Zum Facharzt in sechs Wochen - Warken gelobt Besserung
04.02.2026 - 15:46:21Die Wartezeiten sind nach aktuellen Zahlen auf sechs Wochen im Schnitt angestiegen. Der Ruf nach Verbesserungen wird lauter. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verspricht den Versicherten kĂŒnftig schnellere Termine bei tatsĂ€chlichem Bedarf. "Wenn ein schneller Termin medizinisch notwendig ist, so soll er auch gewĂ€hrt werden", sagte Warken in Berlin.
Nach einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Linken-Anfrage betrug bei gesetzlich Versicherten, die mindestens einen Tag auf einen Facharzttermin gewartet haben, die Wartezeit 2024 durchschnittlich 42 Tage. 2019 waren es erst 33 Tage. ZĂ€hlt man Patienten mit Termin am selben Tag dazu, waren im Schnitt noch 36 Tage zu warten. Die Antwort auf Basis einer Versichertenbefragung liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, die "Rheinische Post" hatte zuerst berichtet.
Ausgaben fĂŒr offene Sprechstunden gestiegen
Gleichzeitig sind die jĂ€hrlichen Kassen-Mehrausgaben fĂŒr offene Facharzt-Sprechstunden ohne Termin gestiegen - von rund 291 Millionen Euro 2020 auf rund 814 Millionen 2023. Der Gesetzgeber hatte immer wieder Verbesserungen versprochen. So sollte das Terminservice- und Versorgungsgesetz Patientinnen und Patienten zu schnelleren Arztterminen verhelfen und die Versorgung verbessern.
Warken rĂ€umte ein: "Die Schaffung von Anreizen fĂŒr schnellere Facharzttermine - etwa aus der vergangenen Legislaturperiode - haben offenkundig nicht zu nachhaltigen Verbesserungen gefĂŒhrt." Nun seien deshalb konkrete StrukturverĂ€nderungen geplant, "die das Problem von Grund auf angehen". Konkret solle es mehr Navigation und Steuerung geben. Denn: "Wartezeiten auf einen Facharzttermin sind fĂŒr zu viele Versicherte ein Problem."
"Politik doktert herum"
Durch die geplante Reform sollen die Versicherten dann in der Regel zuerst zum Hausarzt gehen. Der soll bei Bedarf zum Facharzt ĂŒberweisen - mit Termin innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Genaueres ist noch offen. Alltag werden soll die Reform voraussichtlich 2028.
Die Chefin des HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, forderte eine schnelle Umsetzung. "Seit Jahrzehnten doktert die Politik an den Symptomen eines zunehmend ĂŒberlasteten Gesundheitswesens rum", sagte sie der "Rheinischen Post".
PatientenschĂŒtzer: Warken fehlt der Mut
Die Linke-Gesundheitspolitikerin Julia-Christina Stange nannte bestehende Regelungen fĂŒr eine bessere Versorgung und schnellere Termine einen "Rohrkrepierer". Angesichts explodierender die BeitrĂ€ge fragten sich die Menschen zurecht, "wessen Interessen hier eigentlich bedient werden".
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verwies in der "Rheinischen Post" auf bestehende GebĂŒhren fĂŒr HausĂ€rzte fĂŒr die Vermittlung von Facharztterminen. Vorstand Eugen Brysch sagte, die guten Absichten dahinter seien von der Ărzteschaft torpediert worden. "Nina Warken ist aufgefordert, die Gelddruckmaschine abzustellen." Der Gesundheitsministerin fehle der Mut, die GebĂŒhren zu streichen. Haus- und FachĂ€rzte könnten weiter Kasse machen.
Hoffen auf Reformen
Martin Krasney, Vorstandsmitglied beim GKV-Spitzenverband, forderte in der "Rheinischen Post" kĂŒrzere Wartezeiten fĂŒr Facharzttermine und flexible Ăffnungszeiten der Praxen. Konkret verlangte er eine gesetzliche Regelung fĂŒr ein tagesaktuelles Onlineportal. Ob jemand gesetzlich oder privat versichert sei, solle nicht mehr gefragt werden dĂŒrfen, so der KassenverbandsfunktionĂ€r. Sozialverband-Deutschland-Chefin Michaela Engelmeier sagte zudem dem "MĂŒnchner Merkur" von Ippen-Media: "Wo es sinnvoll ist, sollten KrankenhĂ€user fĂŒr die ambulante Versorgung geöffnet werden."
Das Problem heute ist laut Buhlinger-Göpfarth: Viele Patienten schlĂŒgen beim Facharzt auf, die dort gar nicht hingehörten. "Das Motto lautet vielerorts: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Daran sind nicht die Patientinnen und Patienten schuld, sondern das chaotische System, in dem jeder auf eigene Faust versuchen muss, sich irgendwie durchzuschlagen." KĂŒnftig wĂŒrden durch bessere Steuerung KapazitĂ€ten in Facharztpraxen frei.
KassenÀrzte: Meist innerhalb von drei Tagen
Der Chef der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, wies Kritik zurĂŒck. "Die allermeisten Termine erfolgen innerhalb von drei Tagen, NotfĂ€lle werden sofort behandelt", sagte Gassen der "Rheinischen Post". Jeder Siebte bekomme "sogar noch am selben Tag einen Termin beim Facharzt". Es handele sich um eine Luxusdiskussion: In fast allen LĂ€ndern seien die Wartezeiten "deutlich lĂ€nger". SchrĂ€nke die Politik den finanziellen Spielraum weiter ein, werde es weniger Termine geben, warnte Gassen.

