Angriff auf Bahnnetz vergröĂert Sorgen rund um Olympia
26.07.2024 - 17:19:42(neu: Details)
PARIS (dpa-AFX) - BrandanschlĂ€ge auf das Hochgeschwindigkeitsnetz der französischen Bahn haben noch vor der Eröffnungsfeier die Sorge um die Sicherheit bei den Olympischen Spielen vergröĂert. Die Reparaturarbeiten kommen zwar voran - die Staatsbahn SNCF rechnet aber ĂŒber das gesamte Auftaktwochenende der Sommerspiele in Paris mit VerspĂ€tungen und AusfĂ€llen von TGV-SchnellzĂŒgen. Wie das Unternehmen mitteilte, sind davon voraussichtlich auch die Verbindungen von und nach Stuttgart und Frankfurt betroffen.
Unbekannte hatten in der Nacht auf Freitag an verschiedenen Orten BrandsĂ€tze an Anlagen der Bahn gelegt. Medienberichten zufolge wurden unter anderem Signalanlagen angezĂŒndet und Kabel durchtrennt. Es kam zu Chaos und massiven Behinderungen. Tausende Reisende strandeten in den Bahnhöfen und wussten teils ĂŒber Stunden nicht, wie es weitergeht.
Der geschĂ€ftsfĂŒhrende französische Premierminister Gabriel Attal sprach von "koordinierten Sabotageakten". Auch SNCF-Chef Jean-Pierre Farandou geht von einem geplanten Akt aus, da die Taten an strategisch wichtigen Gabelungen im Bahnnetz stattgefunden hĂ€tten. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Untersuchungen eingeleitet. Wer hinter den AnschlĂ€gen steckt und was die genauen HintergrĂŒnde sind, war zunĂ€chst noch unklar.
Drei Schnellstrecken betroffen
Laut SNCF gab es BrandschlĂ€ge auf drei Schnellfahr-Achsen: der Ost-Achse, die von Paris nach StraĂburg und weiter nach Deutschland fĂŒhrt; der Nord-Achse, auf der unter anderem der Eurostar nach Köln und London fĂ€hrt und der Atlantik-Achse von Paris Richtung SĂŒdwesten. Laut SNCF wurde eine Tat auf der SĂŒdost-Achse verhindert. Demnach fanden die AnschlĂ€ge in Courtalain, Croisilles und Pagny-sur-Moselle statt.
Die Bahn arbeitet mit Hochdruck an der Reparatur der SchĂ€den. Reisenden empfahl sie, im Internet zu prĂŒfen, ob der gebuchte Zug tatsĂ€chlich fĂ€hrt oder ob es Abweichungen gibt.
Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete die BrandanschlĂ€ge als nicht hinnehmbar. "Das ist etwas, was absolut zu verurteilen ist. Ein solches Fest des Friedens mit Gewalttaten zu stören, kann niemals akzeptiert werden und verlangt entschiedenste ZurĂŒckweisung", sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch der Deutschen Botschaft in Paris kurz vor der Eröffnungsfeier.
Urlauber und Olympiafans könnten viel Geduld brauchen
Die Auswirkungen auf das französische Schienennetz sind gravierend und werden wohl das ganze Wochenende bemerkbar sein. Nach Angaben der französischen Bahn mĂŒssen sich 800.000 Menschen auf Störungen und ZugausfĂ€lle einstellen.
Auch auf der Route zum Stade de France im Norden von Paris - wo Rugbyspiele und die Leichtathletik-WettkÀmpfe stattfinden - ging zunÀchst nichts mehr. Allerdings hielten sich direkte EinschrÀnkungen auf die sportlichen Events zunÀchst in Grenzen, weil am Freitag kein Training und kein Wettkampf auf dem Olympiaprogramm steht.
IOC hat keine Sicherheitsbedenken
IOC-PrĂ€sident Thomas Bach zeigte sich nach den BahnanschlĂ€gen nicht beunruhigt. "Wir haben volles Vertrauen in die französischen Behörden", sagte der PrĂ€sident des Internationalen Olympischen Komitees. Alle erforderlichen SicherheitsmaĂnahmen seien getroffen worden. Die französischen Behörden wĂŒrden von 180 Geheimdiensten aus der ganzen Welt unterstĂŒtzt, erklĂ€rte Bach.
Die Spiele in Paris werden mit einer pompösen Show auf der Seine offiziell eröffnet. Dabei sollen rund 45.000 SicherheitskrÀfte im Einsatz sein.
Vor den Olympischen Spielen haben Polizei und MilitĂ€r ihre PrĂ€senz in Paris massiv verstĂ€rkt. Frankreich hatte im MĂ€rz die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Ende Mai vereitelten Ermittler PlĂ€ne fĂŒr einen islamistischen Terroranschlag auf ein FuĂballspiel wĂ€hrend der Olympischen Spiele.

