Gewerkschaften, Streiks

Österreichs Gewerkschaften starten mit Streiks in die Lohnrunde

Veröffentlicht am: 07.03.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gewerkschaften fordern deutliche Reallohnerhöhungen und lehnen Nulllohnrunden ab. Konflikte in IT und Logistik sowie Forderungen an die EU-Industriepolitik prÀgen die Verhandlungen.

Österreichs Gewerkschaften starten mit Streiks in die Lohnrunde Illustration mit AI erstellt.
Österreichs Gewerkschaften starten mit Streiks in die Lohnrunde Illustration mit AI erstellt.

Warnstreiks in der IT-Branche und stockende Verhandlungen in der Logistik markieren den heißen Start der österreichischen FrĂŒhjahrslohnrunde. Die Gewerkschaften fordern deutliche Reallohnerhöhungen und lehnen Nulllohnrunden kategorisch ab. Parallel mischt sich der ÖGB in die europĂ€ische Industriepolitik ein.

Auftakt mit klarer Ansage: Keine Nulllohnrunden

Am 5. MĂ€rz fiel der Startschuss fĂŒr die industrielle FrĂŒhjahrsrunde, die 130.000 BeschĂ€ftigte betrifft. Den Anfang machte die Elektro- und Elektronikindustrie. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA ĂŒberreichten ihre Forderungen fĂŒr knapp 60.000 Angestellte.

Anzeige

Erfolgreiche Arbeitnehmervertreter schwören auf profunde Rechtskenntnisse, um bei Verhandlungen zu Arbeitszeit und Lohngestaltung das Beste herauszuholen. Dieser kostenlose Leitfaden erklĂ€rt die wichtigsten Mitbestimmungsrechte von A bis Z. HerzstĂŒck der Mitbestimmung: Jetzt Gratis-E-Book sichern

Die Gewerkschaften begrĂŒnden ihre Forderung nach nachhaltigen Lohnerhöhungen mit der wirtschaftlichen Erholung der Branche. Diese zeige sich in vollen AuftragsbĂŒchern und hohen Auslastungen. Neben dem Geld fordern sie bessere Schichtzulagen, eine leichter erreichbare sechste Urlaubswoche und eine zusĂ€tzliche Pflegefreistellung fĂŒr Eltern behinderter Kinder.

Fronten verhÀrten sich: IT streikt, Logistik verhandelt fest

WĂ€hrend die Industrie erst startet, eskalieren andere Sektoren bereits. In der IT-Branche legten am 3. und 4. MĂ€rz BeschĂ€ftigte in österreichweiten Warnstreiks die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft GPA sieht darin ein klares Signal an die Arbeitgeber. Die nĂ€chste Verhandlungsrunde ist fĂŒr den 10. MĂ€rz angesetzt.

Auch in der Speditions- und Lagerbranche zeichnet sich ein harter Kampf ab. Die zweite Verhandlungsrunde endete ergebnislos. Die Wirtschaftskammer bot laut Gewerkschaft vida lediglich 2,2 Prozent mehr Lohn an – deutlich unter der Inflation des Vorjahres. Die Gewerkschaft lehnt zudem Verschlechterungen bei Urlaubsgeld und Ruhezeiten ab. Am 11. MĂ€rz beraten BetriebsrĂ€te ĂŒber das weitere Vorgehen.

ÖGB stellt Bedingungen fĂŒr EU-Industrieförderung

Die Gewerkschaften mischen auch auf europĂ€ischer Ebene mit. Anlass ist der „Industrial Accelerator Act“ der EU-Kommission, der SchlĂŒsselindustrien stĂ€rken soll. ÖGB-PrĂ€sident Wolfgang Katzian knĂŒpft die Zustimmung an strikte Bedingungen.

Staatliche Beihilfen und AuftrĂ€ge mĂŒssten zwingend an den Erhalt hochwertiger ArbeitsplĂ€tze gebunden werden. Der ÖGB fordert Standortgarantien, die Einhaltung von Arbeitsrechten und verpflichtende Investitionen in die Weiterbildung der Belegschaft. ZukunftsfĂ€hige Politik entstehe nicht durch Deregulierung, sondern durch kluge Investitionen.

Anzeige

Besonders bei harten Verhandlungen um Standortgarantien und Arbeitsbedingungen ist eine rechtssichere Strategie fĂŒr BetriebsrĂ€te unerlĂ€sslich. Nutzen Sie bewĂ€hrte Muster-Vereinbarungen und Checklisten, um in jeder Verhandlung das Maximum fĂŒr Ihre Kollegen herauszuholen. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarungen herunterladen

Analyse: Reaktion auf Teuerung und Forderung nach Gerechtigkeit

Experten sehen die HĂ€rte der Gewerkschaften als direkte Folge der vergangenen Teuerungswellen. Viele Haushalte, besonders mit niedrigen und mittleren Einkommen, sind weiter belastet. Die StĂ€rkung der Kaufkraft hat fĂŒr die Gewerkschaften oberste PrioritĂ€t.

Sie argumentieren makroökonomisch: Höhere Löhne stĂ€rken den Konsum und stĂŒtzen die heimische Konjunktur. Zudem rĂŒckt die Verteilungsgerechtigkeit in den Fokus. Der ÖGB betonte zuletzt die Notwendigkeit von mehr Lohntransparenz, um die Einkommensschere zwischen Frauen und MĂ€nnern zu schließen.

Dichter Verhandlungskalender entscheidet ĂŒber KonfliktfrĂŒhjahr

Die kommenden Wochen bleiben dynamisch. Am 10. MĂ€rz geht es in der IT-Branche in die nĂ€chste Runde. Einen Tag spĂ€ter entscheiden Logistik-BetriebsrĂ€te ĂŒber ihr Vorgehen. Weitere Verhandlungen folgen fĂŒr OrdensspitĂ€ler und den Finanzsektor.

Wirtschaftsforscher erwarten eine starke Signalwirkung von den ersten AbschlĂŒssen in der Industrie. Ob die Arbeitgeber auf die Forderungen nach ReallohnzuwĂ€chsen eingehen, wird entscheiden, ob das FrĂŒhjahr von StabilitĂ€t oder anhaltenden Konflikten geprĂ€gt sein wird.

Disclaimer...

de | boerse | 68643842 |