Multitasking, Illusion

Multitasking entpuppt sich als gefÀhrliche Illusion

27.03.2026 - 00:00:27 | boerse-global.de

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass das Gehirn Aufgaben nicht parallel, sondern nur nacheinander verarbeiten kann. Dies fĂŒhrt zu erheblichen ProduktivitĂ€tsverlusten und Sicherheitsrisiken.

Multitasking entpuppt sich als gefĂ€hrliche Illusion - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Multitasking entpuppt sich als gefĂ€hrliche Illusion - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Eine neue Studie deutscher UniversitÀten belegt: Unser Gehirn kann keine zwei komplexen Aufgaben gleichzeitig verarbeiten. Die vermeintliche Superkraft schadet ProduktivitÀt und Sicherheit.

Seit Jahren gilt Multitasking als unverzichtbare FĂ€higkeit in der Arbeitswelt. E-Mails wĂ€hrend des Meetings, Telefonate am Steuer – die Erwartung an parallele Leistung ist tief verwurzelt. Doch eine Untersuchung der Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle-Wittenberg, der FernUniversitĂ€t in Hagen und der Medical School Hamburg rĂŒttelt jetzt an diesem Fundament. Die im Quarterly Journal of Experimental Psychology veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Das Gehirn arbeitet Aufgaben grundsĂ€tzlich nacheinander ab.

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Das Gehirn trickst, aber teilt nicht

Die Forscher testeten, wie Probanden reagieren, wenn sie zwei Sinne gleichzeitig beanspruchen mĂŒssen. Sie sollten visuelle GrĂ¶ĂŸen bestimmen und akustische Signale einordnen. Über zwölf Tage trainierten die Teilnehmer intensiv.

Das Ergebnis? Die Probanden wurden zwar schneller und machten weniger Fehler. Doch die Analyse der Reaktionszeiten zeigte: Das Gehirn optimiert nur die Reihenfolge der Verarbeitungsschritte. Eine echte Gleichzeitigkeit findet nicht statt. Tritt eine kleine Abweichung von der Routine auf, bricht das System zusammen – die Fehlerquote steigt sprunghaft.

Der teure Preis des stÀndigen Wechsels

Was bedeutet das fĂŒr den Arbeitsalltag? Der stĂ€ndige Wechsel zwischen E-Mails, Chats und Projektarbeit ĂŒberlastet das ArbeitsgedĂ€chtnis. Diese „Switching Cost“ – die Zeit zum Neueinstellen – summiert sich zu erheblichen Verlusten.

Aktuelle ProduktivitĂ€tsberichte zeigen das Ausmaß: Wer stĂ€ndig hin- und herwechselt, bĂŒĂŸt bis zu 40 Prozent seiner KapazitĂ€t ein. Chronisches Multitasking kann sogar die KonzentrationsfĂ€higkeit langfristig schĂ€digen. Kein Wunder, dass es in BewerbungsgesprĂ€chen heute seltener als StĂ€rke gilt. Vorgesetzte achten vermehrt auf fokussiertes, qualitativ hochwertiges Arbeiten.

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Unternehmen setzen auf Fokus und KI

Angesichts dieser Erkenntnisse vollzieht sich ein Wandel. Konzerne wie SAP setzen verstĂ€rkt auf Konzepte wie „Deep Work“ und „Monotasking“. Sie schaffen geschĂŒtzte ZeitrĂ€ume ohne digitale Unterbrechungen. In vielen BĂŒros gibt es jetzt „No-Notification-Phasen“.

Auch der Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz verĂ€ndert sich. KI ĂŒbernimmt zunehmend datenintensive Standardaufgaben. Das Ziel: Menschen entlasten, damit sie sich auf Urteilsvermögen, Empathie und komplexe Entscheidungen konzentrieren können – FĂ€higkeiten, die ungeteilten Fokus brauchen.

Ein Risiko fĂŒr Sicherheit und Gesundheit

Die Grenzen des Multitaskings spielen auch fĂŒr die Sicherheit eine kritische Rolle. FĂŒr Fluglotsen oder Chirurgen sind die Studienergebnisse zentral. Und im Straßenverkehr? Die Annahme, man könne telefonieren und sicher fahren, ist ein gefĂ€hrlicher Trugschluss.

Bei unerwarteten Ereignissen fĂ€llt das Gehirn sofort aus dem optimierten Modus – die Reaktion verzögert sich. Gesundheitsexperten warnen zudem vor den psychischen Folgen. Der stĂ€ndige ReizĂŒberschuss erhöht den Cortisolspiegel und begĂŒnstigt Stress, Erschöpfung und Burnout.

Die Renaissance der Konzentration

Trendforscher erwarten eine weitere Abkehr vom Multitasking-Ideal. Die FĂ€higkeit zur tiefen Konzentration entwickelt sich zu einer neuen Elite-Kompetenz. Wer seine Aufmerksamkeit gezielt steuern kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Unternehmen werden stĂ€rker in Arbeitsumgebungen investieren, die Ruhe und Fokus fördern – sowohl physisch als auch digital. Adaptive Assistenzsysteme sollen lernen, den optimalen Zeitpunkt fĂŒr Informationen zu wĂ€hlen, ohne den „Flow“ zu unterbrechen. Die Botschaft der Forschung ist klar: Wir werden nicht effizienter, wenn wir mehr gleichzeitig tun, sondern wenn wir das Richtige zur richtigen Zeit mit voller Aufmerksamkeit tun.

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