Delivery Hero, DE000A2E4K43

Mit KI-Auswertung und Live-Daten: Wie Delivery Heros Dmart OS den Quick-Commerce effizienter machen soll

15.06.2026 - 12:19:34 | ad-hoc-news.de

Delivery Hero baut seine eigene Software-Plattform Dmart OS zum Rückgrat der schnellen Lebensmittellieferung aus. Die Lösung vernetzt Lager, Fahrer und Bestellungen in Echtzeit und zielt auf höhere Effizienz im Quick-Commerce.

Gitarrist gebeugt auf Bühne mit Band im rot-orangen Scheinwerferlicht und Nebel
Delivery Hero - Intensität in Rot: Tief über seine Gitarre gebeugt liefert der Musiker seinen Part, während rote Strahlen die Bühne durchziehen. 15.06.2026 - Bild: THN

Verantwortlich: ad hoc news Fachredaktion Bestseller & Flaggschiff. Vor der Veröffentlichung am 15.06.2026, 12:17 Uhr geprüft. Details im Impressum.

Delivery Hero macht seine Technologie immer stärker zum eigentlichen Produkt: Mit der Software-Plattform Dmart OS will der Konzern die Abläufe in seinen Quick-Commerce-Lagern standardisieren und deutlich effizienter organisieren. Das System steuert zentrale Prozesse von der Bestellannahme über das Kommissionieren im Dark Store bis zur Routenplanung der Kuriere in Echtzeit. Laut Unternehmen kommt die Plattform inzwischen in einem Großteil der eigenen Dmart-Standorte weltweit zum Einsatz und wird kontinuierlich um KI-gestützte Funktionen ergänzt. Eine ausführliche Beschreibung findet sich in der offiziellen Unternehmensdarstellung zum Quick-Commerce-Setup.

Was Dmart OS im Alltag der Mikro-Lager leisten soll

Im Kern ist Dmart OS die interne Betriebs-Software für die kleinen Lagerstandorte, über die Delivery Hero Lebensmittel und Convenience-Produkte in 20 bis 30 Minuten zum Kunden bringen will. Die Plattform verbindet die Bestell-Apps der Marken des Konzerns mit den Dmart-Hubs und orchestriert dort eine Reihe von Aufgaben: Wareneingang und Bestandsverwaltung, Priorisierung der Aufträge, Picklisten-Generierung, Pack-Prozesse und Übergabe an die Fahrer. Ziel ist es, jeden Schritt so weit wie möglich zu standardisieren, damit neue Standorte schnell hochgefahren werden können und die operative Leistung messbar bleibt.

Ein zentrales Element sind Echtzeit-Daten aus den Orders: Dmart OS analysiert, wie viele Bestellungen in einem Gebiet eingehen, welche Artikelgruppen besonders gefragt sind und wie sich die Nachfrage über den Tag verteilt. Auf dieser Basis können Lagerbestände angepasst, Schichtpläne optimiert und Lieferzeiten besser prognostiziert werden. Für den Endkunden sichtbar wird das etwa bei den angezeigten Lieferfenstern in den Apps der Marken Foodpanda, Talabat oder Hungerstation, die sich unmittelbar aus den Systemdaten speisen.

Auch die Routenplanung der Fahrer hängt an Dmart OS: Das System bündelt Bestellungen in der Nähe, weist Kuriere bestimmten Touren zu und berücksichtigt dabei sowohl die Auslastung der Fahrer als auch die zugesagten Lieferzeiten. In dicht besiedelten urbanen Gebieten, wo viel per Fahrrad oder Roller ausgeliefert wird, entscheiden wenige Minuten über die angezeigte ETA. Dmart OS soll hier dafür sorgen, dass möglichst wenig Leerfahrten entstehen und gleichzeitig Verspätungen reduziert werden.

Auf operativer Ebene bietet die Plattform den lokalen Teams eine zentrale Oberfläche mit Kennzahlen zu Picking-Zeiten, durchschnittlicher Bearbeitungsdauer pro Bestellung und Fehlerquoten. Standortleiter können damit gezielt eingreifen, wenn Prozesse aus dem Ruder laufen, und etwa die Personaleinteilung oder die Lagerstruktur anpassen. In Märkten, in denen Delivery Hero mit externen Partnern zusammenarbeitet, fungiert Dmart OS als Standard, der die Zusammenarbeit vereinheitlicht.

Technologie-Schicht hinter den Marken Foodpanda, Talabat & Co.

Dmart OS ist bewusst markenneutral angelegt und läuft hinter unterschiedlichen Frontends: In Südostasien etwa bedient die App-Marke Foodpanda die Endkunden, während im Hintergrund die Dmart-Lager mit der Plattform verbunden sind, in Nahost sind es Talabat und Hungerstation, in Europa lokale Marken wie Glovo oder Lieferheld. Diese Trennung zwischen Frontend-App und Backend-Operations erlaubt es dem Konzern, Marken und Lager-Setup flexibel an Marktgegebenheiten anzupassen, ohne die technologische Basis jedes Mal neu aufzubauen.

Die Software ist modular aufgebaut: Core-Funktionen für Bestandsführung und Order-Management werden durch zusätzliche Module ergänzt, etwa für dynamische Preis- und Rabattsteuerung oder ein Slot-Management für besonders stark nachgefragte Lieferzeiten. In einigen Märkten testet Delivery Hero zudem KI-Komponenten, die anhand historischer Daten vorhersagen, zu welchen Zeiten bestimmte Produkte verstärkt nachgefragt werden und welche Personalstärke dafür sinnvoll ist. Damit rückt Dmart OS näher an klassische Retail-Planungssoftware heran, bleibt aber auf die hohe Frequenz der On-Demand-Lieferung ausgelegt.

Die technische Infrastruktur wird zentral in Berlin und in regionalen Tech-Hubs weiterentwickelt. Delivery Hero betont in mehreren Technologiebriefings, dass ein großer Teil der internen Produktentwicklung auf die Operational-Excellence-Plattformen entfällt, zu denen Dmart OS gehört. Für Investoren und Partner wird der Stellenwert unter anderem in einer ausführlichen Operations-Präsentation zum Quick-Commerce-Geschäft deutlich, in der die Funktionsweise von Dmart OS skizziert wird.

Ein weiterer Vorteil der zentralen Plattform: Funktionen wie Betrugsprävention, Qualitätskontrollen oder Compliance-Regeln können einmal global entwickelt und dann in alle Märkte ausgerollt werden. Gerade in regulierten Produktkategorien, etwa Alkohol oder rezeptfreie Medikamente, erleichtert das die Einhaltung lokaler Vorgaben beim Verkauf über Dark Stores.

Effizienzhebel in einem margenschwachen Geschäftsmodell

Quick-Commerce gilt seit Jahren als margenschwaches und kapitalintensives Geschäftsmodell. Hohe Personalkosten, kleine Warenkörbe und kurze Lieferzeiten drücken auf die Profitabilität. Für Delivery Hero ist Dmart OS damit weniger ein Nice-to-have als eine Voraussetzung, um die Kosten pro Bestellung mittelfristig zu senken. Jeder eingesparte Pick-Minute, jede besser gebündelte Fahrt schlägt direkt auf die Deckungsbeiträge der Dark Stores durch.

Die Plattform ermöglicht es, operative KPIs über Märkte hinweg zu vergleichen: Wie schnell arbeiten Teams in Bangkok im Vergleich zu Teams in Prag? Welche Lagerlayouts führen zu kürzeren Wegen? Welche Produktgruppen verursachen überdurchschnittlich viele Fehlkommissionierungen? Indem Dmart OS diese Kennzahlen standardisiert erfasst, kann der Konzern Best Practices identifizieren und ausrollen.

Gleichzeitig eröffnet die Software auch neue Steuerungsmöglichkeiten auf Portfolio-Ebene. Wenn bestimmte Standorte dauerhaft unter kritischen KPI-Schwellen bleiben, können sie schneller zur Disposition gestellt oder restrukturiert werden. In Märkten, in denen sich das On-Demand-Modell als nicht tragfähig erweist, erleichtert eine einheitliche Plattform zudem das geordnete Herunterfahren der Dmart-Aktivitäten.

Auf der Erlösseite kann Dmart OS helfen, Warengruppen mit besseren Margen stärker zu platzieren, etwa durch prominentere Sortimentsplatzierung in den Apps oder durch gezielte Bundles. In Verbindung mit personalisierten Angeboten auf Basis des Bestellverlaufs lassen sich so auch höhere Warenkörbe adressieren, ohne die Lieferzeit zu verlängern. Die technische Basis dafür liegt in der engen Verzahnung von Frontend-Daten und Lagerprozessen.

Für größere FMCG-Hersteller ist die Plattform zudem interessant, weil sich Kampagnen und Regalplatzierungen deutlich granularer steuern lassen als im klassischen stationären Handel. Kooperationen auf Ebene einzelner Städte oder sogar Viertel werden so technisch überhaupt erst abbildbar, was für Werbepartner zusätzliche Anreize schafft.

Heimatmarkt-Bezug und Ausblick

Da Delivery Hero seinen Quick-Commerce-Schwerpunkt stark in wachstumsstarken Märkten in Asien, dem Nahen Osten und Teilen Europas hat, kommt Dmart OS vor allem dort zum Tragen. In Metropolen wie Singapur, Manila, Dubai oder Prag wird die Plattform im Hintergrund bereits genutzt, um tausende Bestellungen täglich durch die Dark Stores zu schleusen. In Deutschland steht bei der Gruppe dagegen stärker das klassische Marktplatzgeschäft im Vordergrund, Quick-Commerce mit eigenen Dmarts spielt hier eine kleinere Rolle als in einigen Auslandsmärkten.

Berichte zu geplanten Portfolio-Anpassungen, etwa die anstehende Transaktion mit Uber im EMEA-Kerngeschäft, ändern daran wenig: Die zugrunde liegende Technologie wie Dmart OS bleibt ein Kernbaustein, mit dem Delivery Hero entweder eigene Märkte selbst bedient oder als White-Label- beziehungsweise Plattformpartner agiert. Die strategische Bedeutung dieser Software-Schicht wird in einem ausführlichen Bericht von Reuters zur geplanten EMEA-Transaktion hervorgehoben, der den Fokus auf Technologie-Assets im Deal-Kontext betont.

Unterm Strich zeigt sich: Dmart OS ist kein Endkundenprodukt, sondern eine interne Plattform, deren Leistungsfähigkeit maßgeblich darüber entscheidet, ob Delivery Hero im Quick-Commerce operativ nachhaltig wirtschaften kann. Für Privatanleger ist der Blick auf diesen Technologie-Baustein damit ein Schlüssel, um die mittelfristige Profitabilität des Geschäftsmodells besser einzuordnen.

Die Aktie von Delivery Hero (DE000A2E4K43) notiert am 13.06.2026 auf Xetra bei 37,44 Euro.

Kennzahlen zur Plattform im Überblick

  • Produkt: Dmart OS
  • Hersteller: Delivery Hero SE
  • Kategorie: Flagship/Bestseller
  • Markteinführung: schrittweise seit etwa 2020 im Quick-Commerce-Geschäft
  • UVP / Preis: keine öffentliche Preisangabe, interne Betriebsplattform
  • Verfügbarkeit: in zahlreichen Quick-Commerce-Märkten von Delivery Hero, Schwerpunkt Asien, Nahost und ausgewählte europäische Städte
  • Zielgruppe: interne Operations-Teams, Partnerlager und Dmart-Standorte von Delivery Hero
  • Besonderheit / USP: integrierte Echtzeit-Steuerung von Lager, Bestellungen und Fahrerflotte im Quick-Commerce

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