Oracle Aktie: 90 bis 95 Milliarden für Cloud-Infrastruktur
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 10:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Oracle wollte der Liebling der KI-Rallye sein. Jetzt fragt sich die Wall Street, wer eigentlich die Rechnung für den Cloud-Ausbau bezahlt.
Noch vor einem Jahr feierten Anleger den prall gefüllten Auftragsbestand und die Partnerschaft mit OpenAI. Seit diesem Wochenende schaut der Markt auf etwas anderes: die Bilanz. Und die sieht düster aus.
Der Absturz ist brutal. Nach dem Schlusskurs von 110,56 Euro am Freitag hat die Aktie in nur 30 Tagen rund 31 Prozent verloren. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33,48 Prozent zu Buche, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro aus dem September 2025 sind es sogar 60,61 Prozent. Am Freitag markierte Oracle bei 105,10 Euro ein frisches Jahrestief.
Der Kreditmarkt schlägt Alarm
Während Aktionäre auf Wachstumszahlen starren, sendet der Anleihemarkt ein deutlich düstereres Signal. Am Freitag kletterten die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Oracle-Anleihen auf einen Rekordwert von 198,23 Basispunkten. Gläubiger preisen damit ein wachsendes Risiko ein – und das hat einen konkreten Auslöser.
Am 9. Juli stufte S&P Global Ratings die Kreditwürdigkeit von Oracle herab, von BBB auf BBB-. Nur noch eine Stufe trennt den Technologiekonzern vom Ramschstatus. Der Grund: eine Investitionsplanung, die selbst hartgesottene Analysten überrascht hat. Für das Geschäftsjahr 2027 will Oracle zwischen 90 und 95 Milliarden Dollar in Infrastruktur stecken – frühere Schätzungen lagen bei gerade einmal 60 Milliarden Dollar.
Ein Loch in den Wolken
Der Kapitalhunger der KI-Rechenzentren hat den Cashflow von Oracle komplett auf den Kopf gestellt. Das Unternehmen rechnet mit einem freien Cashflow-Defizit von etwa 42 Milliarden Dollar. Um diese Lücke zu stopfen, hat sich Oracle zu einem der größten nicht-finanziellen Anleiheemittenten überhaupt entwickelt – mit ausstehenden Bonds von rund 117 Milliarden Dollar.
Dieser "KI-Anleihen-Blitz" testet gerade, wie viel Geduld Investoren wirklich haben. Zwar meldet Oracle mit 638 Milliarden Dollar einen Rekord bei den offenen Auftragsverpflichtungen (RPO). Die Krux: Rund die Hälfte dieser Summe hängt an einem einzigen Kunden – OpenAI. Diese Konzentration auf einen Abnehmer ist ein Klumpenrisiko, das man so selten bei einem Konzern dieser Größe sieht.
Parallel dazu baut Oracle Personal ab. Etwa 21.000 Stellen sind im vergangenen Jahr weggefallen, ein Rückgang von 13 Prozent. Das Bild, das entsteht: ein Unternehmen, das seine traditionelle Struktur schrumpft, um alles auf eine spezialisierte KI-Infrastruktur zu setzen.
Überverkauft, aber nicht ungefährlich
Charttechnisch ist die Aktie erschöpft. Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,0 und signalisiert klar überverkaufte Bedingungen. Oracle notiert 28,08 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und nur noch 5,20 Prozent über dem frischen Jahrestief.
Trotz des Kursverfalls bleibt das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 220,24 Euro – ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von fast 100 Prozent. Optimisten verweisen auf das Umsatzwachstum der Oracle Cloud Infrastructure von 93 Prozent im Jahresvergleich sowie auf neue Finanzierungsdeals, darunter ein gemeldetes Rechenzentrumspaket mit PIMCO im Umfang von 14 Milliarden Dollar.
Reicht das, um die Lücke zwischen Kursziel und Kursrealität zu schließen? Die Antwort hängt davon ab, ob Oracles Wette auf die exklusive Stellung im KI-Cloud-Geschäft aufgeht. Genau diese Exklusivität bröckelt gerade. Der Start von Moonshot AIs Kimi-K3-Modell nährt Zweifel daran, ob die Cloud-Partner von Oracle ihren technologischen Vorsprung halten können – ausgerechnet jetzt, wo die Baukosten für diese Infrastruktur ihren Höhepunkt erreichen.
Oracle baut an der Zukunft der KI. Die Rechnung dafür kommt schon heute – und sie fällt höher aus, als viele Anleger eingepreist hatten.
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