Selenskyj spricht wieder mit EuropĂ€ern ĂŒber Friedensplan
07.12.2025 - 12:33:42Der britische Premierminister Keir Starmer lĂ€dt fĂŒr Montag nach London ein, wie die Nachrichtenagentur PA meldete. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird nach Angaben eines Sprechers an dem Treffen teilnehmen, ebenso Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron.
Macron bestĂ€tigte das Treffen am Samstagabend auf der Plattform X nach einem GesprĂ€ch mit Selenskyj. "Die EuropĂ€er werden notwendigerweise eine tragende SĂ€ule der gerechten und dauerhaften Lösung sein, die wir gemeinsam aufbauen", schrieb er. Ungeachtet der jĂŒngsten Friedensinitiativen attackierte Russland auch in der Nacht zu Sonntag die Ukraine.
Bekommt die Ukraine Sicherheitsgarantien?
Zum Ende von drei Tagen amerikanisch-ukrainischer Verhandlungen in Florida schaltete sich Selenskyj nach eigenen Angaben am Samstag telefonisch dazu. Er nannte die Schaltkonferenz konzentriert und konstruktiv. "Wir (...) sind Eckpunkte durchgegangen, die ein Ende des BlutvergieĂens sicherstellen können und die Gefahr einer neuen russischen Invasion eliminieren und das Risiko, dass Russland seine Versprechen nicht einhĂ€lt, wie es in der Vergangenheit mehrmals passiert ist", schrieb Selenskyj auf X. Dies klingt nach Sicherheitsgarantien fĂŒr sein von Russland mit Krieg ĂŒberzogenes Land; Details nannte er aber nicht.
Das US-Nachrichtenportal "Axios" und der US-Sender ABC News berichteten, bei einem zweistĂŒndigen Telefonat Selenskyjs mit den Beratern von US-PrĂ€sident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, sei es um Territorialfragen und Sicherheitsgarantien der USA fĂŒr die Ukraine gegangen. Eine Quelle von "Axios" sagte demnach, bei den Sicherheitsgarantien hĂ€tten die Parteien erhebliche Fortschritte erzielt und stĂŒnden kurz vor einer Einigung. Aber es seien noch weitere Anstrengungen erforderlich, damit beide Seiten den Entwurf der Sicherheitsgarantie Ă€hnlich interpretierten.
Die Diskussion ĂŒber Territorialfragen sei schwierig gewesen, sagte eine mit dem GesprĂ€ch vertraute Quelle "Axios". Da Russland darauf beharre, dass sich die Ukraine aus Teilen des von ihr kontrollierten Donbass zurĂŒckziehen mĂŒsse, versuchten die USA neue Ideen zu entwickeln, um eine BrĂŒcke in dieser Frage zu schlagen, sagte eine zweite Quelle.
In Florida hatten seit Donnerstag der Sondergesandte von US-PrĂ€sident Donald Trump, Witkoff, und Trumps Schwiegersohn Kushner mit den Ukrainern gesprochen. Von Kiewer Seite fĂŒhrten Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow und Generalstabschef Andrij Hnatow die Verhandlungen. Vorher hatten Witkoff und Kushner in Moskau fĂŒnf Stunden lang mit Kremlchef Wladimir Putin gesprochen.
Misstrauen gegen US-UnterhÀndler
Wie sich der vor etwa drei Wochen publik gewordene US-Friedensplan mit ursprĂŒnglich 28 Punkten seitdem gewandelt hat, ist öffentlich nicht bekannt. Die Ukraine und die europĂ€ischen Staaten begegneten ihm mit scharfer Kritik, weil er Moskau weit entgegenkam und teilweise auch dort geschrieben zu sein schien. In mehreren GesprĂ€chsrunden wurden Ănderungen angebracht.
Auf Misstrauen stieĂ auch das UnterhĂ€ndler-Duo Witkoff und Kushner. Sie haben keine diplomatische Erfahrung, kennen Russland und die Ukraine nicht und gehören zu dem FlĂŒgel in der US-Administration, der vor allem amerikanische GeschĂ€ftsinteressen vorantreibt. Einen Beleg fĂŒr dieses Misstrauen lieferte ein an den "Spiegel" durchgestochenen Telefonprotokoll der EuropĂ€er, auch wenn deren Regierungen den Inhalt nicht kommentierten.
Keine Kritik der Ukrainer an Verhandlungen
Allerdings haben Umjerow und Hnatow drei Tage lang mit den Amerikanern verhandelt, und es wurde keine Kritik laut. Die Ukraine werde weiter vertrauensvoll mit der US-Seite kooperieren, die ernsthaft einen Frieden zu erreichen versuche, erklÀrte auch Selenskyj. Als nÀchsten Schritt erwarte er seine UnterhÀndler zum persönlichen Bericht.
Witkoff und das US-AuĂenministerium teilten am Freitagabend (US-Ortszeit) mit, dass sich die USA und die Ukraine ĂŒber den Rahmen einer kĂŒnftigen Sicherheitsstruktur und FĂ€higkeiten zur Abschreckung einig seien. Ein Ende des Krieges hĂ€nge vor allem davon ab, ob Moskau ein "ernsthaftes Engagement fĂŒr einen langfristigen Frieden" zeige.
Die Invasion Russlands in das Nachbarland dauert schon fast vier Jahre. Putin besteht auf harten Forderungen an die Ukraine, die auf Gebietsabtretungen und letztlich eine Kapitulation Kiews hinauslaufen.
Russland attackiert Ukraine weiter
Ungeachtet der GesprĂ€che ĂŒber eine Friedenslösung ĂŒberzog Russland die Ukraine auch in der Nacht zu Sonntag mit massiven Angriffen aus der Luft. Die zentralukrainische GroĂstadt Krementschuk in der Region Poltawa wurde laut Angaben der ukrainischen Luftwaffe von Dutzenden Drohnen und Hyperschallraketen vom Typ Kinschal attackiert, wie unter anderem die Nachrichtenagentur RBK-Ukraine meldete.
In der Stadt seien Explosionen zu hören gewesen. Einwohner berichteten von Unterbrechungen bei der Strom- und Heizungsversorgung. Ăber Opfer und das AusmaĂ der SchĂ€den gab es zunĂ€chst keine Angaben. UnabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen lieĂen sich die Angaben zunĂ€chst nicht.
Bereits in der Nacht auf Samstag hatte ein massiver russischer Luftangriff erneut das Energienetz der Ukraine getroffen, aber auch den Bahnhof von Fastiw bei Kiew zerstörte. In mehreren Regionen wurden Verletzte und Notabschaltungen des Stroms gemeldet. Wegen des zerstörten Stromnetzes mĂŒssten die Menschen in vielen Regionen der Ukraine 12 bis 16 Stunden tĂ€glich ohne Strom auskommen, wie der Chef des Versorgers Ukrenerho, Witalyj Sajtschenko, im Fernsehen sagte.
PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau erneut vor, die ukrainische zivile Infrastruktur zu attackieren. Ausgehend von der ZĂ€hlung des US-Instituts CSIS dĂŒrfte es mit 653 Drohnen und 51 Raketen und Marschflugkörpern der bislang drittschwerste Luftangriff des Kriegs gewesen sein.
Ihrerseits attackierte die Ukraine wieder russische Raffinerien mit Drohnen. Durch eine Explosion fiel in Teilen der grenznahen russischen GroĂstadt Belgorod am Samstagabend der Strom aus. Ein Geschoss unbekannter Herkunft habe den Ausfall verursacht, schrieb der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, auf Telegram. Auch auĂerhalb der Stadt gebe es Probleme mit der Stromversorgung. Ein örtlicher Telegramkanal berichtete, wahrscheinlich sei eine fehlgeleitete russische Gleitbombe an einem Umspannwerk eingeschlagen.

