ROUNDUP, Patientenakte-App

Patientenakte-App soll bei Terminbuchung helfen

Veröffentlicht am: 02.04.2026 um 16:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Terminanfragen bei Ärztinnen und Ärzten sind oft keine ganz einfache Sache - wenn etwa das Telefon dauernd besetzt ist oder auf eine E-Mail keine schnelle Antwort kommt.

FĂŒr Patientinnen und Patienten soll es daher nach PlĂ€nen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bald auch einen zentralen digitalen Weg zu Behandlungen in den Praxen geben: ĂŒber die Apps der elektronischen Patientenakten (ePA), wie ein Gesetzentwurf des Ressorts vorsieht. Kommen sollen auch E-Überweisungen zu Weiterbehandlungen.

Warken hatte schon deutlich gemacht, dass digitale Innovationen stĂ€rker im Versorgungsalltag verankert werden sollen. Zentrales Instrument dafĂŒr sollen die E-Akten sein, die rund 70 Millionen der 74 Millionen gesetzlich Versicherten von ihrer Kasse angelegt bekommen haben, was man fĂŒr sich auch ablehnen kann. Kliniken und Praxen sind inzwischen verpflichtet, Daten wie Befunde oder Laborwerte einzustellen. Noch verwenden Millionen Versicherte ihre E-Akte aber nicht aktiv, um eigene Daten anzusehen oder sensible Inhalte zu sperren.

E-Akten sollen im Alltag nĂŒtzlicher werden

Bisher nĂŒtze die ePA vor allem Menschen mit einer Krankheitsgeschichte und vielen Befunden, sagte die Ministerin. Es gehe aber um praktischen Mehrwert fĂŒr alle. DafĂŒr plant das Ressort nun ein Gesetz. "Versicherten sollen nutzerfreundliche, digitale Wege in die ambulante Versorgung angeboten werden", heißt es im Referentenentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuerst berichtete der "Politico Pro-Newsletter Gesundheit" darĂŒber.

Konkret sollen die Krankenkassen demnach spĂ€testens ab Februar 2028 zusĂ€tzliche Funktionen in ihren ePA-Apps einrichten: zum Buchen von Terminen und mit einem Zugang zu einer standardisierten ersten EinschĂ€tzung von Beschwerden, nach der man bei Bedarf zu einem Behandlungstermin gelotst werden kann. Solche ErsteinschĂ€tzungen, bei denen man sich durch bestimmte Fragen klickt, werden schon beim Terminvermittlungsservice der KassenĂ€rzte angeboten, der auch ĂŒber die Hotline 116 117 erreichbar ist.

E-Überweisungen sollen bis 2029 starten

Vorgesehen sind zudem generelle Regelungen, die auch schon bestehende kommerzielle Plattformen fĂŒr Terminbuchungen betreffen. Dazu sollen die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen Anforderungen vereinbaren. Sie sollen gewĂ€hrleisten, dass gesetzlich Versicherte einen "gleichmĂ€ĂŸigen" Zugang zur Versorgung erhalten - indem etwa ausgeschlossen werden muss, dass jemand wegen Vorerkrankungen nur nachrangig Termine bekommt.

Außerdem soll die EinfĂŒhrung von E-Überweisungen geregelt werden. Angestrebt wird, dass sie ab 1. September 2029 etwa von HausĂ€rzten genutzt werden sollen, um Patienten zu FachĂ€rzten zu schicken.

Die Kassen unterstĂŒtzen die PlĂ€ne. FĂŒr Patienten bringe es deutliche Vorteile, wenn die E-Akte eine SchlĂŒsselrolle einnehme und mit neuen Services verknĂŒpft werde, sagte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas. Damit es bei Terminvergaben aber immer nach der medizinischen Dringlichkeit gehe, mĂŒssten einheitliche Standards bei der ErsteinschĂ€tzung gelten. "Kommerzielle Interessen haben bei der Terminvermittlung keinen Platz."

Noch verhaltene Nutzung bei Versicherten

Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) begrĂŒĂŸte es, dass mit dem multimedialen System der 116 117 millionenfach bewĂ€hrte KanĂ€le fĂŒr digitale ErsteinschĂ€tzungen und Terminvermittlungen genutzt werden sollen. Wenn die Politik die Rolle der ePA aufwerten wolle, mĂŒssten aber vor allem die Kassen die Akzeptanz bei den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern noch erheblich steigern.

Laut Ministerium hatten zuletzt rund vier Millionen Versicherte eine digitale Gesundheits-IdentitĂ€t, die ihnen Zugriff auf ihre ePA zum Beispiel am Smartphone ermöglicht. Dabei gilt: Man kann sich einloggen, braucht es aber nicht. FĂŒrs erste Verwenden der App muss man sich zunĂ€chst einmal identifizieren und freischalten lassen. VerbraucherschĂŒtzer und Kassen monieren, dass die Verfahren dafĂŒr fĂŒr viele zu kompliziert seien.

"Auto steht halbfertig am Straßenrand"

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrĂŒĂŸte neue Ideen, wies aber auf Probleme bei den Grundfunktionen und beim BefĂŒllen der E-Akten in Praxen und Kliniken hin. Es gelte erst einmal, "das Auto auf die Straße zu bringen", sagte Vorstand Eugen Brysch. "Zurzeit steht es halbfertig am Straßenrand."

Vorbereitet werden soll mit dem Digitalgesetz auch die vorgesehene EinfĂŒhrung eines verbindlichen Systems, bei dem Patienten in der Regel primĂ€r, also zuerst, in eine Hausarztpraxis gehen sollen. Diese soll sie dann bei Bedarf - mit Termin in einem bestimmten Zeitraum - an FachĂ€rzte ĂŒberweisen. Die Kassen werben fĂŒr einen "digitalen Versorgungspfad" mit elektronischen ErsteinschĂ€tzungen, Überweisungen und Terminvermittlungen. Das unterstĂŒtze Versicherte, "dort medizinisch versorgt zu werden, wann und wo sie es benötigen", sagte die stellvertretende Chefin des Kassen-Spitzenverbandes, Stefanie Stoff-Ahnis.

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