ROUNDUP, Spritpreise

Spritpreise ziehen mit dem Ende des Tankrabatts krÀftig an

Veröffentlicht: 01.07.2026 um 14:12 Uhr, dpa.de

MÜNCHEN - Die Spritpreise sind mit dem Ende des Tankrabatts stark gestiegen.

(neu: Monopolkommission)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Spritpreise sind mit dem Ende des Tankrabatts stark gestiegen. Am Mittwochmorgen war Superbenzin der Sorte E10 um 13,4 Cent teurer als zur gleichen Zeit am Dienstag, wie der ADAC mitteilt. Bei Diesel fiel der Anstieg mit 15,6 Cent sogar noch stĂ€rker aus. Bis zum spĂ€ten Vormittag weitete sich die Differenz bei beiden Kraftstoffen sogar noch minimal aus.

Nach dem typischen Mittagssprung stiegen die Preise fĂŒr E10 im bundesweiten Durchschnitt auf 2,15 Euro pro Liter an, bei Diesel auf 2,11 Euro. Der seit der EinfĂŒhrung der 12-Uhr-Regel typische Mittagssprung fiel allerdings etwas niedriger aus als in den Tagen zuvor. Das könnte ein Indiz fĂŒr einen sich verlangsamenden Anstieg sein - angesichts der ungewöhnlichen Preisentwicklung am Dienstag ist die Aussagekraft des Vergleiches aber beschrĂ€nkt.

Preiserhöhung durch ausbleibendes Absinken

Der Steuerrabatt in Höhe von 16,7 Cent pro Liter auf Kraftstoff bei der Lieferung an die Tankstelle war um Mitternacht ausgelaufen. Zu dieser Zeit konnten die Tankstellen ihre Preise wegen der 12-Uhr-Regel nicht erhöhen. Offensichtlich lösten viele dieses Dilemma, indem sie die Preise nach einem krĂ€ftigen Mittagssprung am Dienstag nicht wie ĂŒblich zĂŒgig und stark senkten, sondern nur in geringem Umfang. Die Preiserhöhung wurde letztlich durch das Ausbleiben von Preissenkungen umgesetzt.

Die 12-Uhr-Regel besagt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag - um 12.00 Uhr - die Preise erhöhen dĂŒrfen. Senkungen sind immer erlaubt. Sie wird teilweise auch als Österreich-Modell bezeichnet, da sie dort schon frĂŒher praktiziert wurde.

Kritik von ADAC und Monopolkommission

Die RĂŒcknahme des Tankrabatts sei damit ungerechtfertigt vorweggenommen worden, heißt es vom ADAC. Dieses Vorgehen sei fragwĂŒrdig, "denn noch befindet sich vielerorts gĂŒnstiger versteuerter Kraftstoff in den Tanks der Tankstellen". Daher hĂ€tten die Preise nicht schon am letzten Junitag so deutlich steigen dĂŒrfen.

Nun dĂŒrften die Preise nicht noch weiter angehoben werden, heißt es vom Verkehrsclub. "Das Preisniveau bei beiden Sorten ist insbesondere seit dem Start des Österreich-Modells zumeist klar ĂŒberhöht und der Tankrabatt wurde bereits vorzeitig von den Konzernen beendet. Eine erneute Verteuerung wĂ€re damit nicht mehr gerechtfertigt."

Auch der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, kritisiert, dass die Preise zu frĂŒh gestiegen seien. "Der Tankrabatt ist seit heute Nacht Geschichte - doch an den ZapfsĂ€ulen war das Ende lĂ€ngst eingepreist. In den vergangenen Tagen haben Mineralölunternehmen das absehbare Auslaufen des Rabatts offenbar genutzt, um ihre Margen gezielt auszuweiten."

Rabatt wurde zuletzt sehr viel schwÀcher weitergegeben

Die Monopolkommission beobachtet den Tankrabatt seit Beginn. "In den letzten Tagen lag die Weitergabe nur noch bei 7 bis 11 Cent pro Liter je nach Kraftstoff, obwohl der Rabatt rechnerisch rund 17 Cent betragen sollte", sagt Duso. "Das bedeutet: Mehr als die HĂ€lfte des Rabatts kam bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern schlicht nicht mehr an. Das ist wettbewerbspolitisch alarmierend."

Da fĂŒr die Steuer nicht der Kauf an der ZapfsĂ€ule, sondern die Belieferung der Tankstelle entscheidend ist, wĂ€re in Dusos Augen ein schrittweiser Preisanstieg nach dem tatsĂ€chlichen Auslaufen zu erwarten gewesen. "Stattdessen stiegen die Preise bereits Tage vorher stark an."

Schon vor rund zwei Wochen hatte die Monopolkommission kritisiert, dass der Tankrabatt nicht vollstĂ€ndig weitergegeben werde. Tankstellen- und MineralölverbĂ€nde widersprechen dieser EinschĂ€tzung, das MĂŒnchner Ifo-Institut und das Bundeskartellamt kamen dagegen zu Ă€hnlichen EinschĂ€tzungen wie die Monopolkommission.

Laut ADAC-Daten ist der Spritpreis bereits in der letzten Woche des Tankrabatts tĂ€glich gestiegen. Dabei war der Rohölpreis in dieser Zeit tendenziell rĂŒcklĂ€ufig.

Am Mittwochmorgen nur noch vereinzelt billige Angebote

Autofahrer, die gehofft hatten, dass das Ende des Tankrabatts erst am Mittwochmittag an den ZapfsÀulen durchschlÀgt, wurden enttÀuscht. Nur vereinzelt hatte es am Mittwochmorgen noch Tankstellen mit Preisen unter 1,80 Euro gegeben - vor allem bei Diesel. Mit der Preiserhöhung am Mittwochmittag verschwanden diese Angebote weitestgehend.

Der Tankrabatt galt vom 1. Mai bis 30. Juni. Der Staat ging in frĂŒheren SchĂ€tzungen von Steuermindereinnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro aus.

Juni war billigster Tankmonat seit Kriegsbeginn

Im Juni hatte der Tankrabatt noch seine Wirkung entfaltet. Zusammen mit wieder sinkenden Ölpreisen sorgte das fĂŒr den billigsten Tankmonat seit Ausbruch des Iran-Kriegs. Nach Daten des ADAC kostete ein Liter Super E10 im Monatsdurchschnitt 1,870 Euro. Das waren 11,3 Cent weniger als im Mai und 23,9 Cent weniger als im April, dem bisher teuersten Monat.

Ein Liter Diesel kostete im Monatsschnitt 1,818 Euro. Das waren 17,3 Cent weniger als im Mai und 44,5 Cent weniger als im besonders teuren April.

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