Siemens Energy auf Kurs zum ersten Jahresgewinn
07.08.2024 - 12:55:08(neu: Kurs, Analysten, Zitate aus der Telefonkonferenz, Details)
MĂNCHEN (dpa-AFX) - Der Energietechnikkonzern Siemens Energy DE000ENER6Y0 hat im dritten GeschĂ€ftsquartal weitere Fortschritte gemacht und seine Verluste reduziert. Das Unternehmen profitierte dabei von guten GeschĂ€ften im NetzgeschĂ€ft, welches Erlös und Ergebnis deutlich steigern konnte. Die Zahlen fielen etwas besser aus als von Analysten erwartet. Das Management rund um Konzernchef Christian Bruch sieht sich auf Kurs zum ersten Jahresgewinn seiner noch jungen Geschichte. So bekrĂ€ftigte er die Prognose, am Jahresende (per Ende September) einen Gewinn von bis zu einer Milliarde Euro auszuweisen. Es wĂ€re eine gewaltige Verbesserung, denn am Ende des letzten GeschĂ€ftsjahres hatte noch ein horrender Verlust von 4,6 Milliarden gestanden.
Die Aktie konnte am Mittwoch zu Handelsstart zunĂ€chst um mehr als zwei Prozent zulegen, auch dank der von Analysten gelobten robusten MittelzuflĂŒsse. Zuletzt kosteten die Papiere fast zwei Prozent mehr und notierten knapp unter 25 Euro.
FĂŒr Analyst Philip Buller von der Privatbank Berenberg sind die Zahlen gemischt, letzten Endes aber doch stark ausgefallen. Zu den beiden wichtigsten Aspekten, den Margen der Beteiligung Gamesa und den freien Barmitteln auf Konzernebene, habe sich der Elektro- und Energietechnikhersteller positiv geĂ€uĂert, so der Experte. Siemens Energy zeige anhaltende StĂ€rke im Bereich Netztechnologie und habe den Ausblick fĂŒr den Mittelzufluss angehoben, lobte Bernstein-Analyst Nicholas Green.
Es ist nach wie vor das WindkraftgeschĂ€ft Gamesa, das Energy belastet. Dort leidet der Konzern unter Fehlern in der Vergangenheit: Einerseits muss er VertrĂ€ge abarbeiten, mit denen angesichts gestiegener Kosten kein Gewinn mehr zu machen ist. Andererseits kosten QualitĂ€tsprobleme bei zwei Onshore-Windturbinentypen Geld und NeugeschĂ€ft. Dazu kommen Hochlaufkosten beim GeschĂ€ft mit WindrĂ€dern im Meer. Immerhin, diese Belastungen sind keine Ăberraschung - anders als in den vergangenen Jahren, als regelmĂ€Ăig schlechte Nachrichten der damals noch nicht eingegliederten spanischen Tochter Siemens Gamesa den Mutterkonzern zu Gewinnwarnungen zwangen.
Man komme planmĂ€Ăig voran und gehe Schritt fĂŒr Schritt, sagte Konzernchef Christian Bruch. "Das ist nicht immer wahnsinnig aufregend - aber es ist genau das, was wir erreichen wollen." Zum vor drei Monaten angekĂŒndigten Jobabbau bei Gamesa nannte Bruch noch keine Details. Man stecke noch mitten in den Verhandlungen, sagte er.
Und wĂ€hrend Gamesa seine Altlasten abarbeitet, lĂ€uft der Rest des Konzerns solide. Zwar fuhr Gamesa erneut einen Verlust ein - diesmal waren es 463 Millionen Euro, doch das ist nicht einmal ein FĂŒnftel des Werts aus dem Vorjahreszeitraum. Zudem sackte der Auftragseingang um 91 Prozent ab, weil Energy vorĂŒbergehend keine AuftrĂ€ge fĂŒr die problematischen Windturbinen annahm. FĂŒr das Gesamtjahr zeigte sich Siemens Energy fĂŒr die Windkraftsparte sogar etwas positiver gestimmt als zuvor.
Die anderen Segmente können inzwischen viel von Gamesas Problemen ausgleichen. Insbesondere die Netztechnik glÀnzte mit krÀftigen ZuwÀchsen bei Umsatz und Ergebnis. So trug der Bereich den Löwenanteil zum bereinigten operativen Ergebnis des Konzerns bei, der sich auf plus 49 Millionen Euro verbesserte. Unter dem Strich verbuchte Siemens Energy im dritten Quartal (per Ende Juni) einen Verlust von 102 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern wegen Gamesa jedoch noch einen Fehlbetrag von 2,9 Milliarden verzeichnet. Der Umsatz legte wÀhrungsbereinigt krÀftig um 18,5 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro zu.
Der Auftragsbestand knackte die Marke von 120 Milliarden Euro. Gas Services etwa konnte sein NeugeschĂ€ft im dritten Quartal mehr als verdoppeln - vor allem aufgrund groĂer ServiceauftrĂ€ge im Nahen und Mittleren Osten.
"Der schnell wachsende Strommarkt braucht eine groĂe Bandbreite unserer Produkte", betonte Energy-Chef Bruch. "Besonders profitieren davon unsere GeschĂ€fte mit der Netztechnik und den Gasturbinen. Wichtig ist, dass wir mit dem steigenden Auftragsbestand auch die MargenqualitĂ€t verbessern konnten. Wir schauen daher trotz aller Herausforderungen optimistisch in die Zukunft und sind nach den ersten neun Monaten auf einem guten Weg, unsere Jahresprognose zu erfĂŒllen."
Dass diese unter anderem bei bis zu einer Milliarde Euro Gewinn liegt, verdankt Energy vor allem einem im ersten GeschĂ€ftsquartal angefallenen Gewinn aus dem Verkauf von Anteilen seines IndiengeschĂ€fts. Im typischerweise schwĂ€cheren vierten Quartal kann sich Energy nun sogar einen deutlichen Verlust leisten: Nach neun Monaten liegt der Gewinn nĂ€mlich bei fast 1,6 Milliarden Euro. Zudem erwartet das Unternehmen fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2023/24 höhere MittelzuflĂŒsse als bisher in Aussicht gestellt.

