Wassermassen, Bahnchaos und ein Tornadoverdacht
22.12.2023 - 17:22:26und 8. Absatz)
HAMBURG (dpa-AFX) - Das Sturmtief "Zoltan" ist weitgehend abgezogen, nachdem es im Norden Deutschlands am Freitagvormittag auf den StraĂen und Schienen fĂŒr viel Unordnung sorgte. Vor allem Bahnreisende mussten deshalb viel Geduld mitbringen, einige FĂ€hren im Norden fuhren nicht, und die U-Bahnen in Hamburg waren langsamer unterwegs. In Niedersachsen kam es zu GlĂ€tteunfĂ€llen auf den StraĂen, in Köln prĂŒft der Deutsche Wetterdienst (DWD) einen Tornadoverdacht. TodesfĂ€lle durch den Sturm gab es in den Niederlanden und Belgien. Die schwere Sturmflut ĂŒberschritt in Hamburg am spĂ€ten Vormittag ihren Höchststand.
Wetterdienst prĂŒft Verdacht auf Tornado in Köln
Der DWD prĂŒft, ob es im Kölner Stadtteil Poll einen Tornado gab, wie eine Sprecherin am Freitag mitteilte. Die PrĂŒfung sei noch nicht abgeschlossen, betonte sie. Es gebe vorerst keine BestĂ€tigung.
In dem Stadtteil war es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zu schweren UnwetterschÀden gekommen. Mehrere Medien meldeten, dass Anwohner von einer Windhose berichtet hÀtten, die durch den Stadtteil gezogen sei. Die Wetterseite "Tornadoliste.de" stufte die Geschehnisse zunÀchst als "Verdacht" ein.
In Hamburg gab die Polizei schon wenige Stunden nach dem Erreichen des Scheitelpunktes Entwarnung. Die Innenbehörde zeigte sich nach der schweren Sturmflut zufrieden: "Wir waren sehr gut vorbereitet und haben die Lage sehr gut gemeistert", sagte ein Sprecher dazu.
Die Hamburger Feuerwehr sprach am Morgen von 170 sturm- und wasserbedingten EinsÀtzen ohne Verletzte. Auch in Schleswig-Holstein hatten Polizei und Feuerwehr alle HÀnde voll zu tun. Sie wurden zu mehr als 670 EinsÀtzen wegen des Sturmtiefs gerufen.
Geduldsprobe fĂŒr Bahnreisende
Enorme Auswirkungen des Sturms zeigten sich im Zugverkehr. Viele Reisende kamen nicht vom Fleck, an den Anzeigetafeln in den Bahnhöfen wurden unzÀhlige ZugausfÀlle aufgelistet. Der Fern- und Nahverkehr war bundesweit beeintrÀchtigt - der Schwerpunkt lag dabei jedoch im Norden.
Von hier aus fuhren am Vormittag zunĂ€chst keine SchnellzĂŒge in StĂ€dte wie Hannover, Kassel, Frankfurt, Stuttgart, Basel und MĂŒnchen. Am Nachmittag entspannte sich die Lage ein wenig, Sperrungen konnten weitgehend aufgehoben werden. "Mittlerweile verkehren ZĂŒge des Fernverkehrs auf der wichtigen Nord-SĂŒd-Strecke zwischen Hannover und Frankfurt und bringen damit eine wichtige Entlastung in die vorweihnachtlichen Verkehre", teilte die Bahn am Nachmittag mit. Auch der Regionalverkehr normalisierte sich demnach.
FĂŒr das Wochenende rechnet die Bahn mit einer starken Auslastung der ZĂŒge - zu dem ohnehin starken Weihnachtsverkehr kĂ€men nun Reisende hinzu, die ihre Anreise wegen des Sturms in das Wochenende verlegen mussten: "Es wird sicherlich voll", sagte eine Bahn-Sprecherin. Erschwerend kommt hinzu, dass sich laut Bahn weitere EinschrĂ€nkungen abzeichnen: "Es zeichnet sich ab, dass die Schadensbehebung auf vereinzelten Strecken lĂ€nger dauert", hieĂ es in der Mitteilung der Bahn. Auf der Strecke Mannheim-Frankfurt habe es zudem einen schweren Fall von Buntmetalldiebstahl gegeben.
Fischauktionshalle in Hamburg vollstĂ€ndig umspĂŒlt
Das Wasser der Elbe drĂŒckte die schwere Sturmflut an Land und ĂŒberspĂŒlte dabei den Hamburger Fischmarkt und die umliegenden StraĂen komplett. Das Wasser stand teils hĂŒfthoch. Da nicht alle Autos rechtzeitig weggefahren wurden, wurden auch sie ĂŒberspĂŒlt. In der Nacht waren die EinsatzkrĂ€fte von Feuerwehr und Polizei in der Region unterwegs, um in den noch abgestellten Fahrzeugen im Ăberschwemmungsgebiet nach Menschen zu suchen.
Aufgrund der Vorhersage fĂŒr eine schwere Sturmflut hatte die Hamburger Innenbehörde einen zentralen Katastrophenstab eingerichtet. Am Morgen wurde mit Sirenen entlang der Elbe sowie Nachrichten ĂŒber die Warn-Apps und in den sozialen Medien vor der Sturmflut gewarnt.
FĂŒr Schaulustige gab es entlang des Elbufers in Hamburg auf jeden Fall viel zu beobachten - bei durchaus auch sonnigen Momenten. Denn "Zoltan" hatte im Norden eine wilde Wettermischung aus Sturm, blauem Himmel mit Sonnenschein, Graupelschauern und Dauerregen zu bieten.
Hunderte Hamburger und Touristen haben die schwere Sturmflut an der Elbe zu einem vorweihnachtlichen Ausflug an den Fischmarkt genutzt. Entlang der Promenade unterhalb der St.-Pauli-Hafentreppe beobachteten sie, wie noch letzte Autos von den bereits ĂŒberspĂŒlten ParkflĂ€chen an der Uferkante gefahren oder geschleppt wurden.
Die Fischauktionshalle war vollstĂ€ndig von den Fluten umspĂŒlt. In der GroĂen ElbstraĂe dahinter, die vor dem groĂen Fluttor am Fischmarkt liegt, ragten die Bushaltestellenschilder nur noch zur HĂ€lfte aus dem Wasser. Die Elbe reichte bis an die Fassaden der HĂ€user am Fischmarkt mit ihren zahlreichen LĂ€den und Restaurants.
Innenministerin Faeser wirbt um Respekt
Bundesinnenministerin Nancy Faeser bedankte sich am Freitag bei allein EinsatzkrĂ€ften im Land. "Ich danke allen EinsatzkrĂ€ften der Polizei, der Feuerwehren, der Rettungsdienste und des THW sehr herzlich, die wegen der aktuellen StĂŒrme und Ăberflutungen im Einsatz sind." Gerade jetzt wĂŒnsche sie sich mehr Respekt und mehr Anerkennung fĂŒr Polizei- und RettungskrĂ€fte und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. "Das gilt besonders in diesen Zeiten der oftmals rauen Anfeindungen und Angriffe, die viele von ihnen erleben mĂŒssen", teilte die SPD-Politikerin mit.
UmstĂŒrzender Tannenbaum tötet Frau auf Weihnachtsmarkt
Eine Schwere Sturmfolge gab es indes in Belgien: Auf einem Weihnachtsmarkt wurde eine Frau von einem etwa 20 Meter hohen Tannenbaum erschlagen. Das Nadelholz habe am Donnerstagabend einer starken Windböe nicht standgehalten, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Der Baum stĂŒrzte auf drei Personen, von denen eine wenig spĂ€ter im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen starb. Die UnglĂŒcksstelle auf dem Weihnachtsmarkt in der Stadt Oudenaarde wurde nach dem Unfall abgesperrt und untersucht.
In dem heftigen Sturm starb auch eine Frau in den Niederlanden. Die 37-JÀhrige sei beim Fahrradfahren von einem umfallenden Baum getroffen worden, teilte der Arbeitgeber der Frau, eine Pflegeeinrichtung, am Freitag mit. Der Unfall ereignete sich bereits am Donnerstag in Wilp etwa 100 Kilometer östlich von Amsterdam.
Die Frau arbeitete als Betreuerin in dem Wohnheim fĂŒr Menschen mit Behinderungen. Sie war auf einem sogenannten Duo-Fahrrad mit einer Bewohnerin unterwegs, als der Baum umstĂŒrzte. Die andere Frau sei bei dem Unfall leicht verletzt worden.
"Zoltan" sorgt weiter fĂŒr krĂ€ftigen Wind
"Zoltan" sorgte am Freitag weiter fĂŒr krĂ€ftigen Wind an der KĂŒste. Am Abend waren laut Deutschem Wetterdienst orkanartige Böen mit mehr als 100 Stundenkilometern möglich. In der zweiten NachthĂ€lfte sollte der Wind etwas abnehmen, am Samstagabend dann wieder krĂ€ftiger werden, allerdings nicht mehr so stark wie am Freitag.
Vor Fahrtantritt informieren
FĂŒr das bevorstehende Weihnachtswochenende empfiehlt die Bahn ihren FahrgĂ€sten, sich vor Antritt ihrer Reise in der Fahrplanauskunft in der App "DB Navigator" oder auf bahn.de zu informieren. Alle FahrgĂ€ste, die am Freitag oder Samstag ihre geplante Reise wegen des Sturmtiefs verschieben mĂŒssen, können ihr Ticket laut Bahn zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nutzen. Die Zugbindung ist aufgehoben. Das Ticket gelte fĂŒr die Fahrt zum ursprĂŒnglichen Zielort, auch mit einer geĂ€nderten StreckenfĂŒhrung. Sitzplatzreservierungen können kostenlos storniert werden.

