ROUNDUP, Bio-Produkte

Bio-Produkte sind wieder stÀrker gefragt

13.02.2024 - 16:36:27

Ob beim Griff ins Milchregal, bei Eiern oder GemĂŒse- Bio-Lebensmittel sind bei den Menschen in Deutschland wiederstĂ€rker gefragt.

FĂŒr biologisch hergestellte Produkte gaben Verbraucherinnen und Verbraucher im vergangenen Jahr 16,1 Milliarden Euro aus. Das waren fĂŒnf Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) mitteilte. 2022 war der Umsatz mit Bio-Produkten angesichts der hohen Inflation und der gedĂ€mpften Kauflaune der BĂŒrger noch gesunken. Nun komme die Branche wieder aus der Krise, bilanzierte die BÖLW-Vorsitzende Tina Andres am Dienstag in NĂŒrnberg.

Auf der weltgrĂ¶ĂŸten Naturkostmesse Biofach - parallel veranstaltet mit der Naturkosmetikmesse Vivaness - verbreitete der Branchenverband Optimismus. So legten die Bio-UmsĂ€tze im Lebensmitteleinzelhandel 2023 laut BÖLW um 7,2 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro zu. Im Bio-Fachhandel betrug der Umsatz 3,2 Milliarden Euro, bei ReformhĂ€usern, in HoflĂ€den und im Online-Handel wurden 2,1 Milliarden Euro umgesetzt.

Im Einzelhandel entfiel der grĂ¶ĂŸte Anteil der UmsĂ€tze mit Bio-Lebensmitteln (40 Prozent) auf Discounter. Bio-LĂ€den und Bio-SupermĂ€rkte konnten ihre UmsĂ€tze 2023 demnach nur leicht steigern. Zu schaffen machte ihnen die weiter hohe Inflation und im Fachhandel sehr preissensible Kundinnen und Kunden.

Mit einem Abflachen der Inflation verzeichnete aber auch der Bio-Fachhandel 2023 wieder steigende UmsĂ€tze, wie der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) jĂŒngst bestĂ€tigte. Mit 3,83 Milliarden Euro lag der Umsatz der reinen Bio-LĂ€den 2023 rund 0,2 Prozent ĂŒber dem Vorjahreswert. Die Zahlen des BNN umfassen die UmsĂ€tze aller Bio-MĂ€rkte und aller SupermĂ€rkte mit reinem Bio-Angebot.

Getragen wird das Umsatzwachstum beim Blick auf die gesamte Bio-Branche nach Angaben des BÖLW vor allem von gestiegenen Preisen und einer stabilen Verkaufsmenge. Auch Marktanalystin Diana Schaack von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft sieht die gestiegenen Preise als Hauptgrund fĂŒr das Umsatzwachstum im Bio-Bereich. Im Schnitt wurden Bio-Lebensmittel im vergangenen Jahr um fĂŒnf Prozent teurer, bei Lebensmitteln generell betrug der Preisanstieg neun Prozent. Zugleich fiel das Umsatzwachstum bei konventionellen Lebensmitteln geringer aus als der Anstieg der Preise, beobachtete Analystin Schaack.

Auch der KonsumgĂŒter-Experte David Georgi vom Marktforscher NIQ bestĂ€tigte diesen Trend: "Bio-Lebensmittel waren auf den ersten Blick bisher ĂŒberraschend resilient, was den Inflationseinfluss angeht." Auf den zweiten Blick zeigten sich allerdings die Auswirkung des Sparzwangs auf die Konsumenten. Innerhalb der Bio-Lebensmittel seien fast ausschließlich die Eigenmarken gewachsen, teilte Georgi mit. In wachsenden Bio-Sortimenten und einer teils großen Preis-LĂŒcke zwischen Discount und Fachhandel sieht der Experte "massive Risikofaktoren".

Der Branchenverband BÖLW verkĂŒndete unterdessen einen weiteren Anstieg der Bio-AnbauflĂ€che in Deutschland. Im Umfang von mehr als 300 Fußballfeldern habe die ökologisch bewirtschaftete AnbauflĂ€che im vergangenen Jahr zugenommen und betrage nun rund 1,94 Millionen Hektar. Damit werden mittlerweile knapp 12 Prozent aller landwirtschaftlichen FlĂ€chen in Deutschland ökologisch bewirtschaftet.

ErklĂ€rtes Ziel der Bundesregierung ist ein Anteil der Bio-Landwirtschaft von 30 Prozent an allen FlĂ€chen bis 2030. Laut Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (GrĂŒne) kommt es fĂŒr mehr Bio außerdem darauf an, dass mehr Höfe mitmachen. Ihre Zahl blieb 2023 mit rund 36 500 und einem Anteil von 14,3 Prozent aller Betriebe aber weitgehend gleich.

Dass auf dem Markt mit Bio-Produkten noch Luft nach oben ist, zeigt auch ein Blick in Deutschlands NachbarlĂ€nder. Lag der Pro-Kopf-Umsatz mit Bio-Produkten 2022 hierzulande bei 184 Euro, gaben die Österreicherinnen und Österreicher 287 Euro aus. Und in der Schweiz betrug der Wert zuletzt umgerechnet 441 Euro.

@ dpa.de