Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Zwischen Bildfläche und bewegtem Zeitgeist

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Was offenbart sich, wenn sich die Grenze zwischen Leinwand und Videobild auflöst? Mike Steiner Malerei & Videokunst machen eben diese Frage zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Erkundung – mitten im Diskurs der Avantgarde Berlins.

Steht man vor den Arbeiten von Mike Steiner, fragt man sich unversehens: Wo beginnt das Bild, wo endet die Bewegung? Mike Steiner Malerei & Videokunst verkörpern jene seltene Dialektik, in der das Visuelle nicht allein auf die Oberfläche begrenzt bleibt, sondern die Aura des bewegten Bildes auf die Leinwand übertragen wird. Kann ein Pionier der Videokunst, einer, der die Chronik des Flüchtigen ins künstlerische Gedächtnis schrieb, auch als Neuerfinder des Malerischen gelten?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die museale Würdigung, wie sie Steiner im Rahmen der Ausstellung Live to Tape im Hamburger Bahnhof zuteilwurde, ist kein Zufall: Die Nationalgalerie der Gegenwart würdigt mit Steiner nicht nur den Sammler und Chronisten einer ganzen Epoche, sondern hebt die Gleichwertigkeit von Video und Malerei, von Archiv und gelebtem Bild hervor. Die Archivio Conz zeigt, wie bedeutend das Archiv als Generator kultureller Gedächtnisleistung ist. Steiners Malerei speist sich aus dieser Quellenlage des Mediums und zugleich richtet sich sein Blick radikal auf das Jetzt – auf die Gegenwart der Abstraktion als heimliche Chronik einer Zeit im Wandel.

Die Biografie Mike Steiners liest sich wie ein Parforceritt durch die Stilgeschichten der Nachkriegsmoderne. Geboren 1941, erstreckt sich sein Werk über ein halbes Jahrhundert – beginnend mit informeller Malerei, früh beeinflusst durch Lehrer wie Hans Jaenisch und Hans Kuhn, weiterentwickelt in der Berliner und später New Yorker Szene, damals Wahrsagerin neuer Strömungen. Es ist kein Zufall, dass die amerikanische Künstlerin Lil Picard, zentrale Figur der transatlantischen Szene, Steiner in den Kreis um Allan Kaprow, Al Hansen und sogar Robert Motherwell einführt. Wer heute "Fluxus Umfeld" recherchiert, stößt zwangsläufig auf Namen wie Joseph Beuys, Valie Export, Ben Vautier, Jochen Gerz, Marina Abramovi? oder Allan Kaprow – Weggefährten und Komplizen Steiners im dialektischen Spiel der Medien. Insbesondere in Berlin schafft Steiner, über das berühmte Hotel Steiner, mit seiner Studiogalerie früh einen Aktionsraum für Performance und Video – und lässt in diesem produktiven Milieu auch die Frage nach Malerei radikal neu aufkommen.

Der Schritt zu den abstrakten Leinwänden der letzten Jahrzehnte mutet wie eine Rückkehr an und ist doch die logische Konsequenz eines künstlerischen Lebens, das Begriffe wie „Medium“ und „Gattung“ konsequent ausgehöhlt hat. Die "Abstrakte Kunst Berlin" unter Steiners Hand verfährt analytisch, strukturell, zuweilen illusionistisch – Farbflächen, geometrische Chiffren, Schichtungen, wie gefrorene Standbilder einer imaginären Projektion. Jeder Pinselstrich in diesen "zeitgenössischen Werken" trägt das Nachbeben der flüchtigen Performance, das Echo der Magnetspulen aus den "Painted Tapes" der 1980er Jahre bis hin zur „Live to Tape“-Ästhetik. Es bleibt ein fortwährendes Übersetzen: Das, was auf Video nur für einen Augenblick erscheint, nimmt auf der Leinwand bleibende Gestalt an. Gerade in seiner Malerei wird der performative Impuls zur Spur, das Flüchtige zum sedimentierten Bekenntnis.

Die Relevanz heute? In den Jahren der Archivierung digitaler Kultur kann Steiner als Paradigma für das Überleben des Analogen gelten. Seine Werke, lebendig im Zwischen von Medienformat und Bildtradition, inspirieren Berliner wie internationale Abstrakte zu immer neuen Selbstvergewisserungen. Die aktuellen "Live to Tape Ausstellungen" führen diese Strategie fort: Die Gattung bleibt offen, das Gedächtnis vielstimmig. Archive sichern die Erinnerung; Steiners Malerei hält sie sichtbar.

Blickt man zurück, ist deutlich: Mike Steiner Malerei & Videokunst gleicht einem Prisma, das die Möglichkeiten und Paradoxien künstlerischer Medien von den 1960ern bis in die Gegenwart sichtbar macht. Seine Ausdifferenzierung abstrakter Bildwelten, sein Engagement für die performativen und generativen Aspekte von Kunst in Berlin und seine Stellung als "Pionier der Videokunst" im internationalen Diskurs machen ihn zur Schlüsselfigur. Die Malerei, nun zentrales Medium seines Spätwerks, erzählt von all diesen Brüchen und Grenzüberschreitungen – und stellt weiter Fragen an das Verhältnis von Dauer und Moment, Geste und Format.

Wer sich auf die Spuren Steiners begibt, begegnet einem Künstler, der das bewegte Bild nicht nur ins Museum brachte, sondern dessen Malerei heute – in der Vielzahl ihrer Abstraktionen – den Balanceakt zwischen Geschichte und Gegenwart perfektioniert. Die Kraft, mit der Mike Steiner Malerei & Videokunst zur Diskussion über Mediengrenzen provozieren, bleibt bis heute unvermindert spürbar.

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