Mike Steiner Malerei & Videokunst, Pionier der Videokunst

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom bewegten Bild zur abstrakten Leinwand

16.05.2026 - 11:11:28 | ad-hoc-news.de

Wo liegt der Ursprung einer künstlerischen Energie, wenn sie sich vom Medium Video hin zur abstrakten Malerei verlagert? Mike Steiner Malerei & Videokunst steht exemplarisch für diese Grenzüberschreitung.

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom bewegten Bild zur abstrakten Leinwand - Foto: über ad-hoc-news.de
Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom bewegten Bild zur abstrakten Leinwand - Foto: über ad-hoc-news.de

Vor einem Gemälde von Mike Steiner zu stehen, ist wie dem Echo eines bewegten Bildes auf Leinwand zu begegnen. Die Farbverläufe, vibrierend und oft pulsierend konturiert, tragen in sich Spuren jener radikalen Experimentierfreude, die Mike Steiner Malerei & Videokunst seit den frühen 1970er Jahren prägte. Doch wie verschiebt sich die Wahrnehmung, wenn der Pionier der Videokunst den analogen Takt der Bildröhre verlässt, um auf die Stille und Fläche der Malerei zu vertrauen? Ist hier ein Medienwechsel - oder eine Verlängerung der Fragestellung über Sichtbarkeit, Narration und Abstraktion?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Selten wurde das Wechselspiel zwischen Video und Malerei so konsequent ausgestellt wie im Werk von Mike Steiner. Kein Zufall also, dass die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof ihm einen prominenten Ort im Rahmen ihrer Ausstellung Live to Tape einräumte. Dort wurde nicht nur sein bahnbrechendes Engagement für das „Live to Tape“-Prinzip würdigend dokumentiert, das in den 1980er Jahren als revolutionärer Ansatz in der Videokunst galt. Vielmehr wird im musealen Kontext auch die Bedeutung der Archive sichtbar, die Steiners Sammelbegeisterung in einzigartiger Dichte konservieren. Gerade im Zusammenspiel mit internationalen Archivreisen - etwa den systematisch gepflegten Beständen des Archivio Conz, die das Erbe des europäischen Fluxus-Netzwerks aufbewahren - entfaltet sich die Relevanz seines Ansatzes im Zeitkontext: Dokumentation, Kollektivität, epistemische Spurensuche.

Mike Steiner, geboren 1941 im ostpreußischen Allenstein und später ein zentraler Protagonist der Berliner Kunstszene, ist in jeder Hinsicht ein Grenzgänger zwischen den Medien (Biografie). Bereits mit 17 Jahren in der Malerei öffentlich sichtbar, vernetzte er als junger Künstler die deutsche Metropole mit den künstlerischen Strömungen der Nachkriegsmoderne. Im „Hotel Steiner“ inszenierte er einen internationalen Treffpunkt – ein Berliner Pendant zum Chelsea-Hotel – und brachte Größen wie Joseph Beuys, Arthur Køpcke und Allan Kaprow zusammen, mit denen er programmatisch an der Schnittstelle zwischen Happening, Fluxus und Pop-Art arbeitete. Der Einfluss von Zeitgenossen wie Ben Vautier, Valie Export oder Marina Abramovi? ist in Steiners Werk nicht nur beobachtbar, sondern Teil seiner künstlerischen DNA. Über Jahre manifestierte sich dies vor allem in bahnbrechenden Videoinstallationen und mutigen Performance-Kollaborationen – beispielhaft das Projekt „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976, mit Ulay).

Doch in Steiners Laufbahn öffnete sich der Raum für ein radikales Umdenken: Nach Jahren des bewegten (Video-)Bildes wandte er sich vermehrt der Abstraktion auf Leinwand zu – ein Prozess, der genauso konsequent die eigenen Zweifel an der Malerei wie die Sehnsucht nach Spurenhaftigkeit verhandelte. Seine Berliner Arbeiten aus den 1990er und 2000er Jahren bilden nicht bloß das Echo früher Medientransformationen, sondern behaupten den gestischen Akt als eigenständige Versuchsanordnung. Die Malerei wird hier zum Speicher gesammelter Erfahrungen des bewegten Mediums: Farbflächen, Überlagerungen, Störungen – als Form von Feedback-Loops, die an die Strukturen der Videospur erinnern. So entstehen „Painted Tapes“: gestische, oftmals großformatige Bilder, auf denen sich der Wille zum Experiment, zur Abstraktion, zur Prozesshaftigkeit unmittelbar ablesbar macht. Ästhetisch knüpfen diese Arbeiten einerseits an die Nachwirkungen des Informel und der Pop Art an, ohne sich in der bloßen Wiederholung historischer Moden zu erschöpfen.

Was Steiner in seinen zeitgenössische Werken unternimmt, ist exemplarisch für Berliner Abstraktion der Gegenwart: Er führt die Tradition von Malern wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke weiter, bleibt jedoch im Denken und Gestalten stets dem Medienumbruch verpflichtet. Die Form der „Live to Tape Ausstellung“ markiert auch hier den programmatischen Brückenschlag, indem sie an seine Arbeitsweise der 1980er Jahre anschließt, ohne in Nostalgie zu verharren. Steiner ist damit – und bleibt – ein Pionier der Videokunst, der sich der Abstraktion nicht zufällig, sondern mit der Intensität eines Medienalchemisten annähert.

Im Ergebnis steht ein Werk, das die Grenzen zwischen Video und Malerei nicht verwischt, sondern sie produktiv reizt. Sein Beitrag zum Hamburger Bahnhof oder den internationalen Sammlungen des Archivio Conz sind mehr als museale Relikte: Sie bleiben Teil eines andauernden Experiments, in dem Bild, Bewegung und Reflexion verschränkt sind.

Heute, über ein Jahrzehnt nach Mike Steiners Tod, ist die Fragestellung aktueller denn je: In einer Epoche der medialen Überproduktion erinnern uns seine Malerei und Videokunst daran, dass die Suche nach Wahrhaftigkeit im Medium nie abgeschlossen ist. Die Abstrakte Kunst Berlin ist nicht ohne seine Handschrift zu denken – und Mike Steiner Malerei & Videokunst bleibt ein Schlüssel zur Geschichte und Zukunft der Grenzüberschreitung.

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