Novo Nordisk erhöht erneut Prognose - Anleger dennoch enttÀuscht
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 10:49 Uhr | dpa.deDer dĂ€nische Pharmahersteller blickt nun noch etwas weniger pessimistisch auf das laufende Jahr als zuletzt. An der Börse reichte dies aber nicht, um die Anleger zufriedenzustellen, diese hatten sich zum Teil mehr erhofft. An der Börse in Kopenhagen rutschte die Aktie ab. Analysten bemĂ€ngelten vor allem die Entwicklung der neuen Abnehmpille Wegovy. Diese steht derzeit besonders im Fokus, weil Novo Nordisk im Wettbewerb mit dem US-Konkurrenten Lilly US5324571083 Marktanteile zurĂŒckgewinnen will.
Die Novo-Nordisk-Aktie verlor am Mittwoch zunĂ€chst bis zu viereinhalb Prozent auf 293,50 dĂ€nische Kronen. Damit beendete das Papier die jĂŒngste Erholung von dem im MĂ€rz erreichten Mehrjahrestief in Höhe von 224 Kronen. Das Papier hat seit Juni 2024 einen schweren Stand am Finanzmarkt. Damals war die Aktie im Zuge des Booms um die Abnehmmedikamente und der massiven Rally der Novo-Nordisk- und Lilly-Papiere zeitweise ĂŒber die Marke von 1.000 Kronen geklettert. Mit einem Börsenwert von umgerechnet mehr als 500 Milliarden Euro war Novo Nordisk im Sommer 2024 das wertvollste Unternehmen Europas.
In den Monaten und Jahren danach stĂŒrzte die Novo-Nordisk-Aktie wegen verfehlter Forschungserwartungen, eines massiven Preisdrucks auf dem US-Markt, der Aufholjagd der Konkurrenz und mehrerer Umsatz- und Gewinnwarnungen massiv ab. Derzeit kommt das Unternehmen nur noch auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet knapp 180 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert des US-Konzerns Lilly zog seit Ende Juni 2024 um rund ein Viertel auf 1,05 Billionen Dollar oder etwas mehr als 900 Milliarden Euro an.
UBS-Experte Matthew Weston bezeichnete die Entwicklung von oralem Wegovy als enttĂ€uschend. Die Zahlen zum zweiten Quartal bewertete er "bestenfalls als gemischt". Zwar habe Novo Nordisk den Jahresausblick angehoben, doch beruhe dies vor allem auf positiven Sondereffekten wie einer Brutto-zu-Netto-Anpassung in den USA sowie einem gĂŒnstigen Umsatzmix. Zudem lieĂen neue Studiendaten zum Adipositas- und Diabetesmittel Cagrisema weitere Zweifel an der StĂ€rke der Produktpipeline aufkommen, schrieb der Analyst. Cagrisema hatte in der Studie im Vergleich zum Konkurrenzprodukt Zepbound des US-Konzerns Lilly schlechter abgeschnitten.
Auch die schnelle MarkteinfĂŒhrung der Wegovy-Tablette hatte bei den Anlegern die Hoffnung auf einen deutlich stĂ€rkeren Erfolg geweckt, da Novo Nordisk im Wettbewerb mit Lilly Marktanteile zurĂŒckgewinnen will. Das Ergebnis schĂŒrte jedoch Sorgen ĂŒber die langfristige WettbewerbsfĂ€higkeit des Unternehmens.
JPMorgan-Analyst Richard Vosser sieht die Quartalszahlen zwar deutlich ĂŒber den Erwartungen. Die Prognoseanhebung dĂŒrfte zu höheren MarktschĂ€tzungen fĂŒhren, schrieb er. Der Fokus der Anleger verlagere sich aber zunehmend auf die Entwicklung der US-Verschreibungen fĂŒr orales und injizierbares Wegovy im zweiten Halbjahr 2026.
Novo Nordisk rechnet bei dem um WĂ€hrungseffekte bereinigten Umsatz jetzt maximal mit einem RĂŒckgang um sechs Prozent. Im besten Fall dĂŒrfte der Erlös zu konstanten Wechselkursen auf dem Vorjahresniveau stagnieren, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Zuvor hatte Novo Nordisk bereits aufpoliert und mit einem UmsatzrĂŒckgang von bis zu zwölf Prozent gerechnet. Anfang des Jahres waren es sogar noch bis zu 13 Prozent gewesen. Auch beim operativen Gewinn geht Konzernchef Maziar Mike Doustdar jetzt nur noch von einem RĂŒckgang von maximal sechs Prozent aus.
Im zweiten Quartal legte der um Sondereffekte bereinigte Erlös um sechs Prozent auf 78,5 Milliarden dÀnische Kronen (10,5 Mrd Euro) zu. Ohne die Umrechnungsfolgen durch die starke heimische Krone wÀre der Umsatz sogar um sieben Prozent gestiegen. Der bereinigte operative Gewinn zog um acht Prozent auf 33,4 Milliarden Kronen an. Beide Werte fielen zwar höher als von Experten erwartet aus, die mit der Wegovy-Pille erzielten 3,2 Milliarden Kronen wiederum nicht.
