Ă–lpreis stabilisiert sich bei 104-105 Dollar: Geopolitische Spannungen um StraĂźe von Hormus treiben Brent und WTI
12.05.2026 - 08:21:48 | ad-hoc-news.deDer Ölpreis zeigt sich in diesen Tagen widerstandsfähig gegenüber den geopolitischen Risiken im Nahen Osten. Brent-Rohöl notiert derzeit bei rund 104,63 US-Dollar pro Barrel, während WTI bei etwa 98,25 US-Dollar gehandelt wird. Dieser leichte Anstieg resultiert aus schwindenden Hoffnungen auf eine schnelle Deeskalation im Iran-Konflikt und der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öltransporte.
Stand: Dienstag, 12. Mai 2026, 08:19 Uhr (Europe/Berlin)
Geopolitische Eskalation als Haupttreiber
Die Straße von Hormus bleibt der zentrale Risikofaktor für den globalen Ölmarkt. Diese Engstelle im Persischen Golf transportiert täglich rund 20 Prozent des weltweiten Öls. Eine anhaltende Blockade führt zu massiven Versorgungsengpässen, da alternative Routen teurer und zeitaufwendiger sind. Die direkte Transmission zum Ölpreis erfolgt über ein reduziertes Angebot: Schiffe umfahren die Region oder bleiben liegen, was das verfügbare Öl auf dem Spotmarkt verringert und Preise in die Höhe treibt. Quellen berichten, dass trotz US-Versuchen wie Projekt Freiheit – einer Militäreskorte für Handelsschiffe – die Passage weiter eingeschränkt ist.
Am Montag kletterte Brent zeitweise auf 105,99 US-Dollar, gab jedoch später Teile der Gewinne ab. WTI folgte mit einem Plus von rund 3 Prozent auf 98,25 US-Dollar. Der Unterschied zwischen Brent und WTI spiegelt regionale Dynamiken wider: Brent, als globale Referenz, reagiert stärker auf asiatische und europäische Nachfrageängste, während WTI stärker von US-Lagerbeständen beeinflusst wird.
Morgan Stanley warnt vor Schockpreisen
Investmentbank Morgan Stanley hat in einem aktuellen Bericht die Ernsthaftigkeit der Lage unterstrichen. Im Basisszenario erwarten die Analysten Brent-Preise von 100 US-Dollar im dritten Quartal, 90 US-Dollar im vierten Quartal und 80 US-Dollar im Jahr 2027 – vorausgesetzt, die Hormus-Blockade löst sich bald. Im Extremfall, bei anhaltender Sperrung bis Sommerende, sehen sie Preise von 130 bis 150 US-Dollar als möglich an. Diese Prognose basiert auf einer potenziellen Versorgungslücke von bis zu 1 Milliarde Barrel, wie auch Saudi Aramco-CEO Amin Nasser warnte.
Die Stabilisierung bislang schreiben die Experten hohen strategischen Reserven in China und gesteigerten US-Exporten zu. China, das zuvor 25-35 Prozent seines Öls aus dem Persischen Golf bezog, hat Importe auf 8 Millionen Barrel täglich reduziert und nutzt nun seine Vorräte als Puffer. Dies dämpft den Preisdruck kurzfristig, könnte aber langfristig zu einem Nachfrageanstieg führen, sobald Reserven erschöpft sind.
Marktvolatilität in den letzten Tagen
Die Ölpreise schwankten in der Vorwoche stark: Brent fiel aufgrund von Friedenshoffnungen auf 86 US-Dollar, stieg dann auf über 114 US-Dollar durch Eskalationsängste und korrigierte auf rund 100 US-Dollar. Heizölpreise in Europa folgten diesem Muster und notieren nun niedriger, was für DACH-Verbraucher eine Atempause bedeutet. Dennoch bleibt die Volatilität hoch, da jede neue Meldung zum Iran-Krieg – wie verschärfte Rhetorik von US-Präsident Trump – schnelle Kursreaktionen auslöst.
Die IEA spricht von einer der größten Energiekrisen aller Zeiten durch die Hormus-Sperrung. Dies wirkt sich auch auf verwandte Märkte aus: Düngemittel- und Agrarrohstoffpreise steigen, da Energieintensität hoch ist. Für europäische Investoren relevant: Ein stärkerer US-Dollar (aktuell bei 1,1761) belastet den EUR/USD-Kurs und macht Ölimporte teurer.
Stabilisierende Faktoren und Gegenpole
Trotz Risiken gibt es Dämpfer. US-Exporte haben zugenommen, und globale Lagerbestände – insbesondere in China – federn Engpässe ab. Saudi Aramco betont, dass eine Normalisierung selbst bei sofortiger Öffnung ein Jahr dauern könnte, doch der Markt positioniert sich vorsichtig. Aktienmärkte wie DAX oder S&P 500 ignorieren dies weitgehend und notieren stabil, was eine Diskrepanz zwischen Rohstoff- und Equity-Märkten zeigt.
Für den DACH-Raum sind Implikationen klar: Höhere Ölpreise treiben Diesel- und Heizölkosten, beeinflussen Inflation und ECB-Politik. Industriebranchen wie Chemie und Logistik leiden unter volatilen Energiekosten. Investoren in Öl-ETCs oder Futures sollten die Spreads zwischen Brent und WTI beobachten, da diese derzeit bei ca. 6 US-Dollar liegen.
Ausblick: Nächste Katalysatoren
Kommende US-Inflationsdaten und weitere Nahost-Entwicklungen werden entscheidend. Eine diplomatische Lösung könnte Preise drücken, während Eskalation sie explodieren lässt. Die IEA und OPEC+-Überwachung bieten weitere Anhaltspunkte. Langfristig könnte ein Angebotdefizit den Preis nach oben stützen, sobald Puffer erschöpft sind.
Der Ölmarkt balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Geopolitik und Fundamentaldaten. Europäische Investoren sollten Diversifikation und Hedging priorisieren.
WeiterfĂĽhrende Quellen
- Finanzen.net: Morgan Stanley Prognose
- Esyoil: Ă–lpreise vom Bangen aufgescheucht
- WiWo: Märkte aktuell Nahost
- XTB: Warum Ă–lpreis stabil bleibt
Disclaimer: Keine Anlageberatung. Rohstoffe und Finanzinstrumente sind volatil.
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