Multivitamine bremsen zellulĂ€re Alterung â aber verlĂ€ngern sie das Leben?
17.03.2026 - 00:00:22 | boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt: TĂ€gliche Multivitamine können das biologische Altern verlangsamen. Doch Experten warnen vor zu groĂen Hoffnungen. FrĂŒhere Daten belegen nĂ€mlich, dass die Pillen die Sterblichkeit nicht senken.
Studie: Zwei Jahre Pillen, vier Monate jĂŒnger?
Forscher des Mass General Brigham und der Harvard Medical School veröffentlichten kĂŒrzlich ĂŒberraschende Ergebnisse. In ihrer COSMOS-Studie nahmen 958 gesunde Erwachsene rund zwei Jahre lang tĂ€glich ein MultivitaminprĂ€parat oder ein Placebo ein.
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Das Team um Epidemiologe Howard Sesso maĂ den Alterungsprozess mit sogenannten epigenetischen Uhren. Diese analysieren VerĂ€nderungen der DNA, die das biologische Alter widerspiegeln. Das Ergebnis: Die Vitamin-Gruppe alterte auf zellulĂ€rer Ebene langsamer. Ăber den Studienzeitraum entsprach das einem RĂŒckgang des biologischen Alters von etwa vier Monaten.
Besonders profitierten Teilnehmer, deren Zellen zu Beginn der Studie bereits Àlter waren als ihr tatsÀchliches Alter. Ein reiner Kakaoextrakt zeigte dagegen keine Wirkung.
Experten bleiben skeptisch
Trotz der messbaren Effekte mahnen Wissenschaftler zur Vorsicht. Hauptautor Sesso betont, die klinische Bedeutung der zellulĂ€ren VerjĂŒngung sei noch unklar. Verbessert sie tatsĂ€chlich die Gesundheit im Alltag?
Der Altersforscher Luigi Fontana von der UniversitĂ€t Sydney hĂ€lt die Effekte fĂŒr minimal. Sein Verdacht: Die Pillen haben vielleicht nur leichte NĂ€hrstoffdefizite bei den Ă€lteren Probanden ausgeglichen. Einen echten Anti-Aging-Durchbruch stellen sie nicht dar.
Auch Daniel Belsky von der Columbia University relativiert die Aussagekraft. Epigenetische Marker reagieren auf viele Faktoren wie Stress. Eine kurzfristige VerÀnderung bedeute nicht automatisch ein lÀngeres Leben.
Der groĂe Widerspruch: Kein Schutz vor dem Tod
Die neue Studie steht im krassen Gegensatz zu frĂŒheren Langzeitdaten. Eine Analyse vom Juni 2024 mit fast 400.000 US-Erwachsenen ĂŒber 20 Jahre brachte ernĂŒchternde Ergebnisse.
Die tĂ€gliche Einnahme von Multivitaminen senkte weder das Krebs- noch das Herz-Kreislauf-Sterberisiko. In den ersten Jahren war das Risiko fĂŒr Vitamin-Nutzer sogar um vier Prozent erhöht. Ein Grund könnte sein, dass Menschen oft erst zu Pillen greifen, wenn sie gesundheitliche Probleme spĂŒren.
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Die Nachricht ist klar: Eine Verlangsamung zellulĂ€rer Alterungsmarker fĂŒhrt nicht zwangslĂ€ufig zu mehr Lebensjahren.
Wann sind NahrungsergÀnzungsmittel sinnvoll?
Die Studien werfen die Frage nach dem sinnvollen Einsatz auf. ErnĂ€hrungswissenschaftler betonen: Eine ausgewogene ErnĂ€hrung mit Obst, GemĂŒse und Vollkorn liefert ein komplexes NĂ€hrstoffpaket, das Pillen nicht ersetzen können.
Doch es gibt Ausnahmen. Bei nachgewiesenen MĂ€ngeln, in speziellen Lebensphasen oder bei bestimmten ErnĂ€hrungsweisen sind Supplemente sinnvoll. Beispiele sind Vitamin B12 fĂŒr Veganer, Vitamin D im Winter oder FolsĂ€ure in der Schwangerschaft.
VerbraucherschĂŒtzer raten zu Vorsicht. Da NahrungsergĂ€nzungsmittel als Lebensmittel gelten, unterliegen sie keinen strengen Zulassungstests. Die QualitĂ€t schwankt stark. Im Zweifel sollte man Ă€rztlichen Rat einholen, bevor man hochdosierte PrĂ€parate langfristig einnimmt.
