Großes, GefĂ€lle

Großes GefĂ€lle: Nur knapp die HĂ€lfte bekommt Urlaubsgeld

16.06.2026 - 08:17:23 | dpa.de

Nicht einmal die HÀlfte der BeschÀftigten in der Privatwirtschaft bekommt diesen Sommer Urlaubsgeld.

Nach einer Auswertung des WSI-Instituts der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung liegt der Anteil der EmpfÀnger bei 44 Prozent - ebenso wie 2025.

Wer unter Tarifbedingungen arbeitet, hat wesentlich bessere Aussichten auf ein Urlaubsgeld. Laut Analyse erhalten in tarifgebundenen Betrieben der Privatwirtschaft 73 Prozent der Befragten Urlaubsgeld, ohne Tarifvertrag sind es nur 35 Prozent. FĂŒr die Analyse wurden Angaben von rund 50.000 BeschĂ€ftigten ausgewertet, die von Anfang Mai 2025 bis Ende Mai 2026 auf dem Portal Lohnspiegel.de der Böckler-Stiftung gemacht wurden.

"Wenn der Tarifvertrag fehlt, fehlt meist auch das Urlaubsgeld - und auch die GrundgehĂ€lter sind im Durchschnitt niedriger", sagt WSI-Lohnexperte Malte LĂŒbker. Umso bedenklicher sei der RĂŒckgang der Tarifbindung. Diese liegt heute laut dem Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei 49 Prozent, Mitte der 1990er Jahre waren es rund 80 Prozent.

GefÀlle zwischen Mann und Frau

Prinzipiell erhalten BeschĂ€ftigte bei Großunternehmen eher Urlaubsgeld als bei kleinen Firmen, die seltener tarifgebunden sind. Ebenso gebe es ein GefĂ€lle zwischen den Geschlechtern: WĂ€hrend lediglich 38 Prozent der weiblichen Angestellten Urlaubsgeld erhalten, sind es bei den MĂ€nnern 49 Prozent. Zugleich erhalten 46 Prozent der BeschĂ€ftigten in Westdeutschland den Zuschuss, im Osten inklusive Berlin sind es nur ein Drittel (33 Prozent).

Wie hoch das Urlaubsgeld ist, hĂ€ngt von den Regelungen in den TarifvertrĂ€gen ab. Die Bandbreite reiche von 186 Euro in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bis 2.904 Euro in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe. WĂ€hrend laut Studie auch in der Papier-, der Metall- und der Druckindustrie sowie dem Kfz-Gewerbe Urlaubsgelder von ĂŒber 2.000 Euro gezahlt werden, stehen die SĂŒĂŸwarenbranche, das Hotel- und GaststĂ€ttengewerbe und die Landwirtschaft ganz unten.

Wenig Urlaubsgeld in Niedriglohnbranchen

Dort, wo Gewerkschaften gute TarifabschlĂŒsse durchgesetzt hĂ€tten, falle auch das Urlaubsgeld höher aus, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. "In den klassischen Niedriglohnbranchen wird in der Regel nur ein niedrigeres Urlaubsgeld gezahlt."

In einigen Branchen oder Großunternehmen, in denen bundesweite TarifvertrĂ€ge gelten, gebe es beim Urlaubsgeld keine Ost-West-Unterschiede mehr, so die Böckler Stiftung. Dazu zĂ€hlten etwa Versicherungen, das GebĂ€udereinigungshandwerk und die Deutsche Bahn AG. Auch in der Druck- und Chemieindustrie werde ein einheitliches Urlaubsgeld gezahlt.

Im öffentlichen Dienst besteht laut WSI kein gesondertes Urlaubsgeld mehr. Seit 2005 fließe es zusammen mit dem Weihnachtsgeld als einheitliche Jahressonderzahlung im November. Auch im Bankgewerbe und in einigen TarifvertrĂ€gen der Energiewirtschaft gebe es kein tarifliches Urlaubsgeld.

de | boerse | 69550189 |