Nvidia Aktie: Google zielt mit TPU auf Nscale
Veröffentlicht am: 14.07.2026 um 04:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Google wirbt jetzt aktiv um einen Nvidia-Investor. Der Grund: Der Suchmaschinenriese will seine eigenen KI-Chips kĂŒnftig auch auĂerhalb der eigenen Cloud verkaufen. Ausgerechnet Nscale steht im Fokus â ein Cloud-Anbieter, bei dem Nvidia selbst als GroĂinvestor und bevorzugter AktionĂ€r auftritt.
Die Nvidia-Aktie schloss am Montag bei 178,80 Euro. Binnen sieben Tagen legte das Papier um 3,63 Prozent zu, bleibt aber auf Monatssicht mit minus 2,39 Prozent im Minus. Zum Rekordhoch von 202,50 Euro aus dem Mai fehlen noch fast zwölf Prozent.
Google zielt auf Nvidias eigene Kundschaft
Google baut den Vertrieb seiner selbst entwickelten TPU-Chips aus. Bislang liefen diese Prozessoren fast ausschlieĂlich in der eigenen Google Cloud. Jetzt sollen sie auch an unabhĂ€ngige Cloud-Anbieter gehen â sogenannte Neoclouds.
Das Verkaufsargument: stabilere Leistung und einfachere Server-Vernetzung als bei GPU-Systemen. Google verweist dabei gezielt auf Probleme, die Kunden mit Nvidias neuester Grace-Blackwell-Generation und dem kommenden Vera-Rubin-System hatten. Beide Systeme sorgten bei manchen KĂ€ufern fĂŒr Verzögerungen bei der Inbetriebnahme.
Die Wahl von Nscale als Zielkunde wirkt damit besonders pointiert. Der zwei Jahre alte Anbieter zÀhlt Nvidia zu seinen wichtigsten Geldgebern.
Wall Street ordnet die Bedrohung ein
Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Analysten die KI-Ausgaben insgesamt neu bewerten. UBS senkte das Kursziel fĂŒr Meta Platforms von 865 auf 766 US-Dollar, belieĂ die Aktie aber auf "Buy". Morgan Stanley zeichnet dagegen ein deutlich optimistischeres Bild fĂŒr die Branche: Die Investmentbank rechnet damit, dass die fĂŒnf gröĂten Tech-Konzerne â darunter Google-Mutter Alphabet, Meta und Amazon â bis 2028 zwischen 1,2 und 1,4 Billionen US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren.
Druck auf Nvidia kommt derzeit von mehreren Seiten gleichzeitig. Meta will laut einem internen Memo im September mit der Produktion seines eigenen KI-Chips namens "Iris" beginnen. Das Ziel: die RechenkapazitÀt verdoppeln und die AbhÀngigkeit von Nvidia und AMD verringern.
Futurum-Group-Chef Daniel Newman ordnet das allerdings ein. Meta ersetze Nvidia und AMD nicht durch eigene Chips, sondern ergĂ€nze das Angebot, um den wachsenden KapazitĂ€tsbedarf zu decken. Mizuho-Analyst Vijay Rakesh sieht das Ă€hnlich. Ein TPU-Deal zwischen Google und Meta wĂ€re zwar positiv fĂŒr Broadcom, das Googles Chips fertigt. An der grundsĂ€tzlichen Marktstellung Ă€ndere das aber wenig: Nvidia bleibe "immer noch der König".
Erholung trotz Bewertungsdebatte
Der Kursverlauf der vergangenen Wochen zeigt die NervositĂ€t am Markt. Seit dem Rekordhoch vom 14. Mai hat Nvidia rund eine Billion Dollar an Marktwert verloren. Vergangene Woche folgte dann eine krĂ€ftige Gegenbewegung â am Freitag stieg die Aktie im Dow um vier Prozent und war damit Tagesgewinner im Index.
Einige Analysten sehen die aktuelle Bewertung als Kaufgelegenheit. Citi-Analyst Atif Malik verweist darauf, dass Nvidia weiterhin plant, in diesem Jahr die HĂ€lfte des Cashflows an AktionĂ€re zurĂŒckzugeben. Bank of America hĂ€lt an ihrer "Top Pick"-Einstufung fest und begrĂŒndet dies mit Nvidias starkem Zugang zu DRAM-Speicher in einem angespannten Marktumfeld.
Die Aktie notiert derzeit rund 1,4 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 181,40 Euro, aber deutlich ĂŒber dem 200-Tage-Durchschnitt von 164,88 Euro. Die Konkurrenz durch eigene Chips bei Google, Meta und Amazon dĂŒrfte als Thema nicht verschwinden. Die meisten Analysten werten die Entwicklung derzeit aber als Erweiterung des Gesamtmarktes, nicht als unmittelbare Bedrohung fĂŒr Nvidias Vorherrschaft beim Training von KI-Modellen.
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