National Grid, GB00BDR05C01

National Grid Viking Link - Großes Kabelprojekt für mehr Nordsee-Strom

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 14:51 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

National Grid Viking Link soll ab Ende 2024 bis zu 1,4 Gigawatt Leistung zwischen Großbritannien und Dänemark übertragen. Wer National Grid PLC Aktien (ISIN GB00BDR05C01) hält, sollte dieses Produkt kennen.

National Grid, GB00BDR05C01, Illustration mit AI erstellt.
National Grid, GB00BDR05C01, Illustration mit AI erstellt.

National Grid Viking Link beginnt für Technikerinnen mit kalten Händen am Stahlseil, das über matschigen Boden in Richtung Baustelle gezogen wird, während im Hintergrund die 170 Meter hohen Masten der Nordsee-Trasse aufragen. Wie sich das dicke, grün markierte Hochspannungskabel anfühlt, beschreibt Projektleiterin Katie Jackson als „so schwer, dass es eher wie ein metallener Baumstamm wirkt“ – und doch ist es am Ende nur ein Teil eines gigantischen Netzausbaus zwischen Großbritannien und Dänemark.

Was Viking Link konkret leisten soll

Viking Link ist ein rund 1,4 Gigawatt starker Hochspannungs-Gleichstrom-Interkonnektor (HVDC) zwischen Bicker Fen in Lincolnshire in England und Revsing in Dänemark. Die Leitungslänge beträgt etwa 765 Kilometer, davon rund 620 Kilometer als Seekabel durch die Nordsee. Die Übertragungsspannung liegt bei 525 Kilovolt, ein typischer Wert für moderne HVDC-Exportkabel.

National Grid entwickelt das Projekt gemeinsam mit dem dänischen Übertragungsnetzbetreiber Energinet, beide halten je 50 Prozent. Die europäischen Energieregulatoren haben das Projekt als Vorhaben von gemeinsamem Interesse (Project of Common Interest, PCI) eingestuft, weil es die Integration von Windstrom aus der Nordsee erleichtern und den Stromaustausch zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa verbessern soll.

Technik: von der Kabelseele bis zur Konverterstation

Das Kabelsystem von Viking Link besteht aus einer Kupfer- oder Aluminiumleiterseele, einer XLPE-Isolierung (vernetztes Polyethylen) und mehreren Schutzschichten aus Metallen und Kunststoffen gegen mechanische Belastungen, Salzwasser und Korrosion. Hersteller wie Prysmian und NKT wurden mit der Produktion und Verlegung der Hochspannungskabel beauftragt. In der Praxis ziehen spezialisierte Kabellegeschiffe den Strang in langen Sektionen über die Nordsee und betten ihn in den Meeresboden ein.

An beiden Enden der Leitung stehen Konverterstationen, die Gleich- in Wechselstrom und umgekehrt umwandeln. Auf britischer Seite entsteht die Anlage nahe der bestehenden Umspannanlage Bicker Fen in Lincolnshire, auf dänischer Seite an der Station Revsing in Südjütland. Die Technologie basiert auf modernen „Voltage Source Converters“ (VSC), die schnelle Leistungsänderungen ermöglichen und damit Netzstabilität und Frequenzhaltung unterstützen.

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National Grid PLC und ihre Interkonnektoren

Wie stark Viking Link das Netzgeschäft von National Grid prägt, zeigt ein Blick auf Projekte und Kennzahlen im Themenprofil.

Warum der Nordsee-Interkonnektor strategisch wichtig ist

National Grid sieht Viking Link als Baustein, um die britische Versorgungssicherheit zu erhöhen und Preisspitzen im Strommarkt abzufedern. Über die Leitung kann Großbritannien bei hoher Windproduktion in Dänemark Strom importieren oder bei starker Einspeisung aus Offshore-Windparks in der Nordsee exportieren. Das verbessert die Auslastung der Anlagen und senkt potenziell die durchschnittlichen Großhandelspreise.

Darüber hinaus hilft die Verbindung, die Klimaziele der britischen Regierung zu unterstützen, weil mehr CO?-armer Strom zwischen den Märkten fließen kann. Je nach Marktlage und CO?-Preis kann Viking Link Kohle- oder Gaskraftwerke mit höheren Emissionen verdrängen. Die Betreiber rechnen mit einer Auslastung im Bereich anderer bestehender Interkonnektoren, die oft deutlich über 50 Prozent liegt.

Projektstatus, Kostenrahmen und Zeitplan

Die finale Investitionsentscheidung für Viking Link fiel bereits 2019, nachdem die britische Regulierungsbehörde Ofgem das Projekt genehmigt hatte. Das Investitionsvolumen liegt in der Größenordnung von umgerechnet mehreren Milliarden Euro, wobei National Grid und Energinet die Kosten teilen. Ein wesentlicher Teil entfällt auf die Seekabelsegmente sowie die beiden Konverterstationen.

Laut den veröffentlichten Projektunterlagen streben die Partner einen kommerziellen Betrieb ab Ende 2024 an. In der Bauphase wurden zunächst Landtrassen hergestellt, dann der Kabelzug im Meer gestartet. Bilder von der Baustelle zeigen Ingenieurinnen und Ingenieure in orangefarbenen Schutzanzügen, wie sie das Kabel über Rollen ins vorbereitete Kabelgrabenbett führen. Wetterfenster in der Nordsee und Umweltschutzauflagen bestimmen die Geschwindigkeit der Verlegearbeiten.

Regulierung und Erlösmechanik von Viking Link

Interkonnektoren wie Viking Link unterliegen in Großbritannien einer speziellen Regulierung, die sich vom klassischen regulierten Netzgeschäft unterscheidet. Die Betreiber erzielen Einnahmen aus Engpasserlösen, also aus Preisunterschieden zwischen den gekoppelten Strommärkten. Über Auktionen werden grenzüberschreitende Kapazitäten vergeben, und die resultierenden Erlöse fließen zu einem definierten Anteil an National Grid und Energinet.

Gleichzeitig existieren Vorgaben der Aufsichtsbehörden, die sicherstellen sollen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig von den Verbindungen profitieren. Dazu gehören Mechanismen zur Kostenteilung, zur Begrenzung von Renditen und zur Rückführung von Überschusserlösen in die Netzentgelte. Strategisch positioniert die Unternehmensführung um CEO John Pettigrew Viking Link als Teil eines Portfolios von Interkonnektoren, zu dem unter anderem auch Verbindungen nach Frankreich und Norwegen zählen.

Viking Link im Kontext der Energiewende

Die britische Regierung setzt stark auf Offshore-Windenergie, mit Ausbauzielen von mehreren zehn Gigawatt in den 2030er Jahren. Je stärker der Anteil variabler erneuerbarer Energien steigt, desto wichtiger werden flexible Möglichkeiten für Export und Import. Viking Link fungiert in diesem Bild als Ventil: Überschüsse aus britischen Windparks können nach Dänemark fließen, während in Flautezeiten skandinavische und kontinentaleuropäische Ressourcen einspringen.

Für Dänemark ergänzt das Projekt bestehende Verbindungen etwa nach Deutschland und Schweden. Energinet betont, dass durch Viking Link mehr dänischer Windstrom seinen Weg in Märkte mit höherem Bedarf findet. Das kann sowohl die Erlöse für Erzeuger verbessern als auch die Integration neuer Windparks erleichtern, weil Netzengpässe über die Grenze hinaus entschärft werden.

Beteiligte Partner und Lieferketten

National Grid und Energinet treten als gleichberechtigte Projektgesellschaft auf, während spezialisierte Anbieter wie Prysmian und NKT als Kabellieferanten und -installateure auftreten. Für die Konvertertechnik kommen große Elektrotechnikhersteller in Frage, die sich auf HVDC-Systeme konzentrieren. Die genaue Aufteilung der Aufträge wurde in mehreren Tranchen vergeben, um technisches Risiko und Lieferzeiten zu steuern.

Ein wichtiger Aspekt im Projektverlauf sind die lokalen Lieferketten. Für die Landkabel und die Baustellenarbeiten vergibt National Grid Verträge an Bauunternehmen in Lincolnshire, wodurch Arbeitsplätze in der Region entstehen. Ähnlich läuft es auf dänischer Seite im Umfeld der Konverterstation Revsing. Projektmanagerinnen berichten, dass vor Ort etwa Straßen verbreitert, Brücken verstärkt und Trassen durch landwirtschaftliche Flächen mit den Eigentümern abgestimmt wurden.

Auswirkungen auf Anwohner und Umwelt

Großprojekte wie Viking Link wirken sich deutlich auf Gemeinden entlang der Route aus. National Grid und Energinet mussten Umweltverträglichkeitsprüfungen durchführen, um Effekte auf Meereslebewesen, Fischerei und Küstenökosysteme zu bewerten. In vielen Bereichen wird das Kabel in den Meeresboden eingegraben, um Beeinträchtigungen zu minimieren und den Schutz vor Ankern und Schleppnetzen zu erhöhen.

An Land spielen Themen wie Lärm, Baulogistik, temporäre Sperrungen und Eingriffe in landwirtschaftliche Flächen eine Rolle. In der Projektkommunikation zeigen Visualisierungen, wie Baustellen nach Abschluss rekultiviert werden sollen, etwa durch Wiederherstellung von Feldern und Hecken. Anwohnerinnen und Anwohner konnten in Konsultationen Einwände einbringen und Anpassungen an der Trassenführung anregen.

Finanzielle Bedeutung für National Grid

Für National Grid zählt Viking Link zur Gruppe von wachstumsstarken Interkonnektor-Investitionen, die zusätzliche Ertragsquellen neben dem klassischen, stark regulierten Netzgeschäft eröffnen. Gerade nach der Neuausrichtung auf das britische Übertragungsnetz und die stärker fokussierte Strategie im Heimatmarkt gewinnen solche Projekte an Gewicht. Über viele Jahre wird der Interkonnektor laufende Einnahmen aus grenzüberschreitendem Stromhandel generieren.

In den Investor-Relations-Unterlagen stellt National Grid Interkonnektoren regelmäßig als Teil der langfristigen Kapitalallokation vor. Dabei betont das Management, dass Projekte wie Viking Link nicht nur finanziellen Wert schaffen, sondern auch die Rolle des Unternehmens als Infrastrukturanbieter für die Dekarbonisierung stärken. Für Privatanlegerinnen und Privatanleger, die sich mit der National Grid Aktie beschäftigen, sind Umfang und Risiken solcher Projekte wichtige Bausteine in der Fundamentalanalyse.

Einordnung für Privatanleger und Rolle der Aktie

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt Viking Link ein unsichtbares Produkt: Niemand sieht das Kabel im Alltag, aber seine Wirkung als Brücke für Strompreise und Versorgungssicherheit kann sich über Jahre auswirken. Für National Grid ist das Projekt Teil eines größeren Netzausbaus, der auf eine stärker vernetzte, erneuerbare Energiewelt zielt. Technische Kennzahlen wie 1,4 Gigawatt Übertragungsleistung und 525 Kilovolt Spannung sind eher etwas für Ingenieure – für Anleger sind dagegen Themen wie Investitionsvolumen, Regulierung und Erlöslage entscheidend.

Die National Grid Aktie (ISIN GB00BDR05C01) wird an der London Stock Exchange in Pfund Sterling gehandelt und spiegelt die Erwartungen des Marktes an Projekte wie Viking Link sowie das übrige Netzgeschäft des Konzerns wider.

Kompakte Fakten zu National Grid Viking Link

  • Produkt: National Grid Viking Link
  • Hersteller: National Grid PLC
  • Kategorie: B2B-Infrastruktur (Interkonnektor)
  • Markteinführung: geplanter kommerzieller Betrieb ab Ende 2024
  • UVP / Preis: Investitionsvolumen im Milliardenbereich (britische Pfund)
  • Verfügbarkeit: nach Fertigstellung für den Stromhandel zwischen Großbritannien und Dänemark nutzbar
  • Zielgruppe: Übertragungsnetzbetreiber, Stromhändler, Energiemärkte
  • Besonderheit / USP: bis zu 1,4 Gigawatt Übertragungsleistung über rund 765 Kilometer Nordsee-Kabel

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