TrÀge Konjunktur belastet Wacker Chemie - Hoher Verlust 2025
28.01.2026 - 12:33:54(neu: MWB-Analyst, Kurs ins Minus gedreht)
MĂNCHEN (dpa-AFX) - Das schwierige Konjunkturumfeld hat Wacker Chemie DE000WCH8881 2025 RĂŒckgĂ€nge bei Umsatz und operativem Gewinn eingebrockt. Unter dem Strich steht wegen Abschreibungen sowie wegen Aufwendungen im Zusammenhang mit einem Sparprogramm ein Verlust im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. "2025 ist die chemische Industrie insbesondere in Deutschland und Europa massiv unter Druck geraten", sagte Vorstandschef Christian Hartel laut Mitteilung. Daher setzte der MDax-Konzern DE0008467416 im Herbst den Rotstift an. An der Börse gerieten die Papiere unter Druck.
Am Ende will Wacker Chemie jĂ€hrlich mehr als 300 Millionen Euro sparen; umgesetzt werden soll alles bis Ende 2027. Die HĂ€lfte der Summe soll durch den Abbau von voraussichtlich weltweit mehr als 1.500 Stellen erreicht werden, wie die UnternehmensfĂŒhrung Ende November schon angekĂŒndigt hatte. Der gröĂte Teil der Stellen soll dabei in Deutschland abgebaut werden. Weltweit beschĂ€ftigte der Konzern Ende des ersten Halbjahres 2025 gut 16.700 Menschen. ZunĂ€chst verursachen die MaĂnahmen aber auch Aufwendungen: Das Unternehmen stellte nun laut Mitteilung vom Mittwoch rund 100 Millionen Euro fĂŒr das laufende Sparprogramm zurĂŒck.
Im Zuge der Einsparungen will sich Hartel auch in den Chemiebereichen stĂ€rker auf die margentrĂ€chtigeren SpezialitĂ€ten fokussieren, im Polysilizum-GeschĂ€ft auf den Halbleitermarkt und in der Life-Science-Sparte Biosolutions auf innovative Biotech-Anwendungen. Mit Blick auf den Industriestandort Deutschland wiederholte Hartel zudem seine Forderung: "Wir brauchen vor allem international wettbewerbsfĂ€hige Energiepreise und einen konsequenten BĂŒrokratieabbau."
Der Konzern bekommt unter anderem schon lĂ€nger die Folgen einer trĂ€gen Bauwirtschaft zu spĂŒren. Darunter leidet die Polymer-Sparte des Unternehmens, die Basis- und Zusatzmaterialien fĂŒr Klebstoffe, BodenbelĂ€ge, Farben und Beton herstellt. Und auch die Silikon-Sparte leidet, die vielfĂ€ltige Hochleistungskunststoffe etwa fĂŒr die Autoindustrie, Elektro- und Medizintechnik, aber auch die Bauwirtschaft und die Textilindustrie herstellt.
In beiden GeschÀftsbereichen blieb die Auftragslage zum Jahresende 2025 hin schwach, wie Wacker in einer PrÀsentation darlegte. In dem schwachen Umfeld baute das Unternehmen derweil reichlich LagerbestÀnde in der Silikon-Sparte ab, was dem Finanzmittelfluss (Cashflow) zugute kam. Dadurch war der Netto-Cashflow im vergangenen Jahr mit minus 5 Millionen Euro annÀhernd ausgeglichen, nachdem 2024 noch ein Abfluss von 326 Millionen gestanden hatte.
Das GeschĂ€ft mit dem Halbleitergrundstoff Polysilizium zeigte abermals unterschiedliche Trends. WĂ€hrend die Nachfrage nach hochreinem Polysilizium zur Herstellung von Computer-Chips stark blieb, lasteten regulatorische Unsicherheiten in den USA weiter auf dem GeschĂ€ft mit Polysilizium fĂŒr Solarpanelen. So hatte die US-Regierung Mitte 2025 eine Untersuchung eingeleitet, um die Folgen von Importen des Materials fĂŒr die nationale Sicherheit zu prĂŒfen. Das sorgt in der Branche fĂŒr viel Unsicherheit. Bei Wacker Chemie leidet die Auslastung der Anlagen und damit auch der operative Gewinn.
Alles in allem brach das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2025 bei einem UmsatzrĂŒckgang um 4 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro um 42 Prozent auf 430 Millionen Euro ein. Analysten hatten im Durchschnitt in etwa so viel Umsatz erwartet, sich beim operativen Ergebnis aber mehr erhofft. Die 100 Millionen-Euro-RĂŒckstellung fĂŒr das Sparprogramm herausgerechnet, erreichte das operative Ergebnis aber fast die AnalystenschĂ€tzung.
Unter dem Strich fiel allerdings wegen Wertberichtigungen etwa auf die Beteiligung am Halbleiterwafer-Hersteller Siltronic DE000WAF3001 und den 2023 ĂŒbernommenen Auftragsfertiger ADL Biopharma ein Verlust von 800 Millionen Euro an, teilte der Konzern mit. Im Vorjahr war noch ein Ăberschuss von 261 Millionen ausgewiesen worden.
Anleger an der Börse reagierten zunĂ€chst positiv, sie hofften auf Besserung und Wirkung des Sparprogramms. Nach einem deutlichen Kursanstieg bis auf 74,70 Euro drehten die Papiere aber ins Minus. Gegen Mittag waren sie mit Verlusten von gut drei Prozent auf 69,45 Euro unter den gröĂten Verlierern im MDax. Der zaghafte Erholungstrend seit September hat aber weiter Bestand.
Wichtig wird nun vor allem der Ausblick fĂŒr das neue Jahr. Den dĂŒrfte das Unternehmen im MĂ€rz im Zuge der Veröffentlichung der endgĂŒltigen GeschĂ€ftszahlen vorlegen.
Aus Sicht von Analyst Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan bleiben die Perspektiven fĂŒr Wacker Chemie erst einmal schwierig. Struktureller und zyklischer Gegenwind belaste. So sieht es auch Abed Jarad MWB Research: Die Resultate hĂ€tten bestĂ€tigt, dass sich der Branchenabschwung verschĂ€rfe und lĂ€nger als zuvor erwartet anhalten könnte, so der Experte. Ein klarer Wendepunkt sei nicht in Sicht.

