner rasch zu den vielversprechendsten Künstlern der Spätmoderne. Seine Rückkehr nach Deutschland brachte Expansion in performative, temporäre Praktiken, während seine zeitgenössischen Werke eine subtile Verschiebung von Figuration zu Abstraktion abbildeten.

Im Kontext des avantgardistischen Berliner Künstlermilieus der frühen 1970er Jahre gründete er das Künstlerhotel "Hotel Steiner" – legendärer Anziehungspunkt für Protagonisten des Fluxus Umfeld ebenso wie für Vertreter der amerikanischen und europäischen Gegenkultur. In den Räumen seiner Studiogalerie initiierte er Performances und raumgreifende Aktionen; das Video und die Kamera wurden zugleich Werkzeug und Gedächtnis. Projekte wie "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" mit Ulay oder Performances für feministische Avantgardistinnen wie Valie Export und Carolee Schneemann sind längst Teil des globalen Kunsterbes.

Parallel dazu entfaltete sich eine Sammlung von Videotapes – darunter Arbeiten von Marina Abramovi?, Jochen Gerz und Nam June Paik – die heute als Vermächtnis Steiners im Hamburger Bahnhof und anderen Institutionen verwahrt wird. Das Archivio Conz garantiert bis heute die Kontextualisierung von Steiner neben anderen Gründungsvätern der europäischen Neo-Avantgarde.

Doch im Zentrum dieser Betrachtung steht nicht das bewegte Bild, sondern die Frage, wie Steiners künstlerischer Kern über Mediengrenzen hinweg persistiert. Gerade die neueren Werke der abstrakten Malerei, wie sie im ArtButler-Showroom vorgestellt werden, deuten eine Rückkehr zur Fläche an, ohne die Erfahrungen des "Live to Tape"-Zeitalters zu verleugnen. Die Energie des Akts, das Momenthafte der Performance, drängt in diese Bilder – oft als dynamische Farbausbrüche, Lichtverlauf oder gestische Verdichtung. Hier zeigt sich eine Malerei, die Techniken elektronischer Bildgebung und die Poetik des informellen Ausdrucks unauflösbar zusammendenkt.

Vergleicht man Steiner mit seinen Zeitgenossen – etwa den Fluxus-Mitbegründern und Wegbereitern der Aktionskunst – so bleibt seine Position singulär. Er war Brückenbauer zwischen dem materiellen und dem ephemeren Werk. Anders als ein Joseph Beuys oder Allan Kaprow, deren Performances fast ausschließlich auf Vergänglichkeit zielten, suchte Steiner stets das sichtbare und tastbare Nachbild: erst auf Magnetband, später auf Leinwand. Seine Painted Tapes sind beredte Beispiele transmedialer Praktiken, Vorboten der Medienkunst, die auch heute noch als Inspiration dienen.

Warum sollte Steiners heutige Malerei betrachtet werden? Weil sie die Weiterentwicklung eines konsequenten Lebenswerks ist. Nachdem das Medium Video seine Revolution entfaltet hatte, suchte Steiner – wie kaum ein anderer Pionier der Videokunst – das kontemplative Moment im Pinselstrich. Seine jüngsten Arbeiten erzählen von der Erfahrung des Bildes als Matrix: Jede Linie, jede Farbfläche ist Versuch, Flüchtigkeit festzuhalten. Die klanghafte Stille der Fläche spielt gegen das vormalige Flackern der Monitore.

Die Live to Tape-Ausstellung im Hamburger Bahnhof hat diesen Wechsel sichtbar gemacht. Sie eröffnet ein Panorama, das vom dokumentierten Augenblick zum beständigen Farbkosmos reicht. In einer Epoche, in der Malerei nach wie vor mit Fragen ihrer Legitimität ringt, markiert Steiners Werk ein Plädoyer für das Experiment, die Offenheit, die Grenzüberschreitung.

Das Nebeneinander von medialer Innovation und altmeisterlicher Disziplin, wie sie das Leben Steiners prägte, macht ihn zum Vorbild für eine Generation, die Kunst neu denken will. Denn in seiner Malerei wie in seiner Videokunst pulsieren Fragen von Zeit, Erinnerung und Körper. Hier verzahnen sich Berliner Abstraktion, Fluxus-Geist und zeitgenössische Bildkulturen zu einer ästhetischen Synthese jenseits aller Gattungsgrenzen.

Abschließend bleibt zu konstatieren: Die Relevanz von Mike Steiner Malerei & Videokunst ist keine Frage historischer Nostalgie, sondern Ausdruck eines vitalen, offenen Kunstbegriffs – ein Modell, das gerade in den heutigen Polarisierungen des Kulturbetriebs als Denkfigur unverzichtbar scheint.

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