ROUNDUPLage, Libanon

kein Kriegsende in Sicht

02.06.2026 - 12:24:30 | dpa.de

Nach dem von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten Stopp der gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah herrscht im Libanon Ungewissheit und Skepsis.

Im SĂŒden des Landes kommt es nach libanesischen Angaben weiter zu israelischen Angriffen. In der Hauptstadt Beirut und seinen Vororten war ein Moment der Erleichterung spĂŒrbar.

Gleichzeitig sind ab heute weitere GesprÀche zwischen israelischen und libanesischen Vertretern in der US-Hauptstadt Washington angesetzt. Sie gelten als Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Beruhigung der Lage.

Trump spricht von Angriffsstopp

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte am Montagabend nach Tagen der Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz Hoffnung auf eine EntschĂ€rfung der Situation geschĂŒrt. Israel und die Hisbollah wĂŒrden ihre gegenseitigen Angriffe zunĂ€chst stoppen, erklĂ€rte er auf seiner Plattform Truth Social. Zudem werde Israel keine Truppen in die libanesische Hauptstadt Beirut entsenden.

Libanons PrĂ€sident Joseph Aoun erklĂ€rte kurz nach Trumps Aussagen, der angekĂŒndigte Stopp israelischer Angriffe auf die Hisbollah beziehe sich zunĂ€chst auf die sĂŒdlichen Vororte der Hauptstadt Beirut. Dort hatte das israelische MilitĂ€r seit Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April ohnehin seine Angriffe deutlich eingeschrĂ€nkt. Israel hatte jedoch vor Trumps AnkĂŒndigung damit gedroht, diese erneut anzugreifen und die Bewohner der als Dahija bekannten Vororte ein weiteres Mal zur Flucht gedrĂ€ngt.

Von israelischen Truppen in Beirut oder auch nur PlÀnen dazu war bis zu Trumps Aussagen nichts öffentlich bekannt. Israels MilitÀr war in den vergangenen Wochen zwar so weit ins Landesinnere des Libanons vorgedrungen wie seit mehr als 25 Jahren nicht - die Truppen sind aber noch weit von der Hauptstadt entfernt.

"Ich denke, dass die Regierung Netanjahu eine dauerhafte Besatzungszone einrichten möchte im SĂŒden Libanons", sagte der Nahost-Experte Daniel Gerlach den ARD-"Tagesthemen" am Montagabend. Von Truppen in Beirut sei jedoch bisher keine Rede gewesen. "Es war die Rede von Luftangriffen auf Dahija", so Gerlach.

Ungeachtet des von Trump verkĂŒndeten Stopps gegenseitiger Angriffe erklĂ€rte Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu am spĂ€ten Montagabend, Israels Armee werde ihren Einsatz im SĂŒdlibanon wie geplant fortsetzen. Sollte die Hisbollah außerdem ihre Angriffe auf israelische StĂ€dte nicht einstellen, werde Israel wieder in Beirut angreifen, schrieb Netanjahu auf X.

Libanon meldet weitere Angriffe - Israel fÀngt Geschosse ab

Bereits am Morgen gab es aus beiden LĂ€ndern wieder Berichte ĂŒber Angriffe. Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA schrieb am Morgen von mehreren israelischen Attacken im SĂŒdlibanon mit mindestens einem Toten. Die libanesische Armee - die nicht am Konflikt beteiligt ist - meldete zwei verletzte Soldaten nach einem israelischen Drohnenangriff. Über weiten Teilen Beiruts waren nach Angaben von dpa-Reporterinnen seit dem Morgen erneut Drohnen zu hören.

In Israel wurde in der Nacht in mehreren Gebieten Luftalarm ausgelöst, wie die Armee mitteilte. Zwei Geschosse aus dem Libanon seien abgefangen worden. Ein weiteres "feindliches Flugobjekt" sei auf israelischem Gebiet abgestĂŒrzt.

GesprÀche in Washington werden fortgesetzt

In Washington gehen unterdessen die direkten GesprĂ€che zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern an diesem Dienstag in die vierte Runde. In frĂŒheren Runden wurde eine Waffenruhe erklĂ€rt oder verlĂ€ngert. Die Hisbollah selbst ist nicht an den GesprĂ€chen beteiligt. Sie sieht Verhandlungen als Kapitulation und lehnt eine geforderte Entwaffnung ab.

Der Libanon und Israel pflegen keine diplomatischen Beziehungen und haben nie ein Friedensabkommen geschlossen. Die im April begonnenen Treffen in Washington sind die ersten direkten politischen GesprÀche seit Jahrzehnten. Die libanesische Regierung, die keine Kriegspartei ist, will vor allem eine dauerhafte Waffenruhe durchsetzen. Israel will eine Entwaffnung der Hisbollah und strebt dauerhaft einen Friedensprozess an. Libanons PrÀsident Aoun hatte erst am Montag betont: "Verhandlungen sind sicherer als Krieg". Er dÀmpfte gleichzeitig die Hoffnung auf baldige Lösungen.

Trotz der deklarierten Waffenruhe ist der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nicht zum Stillstand gekommen. Insbesondere im Libanon kommt es immer wieder zu Toten, es werden jedoch auch immer wieder israelische Soldaten durch Hisbollah-Sprengstoffdrohnen getötet, was den Druck auf Netanjahu in Israel verstÀrkt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut wurden seit Ausbruch der aktuellen Eskalation Anfang MÀrz im Libanon mehr als 3.400 Menschen getötet.

"Ungewissheit ist zermĂŒrbend"

Innerhalb der libanesischen Gesellschaft bleibt die Skepsis indes groß. Nach Netanjahus AnkĂŒndigung vom Montagmorgen, erneut in den Beiruter Vororten angreifen zu wollen, waren Tausende Menschen im Laufe des Montags ein weiteres Mal aus dem Gebiet geflohen. Am Dienstagmorgen war zu sehen, wie viele von ihnen zurĂŒckkehrten. "Diese Ungewissheit ist zermĂŒrbend", sagte Fatima, die ebenso zurĂŒckkehrte, der Deutschen Presse-Agentur. Auf den Straßen in Richtung Dahija bildeten sich lange Staus mit vollgepackten Autos. "Israel wird sich sowieso an keine Vereinbarung halten", sagte ein anderer RĂŒckkehrer. "Wir werden in unsere HĂ€user zurĂŒckkehren."

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