Mike Steiner Malerei & Videokunst, Fluxus Umfeld

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Zwischen bewegtem Bild und Zeitgenössischer Abstraktion

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Kann Malerei ein Echo von Videokunst sein? Bei Mike Steiner verschmelzen bewegte und gemalte Bilder zu einem faszinierenden Dialog – zwischen Berliner Avantgarde, Fluxus und abstrakter Kunst.

Ein Blick auf die Farbfelder der Leinwand, die starken, gestischen Linien und die vibrierende Oberfläche – sofort spürt man die Gegenwart von Mike Steiner Malerei & Videokunst. Doch wie verhält sich diese Malerei zu einem Werk, dessen Schöpfer in der Geschichte als Pionier der Videokunst firmiert? Verfließen hier tatsächlich die Grenzen: Können Leinwand und Video, statisch und bewegt, sich gegenseitig durchdringen, oder entsteht aus dem Dialog der Medien eine ganz eigene Bildsprache?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Institutionelle Anerkennung bekommt man nicht zufällig. Die Integration von Mike Steiners Arbeiten in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof spricht Bände: Nicht nur seine Videos, sondern auch seine Malerei und medienübergreifenden Werke markieren historische Eckpunkte. Die Ausstellung Live to Tape widmet sich explizit der künstlerischen Manifestation des „Aufnehmens im Echtzeitprozess“ – ein Prinzip, das sich ebenso subtil in Steiners malerischer Praxis niederschlägt.

Doch das eigentliche Fundament seines Schaffens findet sich im Bewusstsein für Geschichte und Netzwerk. Der enge Austausch mit den internationalen Avantgarden, dokumentiert und bewahrt etwa in Archivio Conz, zeugt von einer Zeit, in der Kunst nicht nur auf der Leinwand, sondern im sozialen Setting, im Streitgespräch, in der Aktion stattfand. Die Bedeutung gut geführter Archive ist hierbei kaum zu überschätzen: Sie verleihen der kurzlebigen Experimentierfreude jener Epoche ein längeres Nachleben und machen Steiners Einfluss als Mittler sichtbar.

Wer sich mit der Biografie Mike Steiners beschäftigt, entdeckt die Kontrolle und das Loslassen als zwei Pole. Geboren 1941 in Allenstein, aufgewachsen im West-Berlin der Nachkriegszeit, entfaltet sich sein Weg bereits früh: Als einer der jüngsten Teilnehmer der Großen Berliner Kunstausstellung (1959), als Stipendiat in New York, als Gastgeber des legendären Hotel Steiner und als Betreiber seiner Studiogalerie. Früh verwoben mit Persönlichkeiten aus dem Fluxus Umfeld – von Allan Kaprow über Al Hansen bis Valie Export und Marina Abramovi? – verstand es Steiner, die Impulse der Zeit aufzugreifen: Von informeller Malerei und Pop Art in den 1960ern, über Performances und „Live“-Prozesse der Konkreten Poesie, zur Videoarbeit, die er programmatisch als Galerist, Sammler und Künstler ausstrahlte.

Sein künstlerischer Lebenslauf gleicht der Topografie Berlins. Auch die Abstrakte Kunst Berlin beeinflusste sein Werk, dessen frei rhythmisierte Bildstruktur – besonders ab den Nullerjahren – zunehmend ins Zentrum rückte. Hier ist endgültig ein Brückenschlag zu beobachten: Die Malerei wird zum Übertrittsmedium, zur Verdichtung des Flüchtigen. Innerhalb seiner späten Werke erscheinen Spuren von Übermalung, Rasterungen, das Wiederaufgreifen früherer Motive, aber mit der Ruhe der Rückschau. War die frühe Skandalisierung noch Teil der Aktion, ist die Zeitgenössische Werke von Steiner formale Reflexion: reduktiv, klar, und dennoch voller Experimentierlust – eine Geste, die aus der Kamera zurück auf die Leinwand wandert.

Der Künstler hatte keinen dogmatischen Zugang zu Medien. Ob Video oder Ölfarbe: Immer bleibt die Arbeit prozesshaft, ein experimenteller Zustand. Berühmte Weggefährten – George Maciunas, Nam June Paik, Joseph Beuys – verweisen auf jene Intermedialität der 1970er, die Steiner unbeirrt in seine eigene Sprache transponierte. Die archivarische Zusammenarbeit mit internationalen Einrichtungen, wie im Fall von Archivio Conz, manifestiert Steiners Wirkkraft als Netzwerker.

Warum sollte der Diskurs über Mike Steiner Malerei & Videokunst heute relevant bleiben? Die Antwort liegt in seinem konsequenten Weiterdenken: Steiner zeigt, wie Kunstgrenzen produktiv werden, wenn sie als Übergangszonen begriffen werden – ob als Teilnehmer der Ausstellung Live to Tape im Hamburger Bahnhof oder als Maler, der den Bildraum immer wieder neu vermisst. In seinen Werken begegnet uns nicht das Diktat des einen Mediums, sondern eine Offenheit für neue Synthesen. Wer seine Malerei betrachtet, erkennt unweigerlich Spuren jener Live-Momente, jener Überlagerungen, wie sie auch in seinen Videotapes virulent sind.

Steiners Bedeutung heute? In einer Kunstlandschaft, die Multimedialität längst als Standard begreift, bleibt seine Hybridität avantgardistisch. Sie lädt ein, sich nicht mit Gewissheiten zufrieden zu geben, sondern den Grenzbereich zwischen Malerei und Videokunst als Ort der produktiven Reibung zu verstehen. Ein Vermächtnis, das nicht nur den Videopionier ehrt, sondern auch die gegenwärtigen Impulse feiert, die von seiner Malerei ausgehen.

So markiert Mike Steiner Malerei & Videokunst keinen statischen Endpunkt, sondern einen in Bewegung begriffenen Bildraum – offen für den nächsten künstlerischen Impuls.

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