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Mehr Navigation fĂŒr Patienten in dringenden FĂ€llen

22.04.2026 - 15:05:13 | dpa.de

Patientinnen und Patienten mit dringenden Anliegen sollen kĂŒnftig gezielter zu passenden Behandlungsangeboten kommen, statt in ĂŒberfĂŒllte Notaufnahmen der KrankenhĂ€user zu gehen.

Das sehen GesetzesplĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor, die das Bundeskabinett auf den Weg gebracht hat. Kernpunkt soll eine stĂ€rkere Steuerung ĂŒber neue zentrale Anlaufstellen in vielen Kliniken und bundesweit per Telefon sein - vor allem nachts und an Wochenenden, wenn normale Praxen geschlossen sind.

Warken sagte, die Menschen mĂŒssten sich auf eine Notfallversorgung verlassen können, die im Ernstfall schnell Hilfe leiste. "Und zwar egal, wo sie wohnen, in der Stadt oder auf dem Land." Viele Anliegen mĂŒssten aber nicht zwingend in KrankenhĂ€usern behandelt werden. Die Reform solle Hilfesuchende daher besser zu der Versorgungsebene navigieren, die am besten helfen kann. Im Blick stehen vor allem zwei Zugangswege außerhalb der Praxisöffnungszeiten:

Wenn Patientinnen und Patienten anrufen,

... sollen sie unter der bundesweiten Servicenummer 116 117 der KassenĂ€rzte eine ErsteinschĂ€tzung zum weiteren Vorgehen bekommen. Viele Beschwerden könnten an diesen "Akutleitstellen" schnell und unkompliziert mit telefonischer Ă€rztlicher Beratung geklĂ€rt werden, erlĂ€uterte das Ministerium - auch per Video. FĂŒr dringende akute FĂ€lle sollen außerdem rund um die Uhr Ă€rztliche Notdienste auch fĂŒr Hausbesuche bereitgehalten werden.

Vorgesehen ist eine enge digitale Vernetzung der Hotline mit der Notrufnummer 112 fĂŒr lebensbedrohliche Situationen wie Herzinfarkte oder UnfĂ€lle. Wenn man dort in dringenden FĂ€llen anruft, sollen die Rettungsleitstellen klĂ€ren, ob ein Rettungswagen, ein Notarzt oder sogar ein Hubschrauber geschickt wird - oder ob man auch nur zur Akutleitstelle der 116 117 weitergeleitet wird.

Kommen soll auch eine Vorgabe, dass man bei Anrufen unter der 112 gleich am Telefon eine Anleitung zur Wiederbelebung bekommt, wenn jemand anders etwa einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand hat. Die Rettungsleitstellen sollen mit Apps vernetzt werden, ĂŒber die freiwillige Ersthelfer alarmierbar sind.

Wenn Patientinnen und Patienten direkt in die Klinik gehen,

... sollen sie an vielen Standorten an einem Empfangstresen zunĂ€chst eine ErsteinschĂ€tzung bekommen, wohin es geht - in die Notaufnahme oder eine nahe Notdienstpraxis. DafĂŒr sollen in Kliniken "integrierte Notfallzentren" aufgebaut werden, die 24 Stunden am Tag geöffnet sein sollen. An manchen Standorten kann es auch Zentren speziell fĂŒr Kinder und Jugendliche geben.

In welchen Kliniken solche Anlaufstellen entstehen, soll jeweils vor Ort festgelegt werden. Die unterstĂŒtzende Notdienstpraxis soll an Wochenenden von 9.00 bis 21.00 Uhr offen sein, Mittwoch und Freitag von 14.00 bis 21.00 Uhr und Montag, Dienstag und Donnerstag von 18.00 bis 21.00 Uhr.

Geplant ist auch ein Anreiz, vor dem Weg ins zum Krankenhaus zuerst bei der 116 117 anzurufen, wo man eine erste EinschÀtzung zur Dringlichkeit bekommt. Patientinnen und Patienten mit einem entsprechenden Nachweis sollen dann am zentralen Tresen in der Klinik bei gleichgewichtigen Beschwerden in der Regel schneller drankommen als "Selbsteinweiser", die direkt vorstellig werden.

Neuer Rahmen fĂŒr Rettungsdienst

Der Gesetzentwurf sieht auch Neuregelungen beim Rettungsdienst vor. Die Notfallrettung soll kĂŒnftig regulĂ€rer Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen sein. Bisher hĂ€ngt die KostenĂŒbernahme daran, dass Patienten in Kliniken transportiert werden, was oft gar nicht nötig wĂ€re. Ausgeschlossen werden sollen auch FĂ€lle, in denen Patienten auf Kosten dafĂŒr sitzen bleiben.

Immer mehr Andrang in Rettungsstellen

Zuletzt wurden in Kliniken immer mehr Menschen als ambulante NotfĂ€lle behandelt, ohne in Stationen aufgenommen zu werden. Im Jahr 2024 stieg die Zahl laut Statistischem Bundesamt auf 13 Millionen. Das war ein Plus von fĂŒnf Prozent im Vergleich zu 2023 und der Höchstwert seit Erfassungsbeginn 2018. Im Schnitt wurden tĂ€glich 35.600 Menschen in Notfallambulanzen versorgt.

Von Ärzten und Klinikbranche kommt Kritik an der Reform, auch angesichts der SparplĂ€ne der Koalition bei VergĂŒtungen zum Stabilisieren der gesetzlichen Krankenkassen. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte davor, Leistungsversprechen in "unzumutbarer Art und Weise" aufzublĂ€hen, wofĂŒr es keine personellen Ressourcen gebe. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erklĂ€rte, Kliniken, die bereits heute ums Überleben kĂ€mpften, könnten keine zusĂ€tzlichen Aufgaben ĂŒbernehmen, die weitere Verluste verursachen.

Wie es weitergeht

Der Gesetzentwurf kommt nun in den Bundestag. Warken sagte: "Es ist der dritte Anlauf fĂŒr eine lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Reform, und der muss und der wird auch gelingen." Das Vorhaben knĂŒpft an GesetzesplĂ€ne der VorgĂ€ngerregierung an, die wegen des Bruchs der Ampel-Koalition aber nicht mehr umgesetzt wurden. Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen mahnte bundesweit einheitliche Vorgaben fĂŒr die ErsteinschĂ€tzung und die Standorte der kĂŒnftigen zentralen Empfangstresen in Kliniken an, bei denen es keinen Flickenteppich geben sollte.

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