National Grid Viking Link von National Grid - Stromkabel verbindet UK und Kontinent
Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 17:16 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWSVerantwortlich: Nora Steinfeld, ad hoc news Fachredaktion Zubehoer & Komponenten. Geprueft am 01.07.2026, 17:15 Uhr. Details im Impressum.
National Grid Viking Link rauscht unsichtbar unter Nordseewellen entlang, während Ingenieurin Sarah Thompson auf einer Leitwarte im englischen Lincolnshire konzentriert auf die Echtzeitdaten blickt. Das grünliche Flimmern der Monitore spiegelt sich in ihren Sicherheitsbrillen. Ein Klick, und zusätzliche Hundert Megawatt Windstrom fließen über das Kabel nach Großbritannien.
Was Viking Link konkret leistet
Viking Link ist eine Hochspannungs-Gleichstromverbindung (HVDC) zwischen Großbritannien und Dänemark mit einer Länge von rund 765 Kilometern und einer Übertragungskapazität von 1.400 Megawatt. Die Leitung verbindet das britische Netz im Bicker Fen Converter Station in Lincolnshire mit dem dänischen Netz in Revsing über Seekabel und Landkabel.
National Grid betreibt das Projekt über seine Tochter National Grid Ventures gemeinsam mit dem dänischen Übertragungsnetzbetreiber Energinet, was im Joint-Venture-Vertrag fixiert ist. Die Verbindung ist darauf ausgelegt, Strom in beide Richtungen zu übertragen und flexibel auf Preis- und Lastsignale in den beiden Märkten zu reagieren.
Bau, Technik und Inbetriebnahme
Der Bau von Viking Link startete nach der finalen Investitionsentscheidung im Jahr 2018 und erstreckte sich über mehrere Jahre, in denen Spezialschiffe das Seekabel segmentweise verlegten. Die kommerzielle Inbetriebnahme erfolgte Ende 2023, nachdem umfassende Tests der Konverterstationen und der Schutzsysteme abgeschlossen waren.
Die Verbindung nutzt eine bipolare HVDC-Technologie mit ±525 Kilovolt, die von dem Hersteller Hitachi Energy bereitgestellt wurde und auf moderne Stromrichterventile setzt. Über diese Technik kann National Grid große Energiemengen über hunderte Kilometer effizient transportieren und die Netzfrequenz in den angeschlossenen Wechselstromnetzen stabil halten.
National Grid PLC und Interkonnektoren im Europa-Strommarkt
Weitere Hintergründe zur Rolle von National Grid PLC im Netzverbund und zur Entwicklung der Aktie findest du im Themenbereich sowie direkt im Investor-Relations-Bereich des Unternehmens.
Beitrag zur Nutzung von Windstrom
Für National Grid ist Viking Link ein zentraler Baustein, um den wachsenden Anteil von Offshore-Windenergie in der britischen Stromversorgung besser zu integrieren. Wenn in der Nordsee und vor der dänischen Küste starke Winde wehen, kann überschüssige Produktion über Viking Link exportiert oder aus Dänemark importiert werden, sobald die britische Nachfrage steigt.
Der dänische Netzbetreiber Energinet betont auf seiner Projektseite, dass die Verbindung jährlich bis zu mehreren Terawattstunden erneuerbare Energie effizienter nutzbar machen soll, indem sie die Stromflüsse zwischen zwei stark winddominierten Märkten glättet. Damit hilft Viking Link, die Kosten für Engpassmanagement und Abregelung von Windparks zu senken und CO?-intensive Spitzenlastkraftwerke weniger häufig zu starten.
Markteinflüsse und Regulierung
National Grid erzielt mit Viking Link Erlöse aus grenzüberschreitender Kapazität, die im Rahmen von Auktionen an Marktteilnehmer vergeben wird, etwa im Rahmen der europäischen Plattformen für Strommarktkopplung. Die Großhandelsstrompreise in den angebundenen Märkten gleichen sich durch solche Interkonnektoren stärker an, was sowohl für britische als auch kontinentale Stromhändler neue Arbitragemöglichkeiten schafft.
Die britische Regulierungsbehörde Ofgem hatte das Projekt früh geprüft und ihm eine sogenannte „cap and floor“-Regulierungsstruktur zugewiesen, die die Renditen begrenzt und gleichzeitig Mindestumsätze absichert. Für Privatanleger, die die National Grid Aktie beobachten, ist diese Struktur relevant, weil sie die planbare Ertragsbasis der Interkonnektoren erhöht und Risiken begrenzt.
Technische Details im Kabel und an Land
Das Seekabel von Viking Link besteht aus mehreren Abschnitten, die in der Nordsee auf dem Meeresboden verlegt wurden und durch Stahlarmierungen mechanisch geschützt sind. In flacheren Küstenbereichen wurden die Kabel zusätzlich in den Untergrund eingepflügt, um sie vor Ankerzügen und Fischereigeräten zu schützen.
Die Landkabel in Großbritannien laufen über einen rund 67 Kilometer langen Trassenkorridor zwischen der Küste bei Anderby Creek und der Bicker Fen Converter Station. Projektleiter Mark Evans beschrieb in einem Bau-Update, wie Teams mit Baggern und Kabelzugmaschinen über Felder und entlang von Straßenrändern arbeiteten, stets begleitet von Bodenfachleuten, um den Eingriff für Anwohner und Umwelt möglichst klein zu halten.
Einbindung ins Netz von National Grid
Im Systembetrieb integriert National Grid Viking Link in das Übertragungssystem, indem die Konverterstation Bicker Fen wie ein großes regelbares Kraftwerk behandelt wird. Stromrichter regeln, wie viel Leistung in das britische 400-Kilovolt-Netz eingespeist oder entnommen wird, und koordinieren sich mit anderen Interkonnektoren wie Nemo Link und IFA2.
Netzoperatorinnen und -operatoren im National Grid Kontrollraum in Warwick überwachen Lastflüsse, Frequenzabweichungen und die Verfügbarkeit von Erzeugungs- und Importkapazitäten. Wenn eine starke Windphase auf eine hohe Nachfrage trifft, kann Viking Link im Minutenbereich hochgefahren werden, um zusätzlich Strom aus Dänemark zu importieren und so konventionelle Kraftwerke zu entlasten.
Ökologische und lokale Auswirkungen
National Grid verweist in seinen Umweltberichten darauf, dass Viking Link Teil seiner Strategie zur Reduktion der eigenen Treibhausgasemissionen und zur Unterstützung der nationalen Dekarbonisierungsziele ist. Durch den Zugang zu mehr erneuerbarer Energie aus Skandinavien und dem Nordseeraum sinkt der Bedarf an fossiler Erzeugung in Spitzenzeiten.
Vor Ort in Lincolnshire waren während der Bauphase zahlreiche Stakeholder eingebunden, darunter Landbesitzer, Gemeinden und lokale Behörden. Anne Watkins aus der Kommunalverwaltung berichtete, dass Informationsveranstaltungen in Gemeindezentren mit Schautafeln zu Trassenvarianten und Kabeldesign stattfanden, bei denen Bürgerinnen und Bürger direkt Fragen stellen und Bedenken äußern konnten.
Projektkosten und Finanzierung
Der Projektumfang von Viking Link liegt nach Angaben der beteiligten Unternehmen im Milliardenbereich in britischen Pfund, wobei die Investitionskosten zwischen National Grid und Energinet anteilig aufgeteilt werden. Die genaue Kostenstruktur wird über langfristige Netzentgelte und die Auktion von Übertragungskapazität über die Lebensdauer der Verbindung refinanziert.
In den Berichten von National Grid PLC werden Interkonnektoren wie Viking Link als eigenständige Geschäftssegmente betrachtet, die neben dem klassischen Übertragungsnetzgeschäft zusätzliche Cashflows generieren. Für die Bilanz sind solche Projekte relevant, weil sie gleichzeitig hohe Anfangsinvestitionen und vergleichsweise stabile, regulierte Erträge mitbringen.
Viking Link im Portfolio von National Grid
Viking Link ergänzt andere bestehende Interkonnektoren von National Grid, etwa Nemo Link zwischen Großbritannien und Belgien oder die Verbindung IFA2 nach Frankreich. Gemeinsam erhöhen diese Leitungen die britische Import- und Exportkapazität und machen das System widerstandsfähiger gegen regionale Engpässe.
CEO John Pettigrew hebt in Interviews regelmäßig die Rolle solcher Interkonnektoren hervor, wenn er die strategische Ausrichtung von National Grid auf ein vernetztes europäisches Energiesystem erklärt. Für Anlegerinnen und Anleger, die sich weniger für einzelne Kraftwerke als für übergreifende Infrastruktur interessieren, sind diese Kabel daher zentrale Produkte im Unternehmensportfolio.
Kontext und Bedeutung für die National Grid Aktie
Viking Link zeigt, wie National Grid PLC sein Geschäftsmodell über klassische Stromleitungen hinaus erweitert und sich als Betreiber internationaler Energieinfrastruktur positioniert. Das Projekt steht stellvertretend für den Trend zu stärker integrierten europäischen Strommärkten, in denen Interkonnektoren die Verteilung erneuerbarer Energie erleichtern und neue Handelsmöglichkeiten eröffnen.
Die National Grid Aktie (ISIN GB00BDR05C01) ist an der London Stock Exchange in Pfund notiert und spiegelt als Infrastrukturwert auch die langfristigen Ertragserwartungen aus Interkonnektoren wie Viking Link wider.
Kernfakten zu Viking Link
- Produkt: National Grid Viking Link
- Hersteller: National Grid PLC
- Kategorie: Zubehoer & Komponenten (Stromnetz-Interkonnektor)
- Markteinfuehrung: kommerzieller Betrieb seit Ende 2023
- UVP / Preis: Investitionsvolumen im Milliardenbereich (GBP)
- Verfuegbarkeit: als Netzinfrastruktur im Betrieb zwischen UK und Dänemark
- Zielgruppe: Übertragungsnetzbetreiber, Stromhändler, Energiemarktteilnehmer
- Besonderheit / USP: 765 km HVDC-Verbindung mit 1.400 MW Kapazität zur besseren Nutzung von Windstrom
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