Rewe-Chef, Markenartikel

Rewe-Chef: Markenartikel verlieren an Bedeutung

22.04.2026 - 15:06:44 | dpa.de

Ob Schokolade oder Kaffee: Markenartikel sind fĂŒr den LebensmittelhĂ€ndler Rewe heute weniger wichtig als noch vor einigen Jahren.

"Sie verlieren definitiv an Bedeutung. Wir können das zwar nicht fĂŒr jeden Artikel sagen, aber insgesamt gehen Mengen und UmsĂ€tze im Vergleich zu unseren Eigenmarken zurĂŒck", sagte Rewe-Chef Lionel Souque der Deutschen Presse-Agentur.

Wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise werden die gĂŒnstigeren Eigenmarken der Handelsketten bei Kunden immer beliebter. Die Rewe-SupermĂ€rkte steigerten ihre Erlöse mit diesen Produkten 2025 im Vergleich zum Vorjahr demnach um sechs Prozent - und damit ĂŒberdurchschnittlich stark. Der Umsatzanteil der Eigenmarken steigt laut Souque von Jahr zu Jahr und liegt inzwischen bei fast 30 Prozent.

"Die Menschen verstehen immer mehr, dass die QualitĂ€t der Produkte hoch ist." Zudem werde der Preisabstand zu den Markenartikeln immer grĂ¶ĂŸer. Kunden kauften Markenprodukte deshalb immer hĂ€ufiger nur noch im Sonderangebot. Als Beispiel nannte Souque Schokolade. "Wir haben die Hersteller gewarnt, die Preise nicht zu stark zu erhöhen." Dennoch seien Produkte von Lindt, Mondelez, NestlĂ© und Mars erneut teurer geworden. Entsprechend sei weniger verkauft worden. "Es gibt Kunden, die sagen: Solche Artikel kann ich mir nicht immer leisten", so Souque.

Souque: Bislang keine Preisanstiege durch Iran-Krieg

Knapp 30 Prozent der Verbraucher in Deutschland kaufen wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise hĂ€ufiger beim Discounter ein als noch vor ein oder zwei Jahren, wie eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt. Souque Ă€ußerte sich darĂŒber enttĂ€uscht. "Es gibt weiterhin viele Leute, die glauben, dass Rewe teurer ist als Lidl oder Aldi." Das sei jedoch nicht der Fall. Die Preise mĂŒssten deshalb besser kommuniziert werden.

Laut einer Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle kosten die Produkte der Kernsortimente von SupermĂ€rkten und Discountern bis auf wenige Ausnahmen gleich viel. "Wir beobachten jede Woche die Preise", sagte Souque. Wenn ein Wettbewerber Preise senke, ziehe man nach. In anderer Hinsicht sieht er die Rewe-MĂ€rkte im Vorteil gegenĂŒber Discountern. "Wir haben viel mehr Auswahl."

Aus Sicht des Rewe-Chefs sind spĂŒrbare Auswirkungen des Iran-Kriegs bislang nicht zu erkennen. "Bis jetzt gibt es keine Preisanstiege und auch keine Anfragen aus der Industrie." Anders als im Fall der Ukraine kĂ€men aus den betroffenen LĂ€ndern keine Rohstoffe, die fĂŒr Hersteller besonders wichtig seien. Sollte der Krieg lĂ€nger dauern, könnte es jedoch passieren, dass Verpackungen teurer wĂŒrden und in der Folge auch Lebensmittel. Die Preise in den Rewe-MĂ€rkten seien zwischen MĂ€rz 2025 und MĂ€rz 2026 lediglich um ein Prozent gestiegen, sagte Souque.

Touristiksparte Dertour wÀchst erneut stark

Die Rewe-Gruppe steigerte ihre GesamtumsÀtze im In- und Ausland 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf 100,4 Milliarden Euro. Die Supermarktkette Rewe legte dabei etwas stÀrker zu (plus 3 Prozent) als die Discounter-Tochter Penny (plus 0,7 Prozent), die selbststÀndigen Rewe-Kaufleute steigerten ihre Erlöse um gut 7 Prozent. Deutlich gewachsen ist erneut die Touristiksparte Dertour, die von der anhaltenden Reiselust profitierte und ein Plus von 18 Prozent verbuchte.

Der JahresĂŒberschuss des Konzerns lag bei 525 Millionen Euro und halbierte sich damit nahezu. SelbststĂ€ndige Rewe-HĂ€ndler und Beteiligungsunternehmen sind darin nicht berĂŒcksichtigt. Der RĂŒckgang wird unter anderem mit den Investitionen in die Rabatt-Apps von Rewe und Penny begrĂŒndet. Diese werden den Angaben zufolge von 18 Millionen Menschen genutzt.

Laut einer Analyse des Handelsforschungsinstituts IFH Köln fĂŒhren die Apps oft nicht zu einer engeren Kundenbindung. Viele Menschen nutzen demnach mehrere Apps gleichzeitig und wechseln je nach Rabatt zwischen den Anbietern. Souque zeigte sich dennoch zufrieden. "Viele treue Kunden sind noch treuer geworden." In den Rewe-SupermĂ€rkten wurden im vergangenen Jahr zwei Milliarden Kunden gezĂ€hlt - und damit 48 Millionen mehr als 2024.

Die Supermarktkette Rewe betreibt in Deutschland rund 3.800 Filialen, der Discounter Penny gut 2.100. Der Handelskonzern beschÀftigt hierzulande 272.000 Menschen.

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