'Vulkangruppen' fĂŒr zahlreiche AnschlĂ€ge verantwortlich
05.01.2026 - 12:03:54Sie sollen seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder BrandanschlĂ€ge auf wichtige Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen haben, wie das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz schreibt. Mehrfach sei es dadurch "zum Ausfall von Strom und Telekommunikation sowie zu BeeintrĂ€chtigungen im öffentlichen Nahverkehr" gekommen.
Obwohl die Gruppen schon lange aktiv sind und groĂe SchĂ€den anrichten, wissen die Verfassungsschutzbehörden und die Polizei wenig ĂŒber sie. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu.
Die Texte der Bekennerschreiben wĂŒrden sich in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen so Ă€hneln, dass man von einem (teil-)identischen Autorenkreis ausgehe. Auch ein Strategiepapier aus dem Jahr 2015 deute auf eine feste Struktur hin. Zugleich gesteht der Verfassungsschutz ein: "Personenpotenzial in Berlin: nicht bekannt".
Wechselnde Namen mit Vulkanbezug
In Bekennerschreiben wĂŒrden meist wechselnde Namen, die sich auf islĂ€ndische Vulkane wie Grimsvötn, Katla oder Ok beziehen, verwendet. Hintergrund sei vermutlich der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull 2010, der den Flugverkehr in Europa wochenlang störte.
Als Ziel wĂ€hlten die "Vulkangruppen" meist KabelschĂ€chte an Bahnlinien, Funkmasten, Datenleitungen und Firmenfahrzeuge. Die Sabotageakte sollten die Verwundbarkeit der MobilitĂ€ts- und Kommunikationsinfrastruktur zeigen, die öffentliche Ordnung stören und groĂen Sachschaden anrichten.
Brandenburgs Innenminister Michael StĂŒbgen (CDU) sagte 2024 ĂŒber eine TĂ€tergruppe: "Sie sitzt offensichtlich in Berlin und agiert von dort aus bundesweit, möglicherweise international." Linksextreme AktivitĂ€ten in Brandenburg wĂŒrden "nahezu immer aus Berlin gesteuert".
Wie viele AnschlĂ€ge verĂŒbten die Gruppen?
Die genaue Zahl der AnschlÀge der "Vulkangruppen" ist nicht bekannt. 2024 hieà es, den Sicherheitsbehörden seien bislang elf strafbare Tatkomplexe bekannt, zu denen sich die Gruppe seit 2011 bekannt hÀtten. SpÀter kamen weitere hinzu.
Am 23. Mai 2011 brannte eine KabelbrĂŒcke am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Es kommt zu groĂen Störungen im Bahnverkehr. In einem Bekennerschreiben benennen sich die TĂ€ter nach dem islĂ€ndischen Vulkan: "Das Grollen des Eyjafjallajökull".
Im MĂ€rz 2018 verĂŒbte laut Bekennerschreiben eine "Vulkangruppe" in Berlin-Charlottenburg einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen. Etwa 6.500 Wohnungen und 400 Firmen waren stundenlang ohne Strom. Der Sachschaden ging in die Millionen.
Verdacht auf Anschlag auf Tesla US88160R1014-Baustelle
2021 stehen die "Vulkangruppen" im Verdacht, einen Brandanschlag auf die Stromversorgung der Tesla-Baustelle verĂŒbt zu haben. Stromkabel brannten in einem Wald etwa 500 Meter von dem Werk des Autokonzerns entfernt. Zudem gab es in dem Jahr AnschlĂ€ge auf KabelschĂ€chte.
Am 5. MĂ€rz 2024 legte eine entsprechende Gruppe Feuer an einen groĂen Strommast, der auch fĂŒr die Versorgung der Tesla-Fabrik nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt. Die Bundesanwaltschaft ĂŒbernahm die Ermittlungen wegen Terrorismus-Verdacht. Das Bundeskriminalamt ermittelte auch wegen verfassungsfeindlicher Sabotage.
Am 1. Mai 2025 bekannte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag an einem TrafohĂ€uschen und einer Funkmastanlage in Berlin-Dahlem. Die Polizei hielt den Bekennertext fĂŒr echt. In dem Schreiben hieĂ es: "Villenviertel lahmlegen. (...) Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten."
Ob weitere BrandanschlĂ€ge etwa im Februar 2025 auf einen Kabelschacht der Bahn mit Bezug zu Tesla und im September 2025 auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof und Zehntausende Haushalte auch im Zusammenhang mit den "Vulkangruppen" stehen, ist unklar. Politische Ăhnlichkeiten gibt es aber: Das linksextremistische Bekennerschreiben im September war unterschrieben mit: "Einige Anarchist:innen".

