Oracle will 50 Milliarden Euro für KI-Cloud einsammeln
02.02.2026 - 16:43:12Der Software-Riese will mit einem der größten Kapitalbeschaffungspläne der Unternehmensgeschichte seine Infrastruktur massiv ausbauen. Hintergrund sind milliardenschwere Verträge mit KI-Giganten wie OpenAI und Nvidia.
Oracle stellt die Weichen für die Zukunft der Künstlichen Intelligenz – und braucht dafür enormes Kapital. Das Unternehmen kündigte an, im Laufe des Jahres 2026 zwischen 45 und 50 Milliarden Euro aufnehmen zu wollen. Das Geld soll direkt in den Ausbau der Oracle Cloud Infrastructure (OCI) fließen, um vertraglich zugesicherte Kapazitäten für KI-Schwergewichte wie OpenAI, Meta, Nvidia und xAI bereitzustellen.
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Der Vorstoß kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Seit einem Höchststand im September 2025 hat der Börsenwert des Konzerns etwa die Hälfte eingebüßt. Anleger sorgen sich um die hohen Ausgaben und die steigende Verschuldung. Der nun vom Aufsichtsrat gebilligte Finanzplan soll diese Bedenken zerstreuen. Er legt offen, wie das aggressive Wachstum finanziert werden soll, ohne die Investment-Grade-Bonitätsbewertung zu gefährden. Die Märkte reagierten zunächst schwankend, bevor die Aktien zulegten – ein Zeichen, dass die Strategie zumindest teilweise überzeugt.
So will Oracle die Milliarden beschaffen
Das Unternehmen setzt auf eine ausgewogene Mischung aus Fremd- und Eigenkapital. Etwa die Hälfte der Summe soll durch eine einzige, große Anleiheemission zu Beginn des Jahres aufgenommen werden. Die andere Hälfte plant Oracle über Eigenkapital zu generieren. Dazu zählen die Ausgabe von wandelbaren Vorzugsaktien und ein neues „At-the-Market“-Programm, über das Aktien im Wert von bis zu 18 Milliarden Euro platziert werden können.
Für die Umsetzung holte sich Oracle prominente Unterstützung: Die Anleiheemission wird von Goldman Sachs geleitet, während Citigroup das Aktienprogramm betreut. Dieser Schritt folgt auf eine Anleiheemission von rund 16 Milliarden Euro im Jahr 2025, die zu den größten Corporate Bonds des Jahres gehörte.
Verträge mit KI-Giganten treiben Expansion
Der gewaltige Kapitalbedarf ist kein spekulatives Manöver, sondern eine Notwendigkeit. Oracle muss vertraglich zugesicherte Kapazitäten für seine prestigeträchtigen KI-Kunden bereitstellen. Der Boom generativer KI-Modelle verschlingt unvorstellbare Rechenleistung. Oracle hat es geschafft, sich als zentraler Anbieter genau dieser spezialisierten Cloud-Infrastruktur zu positionieren.
Damit tritt der Konzern in einen Markt ein, der lange von den „Big Three“ – Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud – dominiert wurde. Der Preis für den Eintritt ist hoch: Oracle muss viele Milliarden in den Bau neuer, KI-tauglicher Rechenzentren investieren. Ein hochrangiger Manager des Unternehmens schrieb kürzlich in einem Blogbeitrag, dass 2026 ein entscheidendes Jahr für den KI-Fortschritt werde. Der Ausbau erfolgt unter anderem in großen Campus-Projekten in US-Bundesstaaten wie Texas, Wisconsin und Michigan.
Finanzielle Belastung und Spargerüchte
Die massive Investitionsoffensive belastet die Bilanz. Der freie Cashflow des Unternehmens ist negativ und könnte nach Analystenschätzungen bis 2030 unter Druck bleiben. Diese finanzielle Anspannung hat maßgeblich zum Aktienrückgang beigetragen.
Die Sorgen der Anleger spiegeln sich auch in den steigenden Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) wider. Als Reaktion auf den finanziellen Druck kursieren Berichte über mögliche Sparmaßnahmen. Analysen der Investmentbank TD Cowen legen nahe, dass Oracle zwischen 20.000 und 30.000 Stellen streichen könnte, um 7 bis 9 Milliarden Euro freizusetzen. Auch der Verkauf nicht-kerniger Assets, wie der 2022 übernommenen Gesundheitstechnik-Sparte Cerner, wird demnach erwogen.
Ein Milliarden-Wettlauf mit ungewissem Ausgang
Oracles 50-Milliarden-Euro-Plan zeigt, welch gewaltige Summen nötig sind, um in der Top-Liga der KI-Infrastruktur mitzuspielen. Das Unternehmen wettet darauf, dass die langfristigen Einnahmen aus den Verträgen mit den KI-Marktführern die gewaltigen Vorabinvestitionen und eine mögliche Verwässerung der Anteile rechtfertigen werden. Der Erfolg der Kapitalbeschaffung in den kommenden Monaten wird der erste kritische Test für diese High-Stakes-Strategie sein.
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