Triebwerksbauer MTU legt Latte fĂŒr 2025 noch höher - Aktie legt zu
23.10.2025 - 16:36:32(neu: Kurs aktualisiert)
MĂNCHEN (dpa-AFX) - Beim MĂŒnchner Triebwerksbauer MTU DE000A0D9PT0 und seinen Partnern lĂ€uft das GeschĂ€ft noch besser als gedacht. Gleich bei seiner ersten Zahlenvorlage setzte der neue MTU-Chef Johannes Bussmann seine Gewinnprognose fĂŒr 2025 nach oben. Damit schloss er sich seinen US-Partnern GE Aerospace US3696043013 und Pratt & Whitneys Mutterkonzern RTX US75513E1010 an. "2025 soll erneut ein hervorragendes Jahr fĂŒr die MTU werden", sagte der Manager am Donnerstag in MĂŒnchen.
Im dritten Quartal von Juli bis September kam dem Konzern eine verstÀrkte Nachfrage nach Ersatztriebwerken und Ersatzteilen zugute. Analysten zeigten sich von den GeschÀftszahlen begeistert.
Die MTU-Aktie reagierte positiv auf die Nachrichten: Mit einem Kursgewinn von 2,40 Prozent auf 387,70 Euro gehörte sie am Nachmittag zuletzt zu den stĂ€rksten Titeln im Dax DE0008469008. Ihr vor zwei Wochen erreichtes Rekordhoch von fast 400 Euro blieb jedoch noch ein StĂŒck entfernt.
Bussmanns VorgĂ€nger Lars Wagner hatte das Gewinnziel bereits im Juni ein erstes Mal angehoben. Wagner hat MTU inzwischen in Richtung Toulouse verlassen. Dort ĂŒbernimmt er Anfang 2026 als Verantwortlicher fĂŒr Passagier- und Frachtjets die Leitung der gröĂten Sparte des weltgröĂten Flugzeugbauers Airbus NL0000235190.
Der frĂŒhere Lufthansa-Technik-Chef Bussmann will den Gewinn von MTU im laufenden Jahr noch stĂ€rker nach oben treiben und nimmt das obere Ende der bisherigen Prognose ins Visier. So soll das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) um einen mittleren 20er-Prozentsatz auf etwa 1,3 Milliarden Euro steigen. Auch der Barmittelfluss soll mit 350 bis 400 Millionen Euro höher ausfallen als zuletzt gedacht. Dabei geht der Vorstand unverĂ€ndert von einem Umsatz von 8,6 bis 8,8 Milliarden Euro aus.
Im dritten Quartal steigerte MTU den Umsatz um zwölf Prozent auf gut 2,1 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn sprang um fast ein Viertel auf 339 Millionen Euro nach oben und ĂŒbertraf die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten deutlich. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 250 Millionen Euro, ein Anstieg um mehr als 18 Prozent.
MTU entwickelt zusammen mit anderen Triebwerksherstellern wie GE Aerospace US3696043013 und der RTX-Tochter Pratt & Whitney US75513E1010 Antriebe fĂŒr Passagier- und Frachtjets vor allem von Airbus und Boeing US0970231058. Zudem betreiben die MĂŒnchner Teile der Produktion. Ebenfalls sind sie an den Antrieben fĂŒr den Kampfjet Eurofighter und den MilitĂ€rtransporter A400M beteiligt und als Wartungsbetrieb fĂŒr Flugzeuge dick im GeschĂ€ft.
Am stĂ€rksten gefragt ist der Getriebefan-Antrieb von Pratt & Whitney, zu dem MTU nicht nur wichtige Teile beisteuert, sondern auch eine von weltweit drei Endmontagelinien betreibt. Diese Turbinen treiben etwa jedes zweite Exemplar des absatzstĂ€rksten Mittelstreckenjet-Typs der Welt an, der Airbus-Modellfamilie A320neo. AuĂerdem kommen sie bei jedem Airbus A220 und jedem Embraer BREMBRACNOR4 E2-Jet zum Einsatz.
Allerdings bereitet dieser Antrieb den Herstellern seit zwei Jahren milliardenschwere Sorgen: Weil Pratt & Whitney bei der Herstellung jahrelang ein mangelhaftes Pulvermetall verwendet hatte, mussten die Unternehmen seit 2023 rund 3.000 Turbinen in die Wartung zurĂŒckrufen. Die Reparatur dauert pro Triebwerk im Schnitt jeweils ĂŒber 100 Tage, weswegen seitdem und noch bis 2026 jeweils hunderte Flugzeuge weltweit am Boden bleiben mĂŒssen. Wegen der notwendigen RĂŒckstellungen erlitt MTU 2023 den einzigen Jahresverlust in der inzwischen mehr als 90-jĂ€hrigen Firmengeschichte.
Das RĂŒckrufprogramm komme weiter voran, und die Durchlaufzeiten in den sogenannten Wartungs-Shops verkĂŒrzten sich weiter, erklĂ€rte nun dazu MTUs Finanzchefin Katja Garcia Vila. Die Managerin ist wie Bussmann ebenfalls erst in diesem Jahr zu dem Triebwerksbauer gestoĂen.
Dass die groĂen Flugzeughersteller Airbus und Boeing mit der Auslieferung neuer Jets kaum hinterherkommen, bringt MTU zudem zusĂ€tzliche WartungsauftrĂ€ge. Denn Fluggesellschaften halten Ă€ltere Flugzeuge zum Ausgleich lĂ€nger in Betrieb, und an diesen Maschinen gibt es mehr zu reparieren.
Insgesamt ging der Auftragsbestand seit dem Jahreswechsel bis Ende September zwar von 28,7 auf 24,1 Milliarden Euro zurĂŒck; doch dies habe vor allem an Wechselkurseffekten gelegen, erklĂ€rte die Finanzchefin.
Nicht nur fĂŒr den Getriebefan hat MTU in diesem Jahr weitere Bestellungen gewonnen. Zu der jĂŒngsten Bestellung von 20 Eurofighter-Kampfjets durch die deutsche Bundesregierung gehört auch der Kauf der zugehörigen Triebwerke, fĂŒr die MTU zusammen mit den Partnern Rolls-Royce GB00B63H8491, Avio und ITP verantwortlich zeichnet.
Billiger als ursprĂŒnglich gedacht kommt MTU derweil die Handelspolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump zu stehen. Im laufenden Jahr dĂŒrften die Folgen den operativen Gewinn des Herstellers nur noch mit einem niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag belasten, sagte Garcia Vila. Anfangs war der Vorstand noch von einem mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Betrag ausgegangen.

