ROUNDUPDrohnen, DĂ€nemark

Regierungschefin spricht von Anschlag

23.09.2025 - 10:31:42

Nach der Drohnensichtung am Flughafen Kopenhagen sprechen die dÀnische Regierung und Behörden von einem Angriff.

Es handle sich um den "bislang schwersten Anschlag auf dĂ€nische kritische Infrastruktur", erklĂ€rte MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen nach Angaben der Nachrichtenagentur Ritzau in einer Stellungnahme. Einen konkreten Verdacht, wer dafĂŒr verantwortlich sein könnte, Ă€ußerte sie nicht.

"Das sagt etwas darĂŒber aus, in was fĂŒr einer Zeit wir leben und worauf wir als Gesellschaft vorbereitet sein mĂŒssen", hieß es von der Regierungschefin. "Wir schließen natĂŒrlich keine Option aus, wer dahintersteckt", schrĂ€nkte sie ein. Es sei aber klar, dass dies mit den Entwicklungen ĂŒbereinstimme, die man in jĂŒngster Zeit bei anderen Drohnenangriffen, Luftraumverletzungen und Hackerangriffen auf europĂ€ische FlughĂ€fen habe beobachten können.

Polizei: "FĂ€higer Akteur"

Mitte September waren Drohnen im polnischen Flugraum aufgetaucht, wenige Tage spĂ€ter drangen Kampfflugzeuge in den estnischen Luftraum ein. Die Nato macht fĂŒr die Luftraumverletzungen Russland verantwortlich.

Vor den Äußerungen von Regierungschefin Frederiksen hatte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj mit Blick auf die Drohnensichtungen einen Zusammenhang mit Russland angedeutet. Konkrete Hinweise darauf lieferte er aber nicht.

Der leitende Ermittler der Kopenhagener Polizei, Jens Jespersen, sagte am Morgen auf einer Pressekonferenz, dass man unter anderem mit Blick auf Anzahl und GrĂ¶ĂŸe der Drohnen sowie Zeitpunkt des Vorfalls davon ausgehe, dass vermutlich ein "fĂ€higer Akteur" hinter dem Vorfall stecke. Das bedeute, dass es sich um einen Akteur handeln mĂŒsse, der die FĂ€higkeiten, den Willen und die Werkzeuge dazu habe, so etwas zu bewerkstelligen - vielleicht auch lediglich zu Übungszwecken.

Die Kopenhagener Polizeidirektorin Anne TĂžnnes sprach am Vormittag dann von einem "Drohnenangriff" und wie Frederiksen von einem "Anschlag". "Das ist unsere kritische Infrastruktur, und deshalb nenne ich es so", sagte TĂžnnes vor Reportern. "Ich halte das fĂŒr eine sehr ernste Situation."

Wegen der Sichtung von zwei bis drei grĂ¶ĂŸeren Drohnen war der Airport der dĂ€nischen Hauptstadt vom spĂ€ten Montagabend bis in die Nacht hinein fĂŒr Starts und Landungen fĂŒr rund vier Stunden gesperrt worden. Einen Ă€hnlichen Vorfall mit Ă€hnlich langen Folgen fĂŒr den Luftverkehr gab es auch am Flughafen in Oslo. Die norwegischen Ermittler prĂŒfen, inwieweit es einen Bezug zu den Drohnen in Kopenhagen gibt.

20.000 Passagiere betroffen

In Kopenhagen mussten rund 100 FlĂŒge nach Flughafenangaben in Verbindung mit der Drohnensichtung gestrichen werden, darunter auch mehrere aus und nach Deutschland. Rund 20.000 Passagiere waren insgesamt betroffen, wie Vertreter des Flughafens und der dĂ€nischen Flugsicherheit auf der Pressekonferenz sagten. Am (heutigen) Dienstag wird demnach mit weiteren VerspĂ€tungen bei AbflĂŒgen und Landungen gerechnet.

Turbulente Tage fĂŒr europĂ€ischen Luftverkehr

Damit kommt der europĂ€ische Flugverkehr weiter nicht zur Ruhe: Erst am Wochenende hatte ein Cyberangriff auf einen IT-Dienstleister zu BeeintrĂ€chtigungen an mehreren FlughĂ€fen gefĂŒhrt. Darunter waren die FlughĂ€fen Berlin, BrĂŒssel, London Heathrow und Dublin. Die Probleme hielten am Montag teilweise noch an.

Die FlughĂ€fen Kopenhagen-Kastrup und Oslo-Gardermoen zĂ€hlen neben Stockholm-Arlanda zu den grĂ¶ĂŸten Airports Skandinaviens. Aus der bei Touristen ĂŒberaus beliebten dĂ€nischen Hauptstadt fliegen tĂ€glich auch zahlreiche Passagiermaschinen in deutsche StĂ€dte.

@ dpa.de