ROUNDUP, Puffer

Was bringt der Puffer gegen höhere KrankenkassenbeitrÀge?

29.04.2026 - 06:35:03 | dpa.de

Patientinnen und Patienten mĂŒssen sich auf höhere Zuzahlungen und einige Abstriche einstellen, um Anhebungen der KrankenkassenbeitrĂ€ge im nĂ€chsten Jahr zu verhindern.

Das Kabinett soll am Mittwoch GesetzesplĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf den Weg bringen, die dazu auch Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmaherstellern vorsehen. Nach letzten Änderungen soll der "Puffer" gegen höhere BeitrĂ€ge kleiner ausfallen als zuerst geplant. Die Kassen protestieren gegen KĂŒrzungen von Steuermitteln.

Warken verteidigte die PlĂ€ne gegen Kritik. "Wir meinen, ein sehr ausgewogenes Paket vorgelegt zu haben", sagte sie im "heute journal" des ZDF. An Einsparungen sollten sich mit Klinken, Ärzten, Pharmabranche und Versicherten alle beteiligen. Wenn das Milliardenloch bei den gesetzlichen Kassen nicht geschlossen werde, "dann haben alle höhere Belastungen".

Von der Opposition kommt scharfe Kritik. GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der dpa: "Das ist keine Beitragssatzstabilisierung, das ist Beitragssatzeskalation mit Ansage." Die Regierung entziehe den Kassen mehr Mittel, als sie ihnen zusĂ€tzlich verschaffe und wĂ€hle den Weg der geringsten eigenen Verantwortung. Versicherte, Betriebe und BeschĂ€ftigte zahlten - und die VersorgungsqualitĂ€t in Praxen und Kliniken gerate absehbar unter Druck.

Das Ministerium betont in einem ĂŒberarbeiteten Entwurf, zukĂŒnftig sei ein effizienter und zielgerichteter Einsatz der Beitragsmittel zwingend erforderlich. Die in den letzten fĂŒnf bis sieben Jahren sehr hohen VergĂŒtungssteigerungen in allen Bereichen des Gesundheitswesens wĂŒrden auf ein Maß begrenzt, das den LohnzuwĂ€chsen der Gesamtwirtschaft entspreche. Kernpunkte im Überblick:

Die Einsparungen

Warken will die Kassen mit dem "Beitragssatzstabilisierungsgesetz" nun im nĂ€chsten Jahr um 16,3 Milliarden Euro entlasten. Das ist mehr als die erwartete LĂŒcke von 15,3 Milliarden Euro und soll erneute Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge verhindern. ZunĂ€chst waren aber noch Einsparungen von 19,6 Milliarden Euro vorgesehen. Und der kleinere Puffer wĂŒrde sich dann auch in den Folgejahren bemerkbar machen: War ursprĂŒnglich angepeilt, die LĂŒcken bis 2030 schließen zu können, wĂŒrde dies nun 2029 und 2030 absehbar nicht mehr erreicht.

Die SparbeitrÀge

Der grĂ¶ĂŸte Teil der Entlastungen soll 2027 mit 11,3 Milliarden Euro oder rund 59 Prozent aus VergĂŒtungsbegrenzen und Einsparungen bei Praxen, Kliniken und Herstellern kommen. Die Patienten sollen 2,5 Milliarden Euro oder 15 Prozent beisteuern - zuvor waren 3,8 Milliarden Euro oder 19 Prozent vorgesehen. Die Arbeitgeber sollen 3,1 Milliarden Euro oder 19 Prozent der Sparsumme tragen, die Kassenmitglieder 1,2 Milliarden Euro oder 7 Prozent. Der Bund wĂŒrde 2027 unter dem Strich keine Entlastung leisten, sondern 1,8 Milliarden Euro fĂŒr sich sichern. Ab 2030 soll von Bundesseite dann eine leichte Entlastung eintreten.

Was fĂŒr Versicherte in Sicht kommt

- Seit 22 Jahren geltende Zuzahlungen von mindestens 5 und höchstens 10 Euro sollen auf 7,50 und 15 Euro angehoben und dann auch jĂ€hrlich angepasst werden - etwa fĂŒrs Abholen verschriebener Medikamente in der Apotheke.

- Homöopathische Leistungen sollen nicht mehr auf Kassenkosten zu bekommen sein. Die bisher alle zwei Jahre mögliche Hautkrebs-Vorsorge fĂŒr alle Erwachsenen auch ohne Symptome soll ĂŒberprĂŒft werden.

- Um Gutverdiener stĂ€rker heranzuziehen, soll die Beitragsbemessungsgrenze 2027 zusĂ€tzlich um 300 Euro angehoben werden. Aktuell liegt die Grenze, die ohnehin jĂ€hrlich erhöht wird, bei 5.812,50 Euro. Bis zu dieser Schwelle des Monatsgehalts sind BeitrĂ€ge fĂ€llig, vom darĂŒber liegenden Gehalt nicht mehr.

- Die kostenlose Mitversicherung soll beschrĂ€nkt werden. Bleiben soll sie fĂŒr Kinder, Eltern von Kindern bis zum siebten Geburtstag und von Kindern mit Behinderungen sowie Menschen mit pflegebedĂŒrftigen Angehörigen und im Regel-Rentenalter. Ab 2028 sollen andere Kassenmitglieder mit mitversicherten Gatten 2,5 Prozent als Zuschlag zahlen, zunĂ€chst waren 3,5 Prozent geplant.

- Eine zunÀchst vorgesehene pauschale Senkung des Krankengelds, das man nach mehrwöchiger Krankheit bekommen kann, soll jetzt doch nicht kommen.

- Um unnötige Operationen zu vermeiden, soll vor bestimmten Eingriffen erst eine zweite Meinung eines anderen Arztes oder einer anderen Ärztin eingeholt werden mĂŒssen - etwa bei kĂŒnstlichen Kniegelenken.

- Angesichts hoher Fehlzeiten im Job soll bei langwierigeren Erkrankungen eine Teilkrankschreibung ermöglicht werden, wenn BeschÀftigte und Arbeitgeber es möchten - in Stufen von 25, 50 und 75 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit.

Weitere Bausteine

Bei Ärztinnen und Ärzten sowie bei den Kliniken sollen VergĂŒtungsanstiege begrenzt werden. Praxen sollen fĂŒr bestimmte Leistungen Zahlungen außerhalb genereller Honorarbudgets gestrichen werden - etwa fĂŒr das erste Laden von Behandlungsdaten in die elektronischen Patientenakten. Auf Pharmahersteller soll zukommen, dass Medikamente verstĂ€rkt mit RabattvertrĂ€gen gehandelt werden. Auch bei Apotheken soll ein Rabatt erhöht werden. Bei den Kassen sollen unter anderem Verwaltungs- und Werbeausgaben begrenzt werden.

Kommen soll 2028 dann auch eine Zuckerabgabe fĂŒr gesĂŒĂŸte GetrĂ€nke wie Limonaden und Colas - ĂŒber ein separates Gesetz. Die Mehreinnahmen von 450 Millionen Euro im Jahr sollen den gesetzlichen Kassen zukommen. Ärzte und VerbraucherschĂŒtzer fordern seit langem einen Aufschlag als Anreiz, um zu weniger Übergewicht und Diabetes beizutragen. Die Unionsfraktion meldete noch Vorbehalte an. "Das wird bei uns eine große Diskussion geben, das geht nicht einfach durch", sagte Haushaltsexperte Christian Haase (CDU) der "Bild".

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