Nissan Aktie: Fabrik für Drohnen?
25.06.2026 - 17:05:02 | boerse-global.de
Das Oppama-Werk in der Nähe von Tokio war einst die Wiege des Nissan Leaf — nun könnte es zu einer Drohnenfabrik werden. Das US-Rüstungsunternehmen Anduril Industries ist nach Reuters-Informationen in Gesprächen, das Gelände vom angeschlagenen Automobilhersteller zu übernehmen.
Rüstungskonzern als potenzieller Käufer
Oppama ist kein kleines Randwerk: Das 1961 eröffnete Küstengelände erstreckt sich über 1,7 Millionen Quadratmeter, hat rund 18 Millionen Fahrzeuge produziert und liegt in direkter Nachbarschaft zum Stützpunkt der japanischen Seestreitkräfte in Yokosuka. Nissan hatte 2025 angekündigt, das Werk bis 2028 zu schließen — als Teil eines Plans, die Produktionskapazität um eine Million Fahrzeuge zu reduzieren. Für die rund 2.400 Beschäftigten sollen Jobs an anderen japanischen Standorten entstehen.
Anduril, gegründet von Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey, hat seinen Ruf damit aufgebaut, autonome Waffensysteme schneller und günstiger herzustellen als etablierte Rüstungskonzerne. Das Unternehmen hat bereits eine japanische Tochtergesellschaft gegründet und einen Drohnen-Prototyp namens "Kizuna" aus japanischen Bauteilen gefertigt — ein Schritt, um Tokios Anforderungen an lokale Wertschöpfung zu erfüllen. Ein Kauf ist allerdings noch nicht beschlossen: Nissan führt parallel Gespräche mit weiteren Interessenten, und Anduril braucht zunächst konkrete Aufträge vom japanischen Militär, bevor ein Deal wirtschaftlich Sinn ergibt.
Ghosn meldet sich — und die Aktionäre toben
Zeitgleich brodelt es auf der Aktionärsseite. Auf der Hauptversammlung diese Woche versuchte mindestens ein Investor, die Rückkehr von Ex-Chef Carlos Ghosn durchzusetzen — das Vorhaben scheiterte, die Mehrheit stimmte für den amtierenden Vorstand unter CEO Ivan Espinosa. Ghosn selbst meldete sich danach zu Wort. Drei Vorstandsgenerationen hätten Nissan nicht retten können, so der seit 2019 in Beirut lebende Manager. Er verweist auf einen Kursrückgang von rund 80 Prozent seit seinem Abgang 2018, sinkende Absatzzahlen und Werksschließungen.
Macquarie-Analyst James Hong wertet den Aktionärsantrag weniger als realistische Option denn als Symptom der Frustration: "Sie vermissen die glorreichen Zeiten von Nissan." Ghosn selbst schließt nichts aus — er hält sich für den einzigen geeigneten Retter, warnt aber, dass ohne radikalen Kurswechsel ein Aufgehen in einem chinesischen Konzern drohe.
Nissan verweist unterdessen auf einen operativen Gewinn im zurückliegenden Geschäftsjahr und eine solide Liquiditätssituation. Ob das für das Vertrauen der Märkte ausreicht, hängt wesentlich davon ab, wie schnell der Oppama-Verkauf und die laufende Restrukturierung konkrete Früchte tragen — nächste Klarheit dürfte der Herbst bringen, wenn Nissan seine Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2026/27 vorlegt.
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