NASDAQ, Geopolitik

NASDAQ 100: Geopolitik bremst KI-Euphorie

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 19:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der Nasdaq 100 fällt vorbörslich um 1,1 Prozent, da der Iran-Konflikt die KI-Euphorie überlagert und die Berichtssaison gemischte Signale sendet.

Geopolitische Spannungen belasten den technologielastigen Nasdaq 100
Abstrakte Darstellung geopolitischer Spannungen, die sich auf den Technologiesektor und die KI-Euphorie auswirken, mit roten und blauen Linien über Schaltkreisen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ausgerechnet mitten in einer starken US-Berichtssaison gerät der Nasdaq 100 unter Druck. Der Grund liegt diesmal nicht in enttäuschenden Zahlen, sondern tausende Kilometer entfernt: im Nahen Osten. Eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt scheint gerade in weite Ferne zu rücken — und das spürt der technologielastige Index deutlich.

Rund eine Stunde vor Handelsbeginn am Donnerstag taxierte der Broker IG den Nasdaq 100 rund 1,1 Prozent tiefer bei 29.189 Punkten. Damit würde der Index seine Verluste vom Vortag noch einmal ausweiten. Am Mittwoch war er bereits 0,3 Prozent leichter bei 29.503 Punkten aus dem Handel gegangen, während Dow Jones und S&P 500 im Plus schlossen.

Neue Eskalation im Nahen Osten belastet

Das US-Militär hat am Mittwoch gleich zwei Angriffswellen gegen den Iran gefahren und zusätzlich ein Schiff attackiert, das die Blockade iranischer Häfen unterlaufen haben soll. Informierten Kreisen zufolge hat der Iran zudem die jemenitische Huthi-Bewegung um Unterstützung gebeten, um im Ernstfall die Ölroute durchs Rote Meer zu sperren. Für einen ohnehin nervösen Markt ist das ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor, der die sonst dominierende KI-Fantasie in den Hintergrund drängt.

Hinzu kommt eine grundsätzlichere Frage, die Anleger derzeit umtreibt: Rechtfertigen die Unternehmensgewinne tatsächlich die jüngsten Fortschritte im KI-Bereich? Die aktuelle Berichtssaison liefert dazu ein gemischtes Bild. UnitedHealth legte nach einem schwierigen Jahr 2025 überraschend gute Zahlen vor und hob die Jahresziele erneut an, was die Aktie vorbörslich zweistellig antrieb. United Airlines und GE Aerospace enttäuschten dagegen trotz teils angehobener Prognosen die Erwartungen und gaben jeweils rund drei Prozent nach. Selbst TSMC, das Investitionsziel und Umsatzprognose erhöht hatte, verlor an der US-Börse über vier Prozent — nach der starken Rally der vergangenen Monate reichten offenbar selbst gute Nachrichten nicht mehr aus.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Auch technisch tut sich der Index schwer. Am 200-Tage-Durchschnitt im Stundenchart, bei rund 29.514 Punkten, scheiterte der Nasdaq 100 zuletzt wiederholt. Ein bestätigter Ausbruch über 29.787 Punkte könnte den Weg in Richtung 30.000 Punkte öffnen. Rutscht der Index dagegen nachhaltig unter die wichtigen gleitenden Durchschnitte zurück, rücken Unterstützungen um 29.120 sowie 28.825 Punkte in den Fokus.

Auf der Makroseite gibt es zumindest einen Lichtblick: Die jüngsten Erzeugerpreise bestätigten den Trend nachlassender Inflation in den USA, was der Notenbank mehr Spielraum für ihre Zinsentscheidungen verschafft. Ob das reicht, um die geopolitische Verunsicherung zu überlagern, dürfte sich am ehesten daran zeigen, wie der Index auf die 29.500-Punkte-Marke reagiert — dem Bereich, an dem sich zuletzt mehrfach die Richtung des Tages entschieden hat.

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