Benzin, Jahren

Benzin inflationsbereinigt nicht teurer als vor 15 Jahren

30.04.2026 - 11:50:59 | dpa.de

Millionen Autofahrer Àchzen unter den hohen Spritpreisen.

Sowohl bei Benzin als auch bei Diesel wird der April voraussichtlich der teuerste Monat aller Zeiten sein, wie sich aus Daten des ADAC abschĂ€tzen lĂ€sst. In der Spitze war Diesel so teuer wie nie, Superbenzin verpasste seinen Rekord aus dem Jahr 2022 nur knapp. Doch inflationsbereinigt sind die Preise nicht mehr so außergewöhnlich.

Blickt man rein auf die Zahl, wird der April zum Rekordmonat. FĂŒr die ersten 29 Tage gibt es Durchschnittspreise, die der ADAC errechnet hat. Ihr Durchschnitt liegt fĂŒr Superbenzin der Sorte E10 bei rund 2,11 Euro pro Liter, fĂŒr Diesel bei rund 2,27 Euro. Beides wĂ€ren klare Rekorde. Die bisherigen HöchststĂ€nde liegen bei 2,07 Euro fĂŒr E10 im MĂ€rz 2022 und 2,16 Euro fĂŒr Diesel im vergangenen MĂ€rz. Damit mĂŒsste der Preis am letzten Tag des April extrem abstĂŒrzen, um neue Rekorde zu verhindern.

Doch um die Inflation bereinigt, sieht es anders aus: Denn nicht nur Kraftstoffe sind deutlich teurer geworden, sondern auch andere Waren und Dienstleistungen. So war das allgemeine Preisniveau im April gut 25 Prozent höher als im Durchschnitt des Jahres 2020, wie sich aus vorlÀufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes errechnen lÀsst.

Rechnet man also die Spritpreise im April dementsprechend auf das allgemeine Preisniveau des Jahres 2020 um, sind es fĂŒr E10 nur noch 1,68 Euro pro Liter, fĂŒr Diesel 1,81 Euro.

2011 und 2012 waren inflationsbereinigt teilweise teurer

Vergleicht man das mit den ebenfalls preisbereinigten Monatspreisen seit Anfang 2011, ist der Dieselpreis zwar immer noch hoch, liegt aber deutlich unter dem Hoch von umgerechnet 1,98 Euro im MĂ€rz 2022. Und E10 fĂ€llt im Vergleich zu frĂŒheren Preisen sogar noch weiter zurĂŒck: Inflationsbereinigt war der Kraftstoff nĂ€mlich nicht nur in der Anfangsphase des Ukrainekrieges teurer als jetzt, sondern auch weite Teile der Jahre 2011 und 2012.

Autofahrer, die jetzt mehr als 100 Euro fĂŒr eine TankfĂŒllung ausgeben, wird das kaum trösten. Sie können allerdings auf den Tankrabatt ab 1. Mai hoffen und auf die Preisentwicklung im Verlauf des April schauen. Zuletzt lagen die Preise ein gutes StĂŒck unter den Hochs rund um Ostern.

Inflation ebnet selbst Rekorde ein

Und selbst diese Hochs sehen auf das 2020er-Niveau umgerechnet nicht mehr so drastisch aus: Bei Diesel werden aus den 2,447 Euro am 7. April dabei nÀmlich 1,95 Euro, bei E10 aus den 2,192 Euro am 6. April 1,75 Euro.

Gemessen an der allgemeinen Preisentwicklung sei der Sprit in den 2010er-Jahren "kontinuierlich billiger geworden", sagt Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Dann kamen die zwei PreisschĂŒbe, in der Energiekrise nach Russlands Überfall und jetzt. Aber noch zur Jahreswende lagen die preisbereinigten Spritkosten mehr als zehn Prozent unter dem Niveau von Anfang der 2010er."

BerĂŒcksichtige man nun noch, "dass die Kaufkraft zugelegt hat und der Spritverbrauch pro PS rĂŒcklĂ€ufig war, relativiert sich die effektive Belastung der Autofahrer stark". Das werfe die Frage auf, warum die Politik "so schnell das Scheckbuch zĂŒckt".

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