Frankfurt-News, Zinssenkungen

Börse Frankfurt-News: Zinssenkungen kein Turbo, aber hilfreich (Wochenausblick)

16.09.2024 - 10:55:46

Nach sehr schwachem Start in den "Angstmonat" September sieht es seit vergangenem Donnerstag besser aus.

Auch fĂŒr die dritte September-Woche herrscht Zuversicht. Höhepunkt: die US-Notenbanksitzung am Mittwoch.

16. September 2024. Es geht weiter mit den Notenbanksitzungen: Am Mittwoch wird die US-Notenbank aller Voraussicht die Leitzinsen senken - das erste Mal seit fĂŒnf Jahren. Spekuliert wird nur noch darĂŒber, ob es ein großer oder kleiner Schritt sein wird, also 0,25 oder gleich 0,50 Prozent. Auch die Bank of England und die Bank of Japan tagen diese Woche. Vergangene Woche hatte die EZB die Leitzinsen gesenkt.

Der DAX steht am Montagmorgen bei 18.640 Punkten, allerdings leicht im Minus nach 18.699 ZĂ€hlern am Freitag zu Handelsschluss. Die Vorgaben aus den USA sind eigentlich gut. Sowohl S&P 500 und Dow Jones als auch Nasdaq hatten am Freitag mit circa 4 und 6 Prozent deutlich zugelegt.

"Die positivere Stimmung an den AktienmĂ€rkten könnte anhalten", meint Thorsten Weinelt von der Commerzbank. Statistisch gesehen habe die Zinswende dem Leitmarkt USA hĂ€ufiger neuen Schwung verliehen - aber nur bei Ausbleiben einer Rezession. Allerdings stĂŒnden saisonal eher schwĂ€chere Wochen bevor, die von Gewinnwarnungen von Unternehmen durchzogen sein könnten. "Dies dĂŒrfte neue Allzeithochs kurzfristig erschweren", meint Weinelt. Zudem bringe der große Verfalltag am Freitag Potenzial fĂŒr VolatilitĂ€t.

"Schmaler Grat zwischen Zinssenkungshoffnungen und WachstumsÀngsten"

"Auch wenn die Minuszeichen im Angstmonat September noch nicht ganz verschwunden sind, wurden sie zumindest kleiner", bemerkt Markus Reinwand von der Helaba. Aktien wandelten weiterhin auf einem schmalen Grat zwischen Zinssenkungshoffnungen und WachstumsĂ€ngsten. "Weltweit ĂŒberraschen die Konjunkturdaten noch immer mehrheitlich negativ und fĂŒhren zu Wachstumssorgen oder gar RezessionsĂ€ngsten", erklĂ€rt er. Allerdings lasse der Anteil negativer KonjunkturĂŒberraschungen inzwischen nach. Zudem lĂ€gen die Inflationsdaten in der Summe noch leicht unter den Erwartungen. Damit bleibe die Zinssenkungsfantasie erhalten und stĂŒtzte die AktienmĂ€rkte. "Zinssenkungen sind zwar kein Turbo fĂŒr den Aktienmarkt, helfen aber in einem ansonsten schwierigen Umfeld."

"SchwÀche bis Ende September"

"Die teilweise kolportierten Trendwendeaussagen oder gar Panikerwartungen haben sich nicht bestĂ€tigt", kommentiert Charttechniker Christof Geyer und spricht von einer "Korrekturbewegung im bestehenden AufwĂ€rtstrend". Er warnt aber vor Sorglosigkeit. Auch wenn die Indikatoren bereits Kaufsignale generiert hĂ€tten, werde die aktuelle Bewegung wohl nicht viel weiter als bis an die Widerstandszone fĂŒhren. "Die SaisonalitĂ€ten zeigen nĂ€mlich noch bis Ende September eine SchwĂ€che an", betont Geyer. Die Zeit bis dahin könne genutzt werden, um QualitĂ€tswerte gĂŒnstig einzusammeln. "Der Zeitraum ab Anfang Oktober dĂŒrfte turbulent werden, die typische Jahresendrally beginnt nĂ€mlich bereits Anfang Oktober."

Goldpreis steigt und steigt

AuffĂ€llig sind die immer neuen Hochs fĂŒr Gold, zuletzt 2.589 US-Dollar. Seit Jahresanfang ergibt das ein Plus von 25 Prozent. Die DZ Bank hat ihre Goldpreisprognose angehoben. FĂŒr die immer neuen Hochs sei unter anderem die erhöhte Nachfrage vonseiten der Zentralbanken verantwortlich. DarĂŒber hinaus profitiere Gold als nicht verzinstes Anlagevehikel von den Aussichten auf fallende Leitzinsen und Anleiherenditen. "Langfristig dĂŒrfte der Goldpreis die Marke von 2.800 US-Dollar erreichen", erklĂ€rt Analyst Thomas Kulp.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine der Woche

Montag, 16. September

China, Japan, SĂŒdkorea: Börsen bleibt feiertagsbedingt geschlossen.

Dienstag, 17. September

11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Konjunkturindex September. Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland ist eine einzige EnttĂ€uschung, erklĂ€rt die DekaBank. Entsprechend werde sich die ZEW-LageeinschĂ€tzung wohl weiter eintrĂŒben. Die Erwartungen wĂŒrden hingegen wohl auf dem verringerten Niveau stabil bleiben.

14.30 Uhr. USA: EinzelhandelsumsÀtze August.

15.15 Uhr. USA: Industrieproduktion August.

Mittwoch, 18. September

20.00 Uhr. USA: Zinsentscheid US-Notenbank. Analysten und Marktteilnehmer erwarten eine Zinssenkung, stellt die Deutsche Bank fest. Ob diese 0,25 oder 0,5 Prozentpunkte betragen werde, sei mit Blick auf die TerminmÀrkte aber noch nicht sicher. Inflations- und Arbeitsmarktdaten deuteten jedoch eher auf 0,25 Prozentpunkte hin.

Donnerstag, 19. September

13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheid der Bank of England. Nach der ersten Leitzinssenkung im August wird die Bank of England der DekaBank zufolge nun den Leitzins unverĂ€ndert lassen. Sie werde aber möglicherweise schon den nĂ€chsten Zinsschritt fĂŒr November kommunikativ vorbereiten.

Freitag, 20. September

Großer Verfallstag von Optionen und Futures. An der Terminbörse Eurex laufen Futures- und Optionskontrakte auf den DAX sowie Futures und Optionen auf einzelne Aktien aus und verfallen damit. Auch Kontrakte auf andere Indizes, internationale Aktien, Rohstoffe, WĂ€hrungen usw. verfallen. An diesem Tag kann es daher zu einem hohen Handelsvolumen und stark schwankenden Kursen der Wertpapiere kommen.

Japan: Zinsentscheid der Bank of Japan. Laut DekaBank gibt es kaum Zweifel, dass der nÀchste Zinsschritt der Bank of Japan eine Anhebung sein wird. Diesmal werde das Leitzinsniveau aber noch unverÀndert bei 0,25 Prozent bleiben.

Samstag, 21. September

9.00 bis 17.00 Uhr. Tagesseminar fĂŒr Frauen: An die Börse, fertig, los! Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge (online).

Von Anna-Maria Borse, 16. September 2024, © Deutsche Börse AG

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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