ROUNDUP, PrÀmie

PrĂ€mie oder Großreform? Koalition sucht Wege zur Entlastung

09.05.2026 - 08:05:01 | dpa.de

Nach dem vorlĂ€ufigen Aus fĂŒr die versprochene EntlastungsprĂ€mie fĂŒr BeschĂ€ftigte richten sich die Blicke der Koalition auf das nĂ€chste Spitzentreffen bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Im Bundesrat verfehlte die PrÀmie am Freitag die nötige Mehrheit: Nur 4 von 16 LÀndern stimmten zu. Ein Treffen des Koalitionsausschusses am Dienstag bietet nach den Worten von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) nun die Möglichkeit, zu beraten, wie es weitergeht.

"Meine Hand bleibt da ausgestreckt", sagte der SPD-Chef bei einem Besuch im kanadischen Toronto. "Das Ziel muss doch sein, dass man sich jetzt nicht im Klein-Klein zerlegt, sondern dass man jetzt schnell an die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ein Signal sendet: Wir wollen euch unterstĂŒtzen." Zusammen mĂŒssten Lösungen gefunden werden - "mit den LĂ€ndern, mit den Arbeitgebern, mit den Gewerkschaften".

"Schwere Hypothek" fĂŒr Einkommensteuer-Reform

Möglicherweise könnte eine Lösung aber komplett anders aussehen als mit der PrĂ€mie geplant. Beim Koalitionsausschuss dĂŒrfte am Dienstag voraussichtlich ĂŒber Klingbeils PlĂ€ne bei der Einkommensteuer beraten werden. Die Bundesregierung plant auf dem Feld seit langem eine große Reform zur Entlastung von Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen.

Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Fritz GĂŒntzler, sieht in der Blockade des Bundesrats bei der EntlastungsprĂ€mie aber "eine schwere Hypothek" dafĂŒr. "Wer nicht mal bereit ist, mögliche SteuerausfĂ€lle von 1,1 Milliarden Euro zu kompensieren, der braucht ĂŒber eine große Steuerreform gar nicht zu reden", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag). "Ich fordere gerade die MinisterprĂ€sidenten der Union auf klarzustellen, ob sie noch eine große Steuerreform wollen. Oder ob ihre Zustimmung bei der Verabschiedung des Koalitionsvertrags vor einem Jahr nun hinfĂ€llig ist."

Bundesrat bremst PrÀmie aus

Bei der EntlastungsprÀmie war vorgesehen, dass Arbeitgeber ihren BeschÀftigten bis 30. Juni 2027 freiwillig bis zu 1.000 Euro EntlastungsprÀmie zahlen können, die dann steuerfrei bleiben sollte. Unternehmen sollten die Zahlungen als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen können.

Der Bundesrat hatte das vom Bundestag beschlossene Gesetzesvorhaben der schwarz-roten Koalition am Freitag aber gestoppt. Die LĂ€nder störte vor allem, dass das Vorhaben laut Gesetzentwurf fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen insgesamt 2,8 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen bedeutet - davon nur 1,1 Milliarden beim Bund. Und dass als Gegenfinanzierung eine Erhöhung der Tabaksteuer vorgesehen war, die aber nur dem Bund zugute kommt.

Der scheidende rheinland-pfÀlzische MinisterprÀsident Alexander Schweitzer spricht von einem "Warnschuss". "Das ist ein Zeichen gewesen, dass die LÀnder gerne eingebunden sein möchten, wenn die Bundesregierung Ideen hat", sagte er im ZDF-"heute-Journal".

Ruf nach Alternativen

Doch noch am Freitag forderten LĂ€nderchefs andere Wege. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) pochte auf eine "Entlastung, die dauerhaft ist und die bei vielen ankommt". Sachsen-Anhalts MinisterprĂ€sident Sven Schulze (CDU) sagte: "Es muss dann auch Entlastungen geben, die wirklich bei den Menschen in ganz Deutschland ankommen." Schleswig-Holsteins MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther (CDU) forderte andere Maßnahmen als die PrĂ€mie.

Zum 1. Januar 2027 soll eine Einkommensteuer-Reform in Kraft treten und kleine und mittlere Einkommen dauerhaft entlasten. Nach Meinung des Finanzministers funktioniert das aber nur, wenn Spitzenverdiener dafĂŒr mehr tragen. Denn die Reform mĂŒsse "haushaltsschonend" gemacht werden.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) und CSU-Chef Markus Söder hatten eine Erhöhung der sogenannten Reichensteuer zuletzt nicht ausgeschlossen, wenn "der Steuertarif im oberen Bereich geglĂ€ttet und etwa der Soli abgeschafft wird", wie Merz vor einer Woche erklĂ€rte. Eine Belastung von Unternehmen - von denen je nach Organisationsform viele nicht Körperschaft-, sondern Einkommensteuer zahlen - schließt er aber aus: "Eine weitere Anhebung der EinkommensteuersĂ€tze fĂŒr die Unternehmen der Privatwirtschaft in Deutschland ist nicht vorstellbar."

Auch bei der Einkommensteuer wird es also nicht einfach. Ein steuerfreier Bonus ist in der Koalition denn auch noch nicht ganz vom Tisch, wie die Debatte am Freitag zeigte. Aus den Reihen der LĂ€nder kam aber bereits die Ansage, auch in so einem Fall mĂŒsse eine Gegenfinanzierung gesichert sein.

Gegenfinanzierung gesucht

Der fĂŒr Finanzen zustĂ€ndige Unions-Fraktionsvize Mathias Middelberg (CDU) sieht durchaus Einsparmöglichkeiten im Haushalt. Die Finanzhilfen des Bundes etwa seien allein in den letzten sieben Jahren von fast 8 auf 60 Milliarden Euro gestiegen, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Ob zum Beispiel Klimaschutzmaßnahmen im Ausland ohne Anrechnung auf unser CO2-Budget weiter gefördert werden sollen, muss hinterfragt werden."

Der Steuerzahlerbund forderte die Bundesregierung auf, die PrĂ€mienplĂ€ne endgĂŒltig fallen zu lassen. "Der Krisenbonus sollte einkassiert werden - die meisten Betriebe könnten ihn ohnehin nicht auszahlen", sagte VerbandsprĂ€sident Reiner Holznagel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69296292 |