ROUNDUP, Preis-Streit

Preis-Streit ums Deutschlandticket - LĂ€nder kritisieren Bund

17.09.2025 - 15:24:13 | dpa.de

Millionen von Nutzern mĂŒssen sich auf eine Preiserhöhung beim Deutschlandticket einstellen.

Die rheinland-pfĂ€lzische Verkehrsministerin Katrin Eder (GrĂŒne) sagte der dpa: "Wir wollen das Deutschlandticket retten. Leider wird das vermutlich nur ĂŒber eine Preiserhöhung möglich sein, weil der Bund seine Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag nicht einlöst."

Dem Vernehmen nach könnten die Nutzer im kommenden Jahr 62 bis 64 Euro pro Monat zahlen mĂŒssen, wie die Deutsche Presse-Agentur im Vorfeld der Sonderverkehrsministerkonferenz am Donnerstag in MĂŒnchen erfuhr. Zu Jahresbeginn war der Preis von 49 Euro auf 58 gestiegen.

Auch der nordrhein-westfĂ€lische Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne) gab der Bundesregierung die Schuld. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) habe anscheinend kein Interesse an einer Entlastung von Bahnkunden und sei nicht bereit, eine FinanzierungslĂŒcke zu decken, sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur.

LĂ€nderverkehrsminister entscheiden

Den Preis setzt die Verkehrsministerkonferenz (VMK) der LĂ€nder fest. Der Bund ist Gast. Bundesminister Patrick Schnieder (CDU) ist bei den GesprĂ€chen in MĂŒnchen nicht dabei, er wird von einem StaatssekretĂ€r vertreten.

In einer Beschussvorlage zur VMK, die der dpa vorliegt, wird bei der Frage einer Preisanhebung 2026 keine Zahl genannt.

Knackpunkt bei den Verhandlungen ist die Frage, wie erwartete Mehrkosten bei Verkehrsunternehmen ausgeglichen werden sollen - ĂŒber die drei Milliarden Euro pro Jahr hinaus, die Bund und LĂ€nder bisher zusammen bereitstellen und auch fĂŒr das kommende Jahr geben wollen. Das Deutschlandticket ist im Vergleich zu bisherigen Abos gĂŒnstiger, das sorgt fĂŒr EinnahmeausfĂ€lle.

Das Deutschlandticket gibt es seit Mai 2023. Es wird nach Branchenangaben von rund 14 Millionen Menschen genutzt und ermöglicht bundesweit Fahrten im öffentlichen Regional- und Nahverkehr.

Mehrkosten erwartet

Ohne eine Dynamisierung der drei Milliarden Euro von Bund und LĂ€ndern drohe bereits 2026 eine FinanzierungslĂŒcke von prognostizierten 800 Millionen Euro, sagte Alexander Möller, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Diese solle im Kern durch eine Preiserhöhung des Tickets und grĂ¶ĂŸere Erfolge beim Verkauf besonders an neue ÖPNV-Kunden geschlossen werden. "Eine Preisanpassung kann nur moderat erfolgen, da zugleich deutlich mehr Tickets verkauft werden sollen." Ein qualitativ guter und gleichzeitig mit dem Deutschlandticket preislich attraktiver ÖPNV benötige eine klare Finanzierungsperspektive. Eine deutliche Preisanhebung berge die Gefahr, dass fĂŒr viele Kundinnen und Kunden das Ticket dann nicht mehr attraktiv genug sei.

Preismechanismus möglich

In der Beschlussvorlage ist von einem festen Preismechanismus die Rede. Demnach könnte ab 2027 der Preis des Deutschlandtickets anhand eines bis zur Verkehrsministerkonferenz im Herbst 2025 zu erarbeitenden Kostenindexes fortgeschrieben werden. Dieser Index solle insbesondere Personal- und Energiekosten abbilden und sei nach Anhörung der Branche festzulegen.

Ein Sprecher Schnieders sagte, Ziel des Bundes sei ein Mechanismus, der lĂ€ngerfristige Planungssicherheit sowohl fĂŒr die ÖPNV-Kunden als auch fĂŒr die Verkehrsunternehmen biete.

Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (BSW) sagte, das Deutschlandticket brauche endlich eine verlĂ€ssliche Grundlage. "Es muss ĂŒber mehrere Jahre hinweg finanziell abgesichert sein, damit es nicht jedes Jahr neue Diskussionen ĂŒber den Preis gibt."

Außerdem könnte es laut Vorlage dazu kommen, dass die LĂ€nder sich bereiterklĂ€ren, von 2026 bis 2030 jĂ€hrlich 1,5 Milliarden Euro fĂŒr das Deutschlandticket bereitzustellen - wenn der Bund ebenfalls Bundesmittel in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr von 2026 bis 2030 zusichert. Bisher hat der Bund dies nur fĂŒr 2026 zugesagt.

Kritik am Bund

Schnieder hatte mehrfach deutlich gemacht, dass der Bund keine weiteren Gelder ĂŒber die zugesagten 1,5 Milliarden Euro hinaus zur VerfĂŒgung stellt. "Es ist das Gegenteil von verantwortungsvoller Politik, erst PreisstabilitĂ€t zu versprechen und sich dann, wenn es konkret wird, aus dem Staub zu machen", sagte Krischer. In ihrem Koalitionsvertrag spreche die schwarz-rote Bundesregierung von PreisstabilitĂ€t bis 2029. Insbesondere die SPD habe sich dafĂŒr stark gemacht.

Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD heißt es, der Anteil der Nutzerfinanzierung solle ab 2029 schrittweise und sozialvertrĂ€glich erhöht werden.

Der Sprecher Schnieders sagte auf eine Frage, ob die Bundesregierung beim Ziel der PreisstabilitÀt bleibe, es bleibe beim Ziel, das Deutschlandticket zu erhalten.

LĂ€nder wollen auch nicht mehr geben

Die rheinland-pfĂ€lzische Verkehrsministerin Eder sagte, die Bundesregierung erhöhe ihren Anteil nicht so, dass der Preis bei 58 Euro bleiben könne. Die LĂ€nder hĂ€tten sich nach anfĂ€nglichem Widerstand aus Bayern inzwischen ebenfalls darauf verstĂ€ndigt, die gleiche Summe von 1,5 Milliarden erneut aufzubringen. DafĂŒr, einen höheren Anteil als der Bund zu bezahlen, gebe es keine Mehrheit.

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