Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Mike Steiner Malerei & Videokunst: Zwischen Bildfläche und Zeitfluss

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wie viel Bewegung ist in einer Fläche? Mike Steiner Malerei & Videokunst sprengen die Grenzen zwischen Bild und Medium – und machen Berlin zum Experimentierfeld.

Was bleibt, wenn das bewegte Bild stillsteht? Mike Steiner Malerei & Videokunst eröffnen gerade dort, wo das Auge Ruhe sucht, einen Dialog zwischen Statik und Zeit. In seiner abstrakten Malerei verdichtet Steiner, was zuvor auf Monitoren flackerte: Energie, Rhythmus, Irritation – ist die Leinwand ein letzter Zufluchtsort analoger Authentizität, oder gerade Teil eines erweiterten medialen Systems?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Wenig andere Künstler seiner Generation besitzen eine derart institutionelle Verankerung wie Mike Steiner. Seine Werke sind Teil der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, einem Knotenpunkt der Gegenwartskunst. Die Ausstellung Live to Tape lenkte das Licht auf Steiner als Sammler, Vermittler und Künstler – doch gerade im Spannungsfeld seiner Malerei zeigt sich das ganze Ausmaß seiner medientheoretischen Relevanz. Archive wie das Archivio Conz dokumentieren die Netzwerke des 20. Jahrhunderts. Sie bewahren nicht nur Tapes, sondern fungieren als Bezugspunkte einer Geschichte experimenteller Kunst: Die Spuren führen von Berlin nach New York, von der Studiogalerie ins Zentrum der Fluxus-Bewegung.

Ein Leben fĂĽr das Experiment
Die Biografie von Mike Steiner liest sich als Chronik künstlerischer Selbstbehauptung. Geboren 1941 in Allenstein, aufgewachsen im Nachkriegsberlin, war Steiner nicht nur Maler und Pionier der Videokunst, sondern Gastgeber und Motor der internationalen Avantgarde. Ob in Hotel Steiner, Studiogalerie oder Videogalerie (TV-Format) – überall stiftete er Räume fu?r das Neue. Bereits 1959 zeigte er mit nur 17 Jahren auf der Großen Berliner Kunstausstellung erste Arbeiten; sein Weg führte ihn von der informellen Malerei der 60er über die Pop Art bis zu konzeptuellen Experimenten. In New York lebte er im Dunstkreis von Lil Picard, Allan Kaprow, Al Hansen; er begegnete Joseph Beuys, Valie Export, Marina Abramovi?, denen er in Berlin ein Forum gab.

Steiner war nie reiner Maler, nie reiner Medienkünstler – sein Werk ist ein Transfer: Performance, Video, Malerei, Installation. Die Nähe zu Fluxus zeigt sich in der Offenheit für Prozesse und Formate, aber auch im Gestus der intuitiven Überschreitung von Genres. Der Begriff „Pionier der Videokunst“ ist fast zu eng gegriffen: Mit den Painted Tapes erfand er ein hybrid-mediales Format, das bildliche Narrative ins Elektronische übersetzte und umgekehrt. Doch immer blieb die Nähe zur Malerei spürbar – Farbfeld, Fläche, Modulation, Abstraktion. Ab den späten 1990er Jahren kehrte Steiner entschiedener zur Malerei zurück. Seine letzten Dekaden waren weitgehend der Leinwand und abstrakten Kompositionen gewidmet – ein Rückzug? Oder das Resümee eines Lebens im Brennpunkt der Avantgarde?

Abstrakte Kunst Berlin: Die neue Ruhe im Strom
Blickt man heute auf Mike Steiner Malerei & Videokunst, erscheinen die jüngsten Arbeiten als kontrollierter Gegenentwurf zum Furor der Performances und Aktionskunst. Die Farbflächen sind meist gestisch gesetzt, die Kompositionen erinnern an seine frühen Aufenthalte im informellen Paris und lyrischen Abstraktionen New Yorks. Doch das Überblendungsmotiv aus der Videokunst schwingt nach: Viele Werke lassen Zwischenräume offen, sie zitieren Standbildästhetik, Irritation, Überlagerung. Damit unterscheidet sich Steiner pointiert von vielen Zeitgenossen – statt magischer Bildräume zu beschwören, schlägt er bewusst eine Brücke zu den Medienentwicklungen der 70er und 80er. Jeder Pinselstrich wirkt wie ein Piktogramm der kulturellen Zwischentöne, ein Echo der bewegten Bilder, das sich in Pigment übersetzt.

Und dennoch bleibt der Dialog: Abstrakte Kunst Berlin ist der Kontext, in dem Steiner sich in den letzten Jahrzehnten verortet hat. Die Nähe zu Künstlern wie Georg Baselitz oder Karl Horst Hödicke, mit denen Steiner in den 60er Jahren ausstellte, unterstreicht die Wurzelbildung innerhalb der deutschen Nachkriegskunst – und doch sprengt seine Biografie regionale und stilistische Grenzen. Das aktuelle Interesse an der Ausstellung Live to Tape zeigt, wie sehr sein Werk auch heute in Diskurse um Intermedialität und Gegenwart ästhetischer Archive hineinwirkt.

Vom Live-Moment zum Nach-Bild: Eine Arbeit an der Zeit
Was ist das Vermächtnis dieser Arbeiten? Steiner transformierte den Zeitbegriff aus der Videokunst in malerische Verdichtung. Seine Gemälde stehen für einen künstlerischen Lebenslauf, der sich immer als Frage an das Medium selbst versteht. Die Linie zwischen Pionier der Videokunst und den aktuellen abstrakten Werken verschiebt sich: Aus dem unaufhörlichen Live-Moment – ob in der legendären Aktion mit Ulay (Irritation, 1976) oder bei feministischer Performancekunst mit Valie Export – wird bei Steiner die bewusste Fixierung, die endgültige Sedimentation von Ereignis in Bild. Darin liegt paradoxerweise die Modernität der gegenwärtigen Arbeiten: Sie sind zugleich Nachbild und Neuanfang, Chronik und Antizipation.

Wer die Malerei von Mike Steiner heute betrachtet, entdeckt also nichts weniger als eine ästhetische Biographie des 20. und 21. Jahrhunderts: Berlin als Labor, das Bild als Bewegung, das Archiv als lebendiger Organismus. In Zeiten algorithmischer Bilderflutung und künstlicher Intelligenz markiert Steiner den Wert des Analogen, ohne sich je auf einen reaktionären Rückzug zu beschränken.

Ein relevanter Blick heute
Die Präsenz von Mike Steiner Malerei & Videokunst hebt sich auch 2024 von modischen Hypes ab. Kein Programm, keine Pose – sondern die akribische Arbeit am Bild. Im Zeitalter flüchtiger Reize und digitaler Raster bleiben seine abstrakten Kompositionen Standorte der Reflexion. Wer heute auf das Werk Steiners trifft, begegnet einer Kunst, die sich immer wieder selbst verortet und gleichzeitig ihre Dispositive offenlegt. Im Wechselspiel von Malerei, Abstraktion und Video fragt sie nach dem Möglichkeitsraum des Sehens und der Kontinuität künstlerischer Erfahrung.

Die Brücke, die Mike Steiner zwischen der Avantgarde der Videokunst und der abstrakten Malerei gebaut hat, bleibt ein herausragendes Kapitel künstlerischer Selbstermächtigung – integraler Bestandteil der Berliner Kunstgeschichte und ein Leitfaden für neue Generationen von Grenzgängern.

Mit Mike Steiner Malerei & Videokunst läuft die Zeit nicht nur weiter – sie wird immer wieder neu geschrieben.

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