Unternehmen: 'Hipp ist Opfer einer Erpressung'
20.04.2026 - 21:54:23 | dpa.de"Hipp ist Opfer einer Erpressung", teilte das Unternehmen im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm mit. "Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in gröĂeren zeitlichen AbstĂ€nden gesichtet wird." Zuvor hatte die Polizei erklĂ€rt, wegen versuchter Erpressung zu ermitteln.
Am Wochenende war ein mit Rattengift verseuchtes Glas "Karotten mit Kartoffeln" 190 Gramm der Firma Hipp im Burgenland sichergestellt worden. Zumindest zwei GlÀser sollen aber in dieser Region in Umlauf gebracht worden sein - eines wird nun noch unter Hochdruck gesucht.
Das Unternehmen teilte weiter auf seiner Homepage mit: "Unmittelbar nach Kenntnisnahme haben wir sofort die zustÀndige Polizei und Behörden informiert und einen internen Krisenstab eingerichtet."
FĂŒnf manipulierte GlĂ€ser gefunden
Nach Angaben des PolizeiprĂ€sidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt, wo bei der Kripo die Ermittlungen wegen versuchter Erpressung laufen, wurden in Ăsterreich sowie in Tschechien und der Slowakei insgesamt fĂŒnf manipulierte BabynahrungsglĂ€ser entdeckt. In Deutschland wurden keine vergifteten GlĂ€ser gefunden. Bei der Kripo sei eine Ermittlungsgruppe namens "Glas" eingerichtet worden. Was der mutmaĂliche Erpresser fordert, teilten weder Polizei noch das Unternehmen mit.
Die Polizei in Ăsterreich weitete unterdessen die Suche nach dem möglicherweise vergifteten Glas mit Babynahrung aus. "Wir setzen alle Hebel in Bewegung und haben nun auch Kontakt zu KindergĂ€rten und Pflegeeinrichtungen aufgenommen", sagte eine Sprecherin der Polizei im Bundesland Burgenland.
E-Mail am 16. April
Laut Polizei in Ingolstadt war die Erpresser-E-Mail am 16. April bekanntgeworden. Danach seien sofort alle nötigen MaĂnahmen im In- und Ausland getroffen worden, hieĂ es bei der Polizei. "Wir haben umgehend MaĂnahmen ergriffen, um unsere Verbraucherinnen und Verbraucher zu schĂŒtzen", unterstrich auch Hipp. "Wir stehen in enger und stĂ€ndiger Abstimmung und Kooperation mit den Behörden. Dies gilt auch fĂŒr unsere Kommunikation."
"Kriminelle Manipulation"
Der Vorfall stehe in keinem Zusammenhang mit der ProduktqualitĂ€t, betonte Hipp am Montag. "Es handelt sich um eine kriminelle externe Manipulation auĂerhalb unseres Einflussbereiches in den genannten drei MĂ€rkten. Wir haben keine Kenntnis von weiteren Manipulationen."
Die österreichische Agentur fĂŒr Gesundheit und ErnĂ€hrungssicherheit (Ages) hatte am Samstag von einem mutmaĂlichen Erpressungsversuch geschrieben. Sie strich diesen Hinweis spĂ€ter aus ihrer Pressemitteilung.
Gutachten soll Dosis von Rattengift bestimmen
Die Staatsanwaltschaft in Ăsterreich ermittelt nach eigenen Aussagen wegen "vorsĂ€tzlicher GemeingefĂ€hrdung". Laut einem vorlĂ€ufigen toxikologischen Gutachten sei Rattengift im sichergestellten Glas festgestellt worden. Nun erfolge eine genauere Untersuchung. Dabei werde es um die Dosis gehen und wie gefĂ€hrlich das Rattengift beim Verzehr gewesen wĂ€re, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Burgenland.
Laut Polizei wĂ€ren manipulierte GlĂ€ser an einem beschĂ€digten Deckel oder am Fehlen des Plopp-Lautes beim Ăffnen zu erkennen. Zudem sollen die manipulierten GlĂ€ser einen weiĂen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben.
Bei AuffĂ€lligkeiten an den Babykost-GlĂ€schen sollte der Inhalt nicht verzehrt und umgehend die Polizei verstĂ€ndigt werden, hieĂ es. Insbesondere sei beim Ăffnen des Glases auf das sogenannte Knack-GerĂ€usch zu achten. Sollte dieses fehlen, könne eine BeschĂ€digung oder Manipulation vorliegen, warnten die Ermittler.
Auch Tschechien und Slowakei betroffen
Produkte und Vertriebswege in Deutschland oder anderen europÀischen LÀndern, die nicht Bestandteil der Ermittlungen sind, seien nicht betroffen, sagte am Wochenende Hipp-Sprecher Clemens Preysing der Deutschen Presse-Agentur.
Er bestĂ€tigte, dass auĂer in Ăsterreich mit Rattengift verseuchte manipulierte GlĂ€schen auch in Tschechien und der Slowakei aufgetaucht seien. Die Handelspartner in Tschechien und der Slowakei hĂ€tten vorsorglich alle Hipp-GlĂ€schen aus dem Verkauf genommen, sagte der Hipp-Sprecher.
Mehrfach waren in der Vergangenheit namhafte Unternehmen Ziel von Erpressungsversuchen mit vergifteten Lebensmitteln geworden. Nicht zum ersten Mal ist Babynahrung das Ziel.
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